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Bild der Woche

Hungerwespe in Bernstein

Ensign wasp / Hungerwespe
(Bild: George Poinar Jr., Oregon State University)

Bernstein eröffnet einzigartige Einblicke in die Vergangenheit: Die im fossilen Baumharz eingeschlossenen Pflanzen, Tieren und anderen Organismen bleiben darin über Jahrmillionen hinweg fast unverändert erhalten. Forscher haben bereits unzählige Insekten, giftige Urzeit-Blüten, Pilze und blutsaugende Parasiten in Bernsteinstücken entdeckt. Sehr selten findet man auch eingeschlossene Wirbeltierfossilien, wie den Flügel eines kleinen Urvogels oder den Schwanz eines Jung-Dinosauriers.

Häufig liefern Bernsteinfunde ganz neue Erkenntnisse: So hat George Poinar von der Oregon State University in Bernsteinklumpen aus der aus der Dominikanischen Republik nun vier bisher unbekannte Wespenarten entdeckt. Er schätzt ihr Alter auf etwa 20 bis 30 Millionen Jahre. Die neuen Arten gehören zu den noch heute lebenden Hungerwespen.

Eine dieser Hungerwespen ist auf diesem Foto zu sehen – trotz des hohen Alters sind selbst feinste Details des Insekts gut erhalten. Typischerweise messen diese Insekten fünf bis sieben Millimeter in der Länge und sind anhand ihrer Fortbewegung gut erkennbar: Ihr Hinterleib schwenkt bei jeder Bewegung auffällig die Flügel hin und her.

Und sie haben noch eine Besonderheit: Hungerwespen legen ihre Eier auf oder in die Eier von Kakerlaken. Wenn die Wespenlarve schlüpft, frisst sie das Schabenei. Während sie zu einer erwachsenen Wespe heranwächst, ernährt sich die Larve von etwa einem Dutzend weiteren Eiern der Kakerlaken. Ist ein Kakerlakennest einmal von einer Wespe befallen, hat keine einzige Schabe eine Chance zu überleben.

„Die Wespen werden manchmal als Vorboten der Kakerlaken bezeichnet – wenn Sie Hungerwespen sehen, wissen Sie, dass es hier zumindest ein paar Kakerlaken gibt“, erklärt Poinar. „Einige Arten von Hungerwespen wurden sogar zur Bekämpfung von Kakerlaken in Gebäuden eingesetzt.“

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Aber zeigten die Wespen auch schon vor Jahrmillionen dieses parasitische Verhalten? Obwohl in den Bernsteinfunden keine Kakerlaken eingeschlossen waren, entdeckte der Forscher in einem der Bernsteinstücke drei fliegende Termiten. Poinar hält diese Entdeckung für ein vielversprechendes Indiz, denn die Termiten teilten sich wahrscheinlich ein Nest mit Kakerlaken und haben damit die Wespe angezogen. Für den Experten bedeutete das, dass die Wespen scheinbar vor 20 oder 30 Millionen Jahren ihre Larven auf die gleiche Weise ernährten wie heute.

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