„Viele Hundebesitzer glauben, ihre Hunde wissen, was manche Wörter bedeuten. Doch bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, der diese Annahme stützt“, sagt Ashley Prichard, eine Autorin der Studie. „Wir wollten Daten von den Hunden selbst – nicht nur Berichte der Besitzer.“ Die Forscher konzentrierten sich auf die Mechanismen, die sich im Gehirn eines Hundes abspielen, wenn er Wörter verarbeitet. Zunächst trainierten sie Hunde, in einem Scanner für funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) Platz zu nehmen. Dort können Durchblutungsänderungen von Hirnarealen sichtbar gemacht werden, die mit neuronaler Aktivierung in Zusammenhang stehen.
Bevor es für die Hunde in den Scanner ging, trainierten ihre Besitzer sie mehrere Monate darauf, Spielzeuge ihren Bezeichnungen zuzuordnen. Die Besitzer lobten die Hunde mit Worten oder einer kleinen Nascherei. Die Spielzeuge waren von verschiedener Beschaffenheit, um den Hunden die Unterscheidung zu erleichtern. Der Golden Retriever Labrador Mix Eddie hatte einen ausgestopften, weichen Affen namens „Monkey“ und ein rosafarbenes Schwein aus Gummi namens „Piggy“ zur Auswahl. Als Eddie im Training immer das richtige Spielzeug zum Besitzer brachte, war er für das Experiment bereit. Eddies Besitzer stand vor dem Eingang zum fMRT, sagte „Monkey“ und zeigt den Plüsch-Affen. Zur Kontrolle sagte er anschließend unsinnige Pseudowörter und hielt unbekannte Objekte wie einen Hut oder eine Puppe in der Hand.
Auf den Bildern zeigte sich in den Hörregionen des Gehirns bei den Pseudowörtern eine größere Aktivierung als bei den gelernten Wörtern. Erstaunlich: Das Gehirn des Hundes verhält sich offenbar anders als das des Menschen: Bei uns zeigt sich eine größere neuronale Aktivierung bei bekannten Wörtern. Gregory Berns, der Gründer des Hundeprojekts, vermutet, dass Hunde versuchen, das neue Wort zu verstehen, um den Besitzer zufrieden zu stellen und möglichst eine Belohnung dafür zu erhalten.
Neben Eddie nahmen elf weitere Hunde an der Studie teil. Sechs davon zeigten eine zunehmende Aktivierung im rechtsseitlichen Gebiet des Parietallappens – einer Hirnregion, die vermutlich analog zum menschlichen Gyrus angularis ist, wo Unterschiede von Wörtern verarbeitet werden. Die anderen Sechs zeigten beim Hören der neuen Wörter eine stärkere Aktivierung in anderen Regionen des Gehirns. Berns sagt, die Fähigkeit und Motivation, menschliche Wörter zu lernen und zu verstehen, sei je nach Rasse und individuellem Hund möglicherweise unterschiedlich ausgeprägt.
Hunde können lernen, auf mündliche Befehle zu hören. Sie haben die Fähigkeit, menschliche Sprache zu verarbeiten. Doch das gelingt in Kombination mit anderen Hinweisen wie Gesten des Besitzers oder Gerüchen besser. Das haben andere Studien von Prichard und Berns bestätigt. „Wenn Besitzer ihren Hunden einen Trick beibringen wollen, nutzen sie oft verbale Befehle, weil Menschen diese bevorzugen“, sagt Berns. „Aus der Perspektive des Hundes ist ein visueller Befehl aber effektiver und er hilft ihm, den Trick schneller zu lernen.“





