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Ausgestorbene Arten prägen die Nahrungsnetze bis heute
Erde & Umwelt

Ausgestorbene Arten prägen die Nahrungsnetze bis heute

Reich vernetzt oder flach und lückenhaft? Das Aussterben großer Säugetiere hat die Nahrungsnetze in verschiedenen Teilen der Welt tiefgreifend verändert. · Foto: Chia Hsieh, Michigan State University

Riesige Säugetiere wie Säbelzahntiger und Mammuts nahmen zu ihren Lebzeiten wichtige Positionen im Nahrungsnetz ein. Doch vor 50.000 bis 10.000 Jahren starben die riesigen Raubtiere und Pflanzenfresser in den meisten Teilen der Welt aus – sei es durch Klimaveränderungen oder menschliche Einflüsse. Eine Studie hat nun rekonstruiert, wie sich ihr Verschwinden auf die verbliebenen Arten ausgewirkt hat, und zeigt auch, was weitere Artenverluste für die Ökosysteme bedeuten könnten.
Autor
Redaktion
27. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die Lebewesen in einem Ökosystem sind durch komplexe Nahrungsnetze miteinander verbunden. Die Pflanzenfresser bilden die Nahrungsgrundlage für Fleischfresser, die womöglich selbst wiederum anderen Fleischfressern zum Opfer fallen. Stirbt eine Spezies aus, beeinflusst das auch alle Arten, die mit ihr verbunden sind: Fehlt eine wichtige Beuteart, finden die von ihr abhängigen Fleischfresser weniger Nahrung und müssen auf andere Beutetiere ausweichen. Verschwindet eine Fleischfresser-Spezies, können sich die Beutetiere womöglich übermäßig vermehren. Beide Ereignisse können gravierende Veränderungen des jeweiligen Ökosystems auslösen und dessen Stabilität langfristig beeinflussen.

Raubtier-Beute-Beziehungen

Ein Team um Chia Hsieh von der Michigan State University in East Lansing hat nun rekonstruiert, wie sich das Verschwinden großer Säugetiere, die ehemals eine wichtige Rolle in ihrem jeweiligen Ökosystem einnahmen, auf die Nahrungsnetze ausgewirkt hat. Dazu erfassten die Forschenden Daten zu Raubtier-Beute-Beziehungen von mehr als 440 heutigen Säugetierarten an 389 Standorten in tropischen und subtropischen Regionen Amerikas, Afrikas und Asiens.

„Unsere Ergebnisse zeigen auffällige Unterschiede zwischen den Kontinenten“, berichtet das Forschungsteam. In Afrika haben bis heute viele große Säugetiere überlebt, von kolossalen Pflanzenfressern wie Elefanten und Büffeln bis hin zu großen Raubtieren wie Löwen und Leoparden. Hier ernähren sich die Raubtiere von einer breiten Auswahl verschiedener Beutetiere. Das sorgt für ein stabiles, stark verflochtenes Nahrungsnetz.

Lücken im Nahrungsnetz

„Dagegen tragen die neotropischen Nahrungsnetze in Süd- und Mittelamerika deutliche Spuren des Aussterbens der Megafauna“, erklären Chia Hsieh und ihre Kollegen. Einst bildeten hier riesige Hirsche eine bedeutende Basis des Nahrungsnetzes. Als sie vor rund 12.000 Jahren ausstarben, fehlten sie als Beute für Raubtiere wie Säbelzahntiger und Riesenwölfe, die schließlich ebenfalls verschwanden. Heute sind die meisten Raubtiere Südamerikas deutlich kleiner. Anders als in Afrika sind sie meist auf ein enges Spektrum an Beutearten beschränkt und auch ihre Beute ist der Studie zufolge anfälliger gegenüber ökologischen Veränderungen. Durch das Aussterben der meisten großen Säugetiere sind die Nahrungsnetze flacher geworden, wobei die einzelnen Arten mit weniger anderen Arten verbunden sind.

Asien nimmt den Forschenden zufolge eine Art Zwischenposition ein. Durch Lebensraumverluste sind sowohl die Populationen der Raubtiere als auch die der Beutetiere geschrumpft. Heutige große Raubtiere wie Tiger fressen sowohl Pflanzenfresser als auch kleinere Fleischfresser wie Rotfüchse. Insgesamt ist ihre Ernährungsnische allerdings sehr klein. Die Studie legt nahe, dass diese Entwicklung nicht nur durch die heutigen Umweltbedingungen zurückzuführen ist, sondern auch auf vergangene Aussterbeereignisse.

Viele der großen Säugetiere weltweit, die bis heute überlebt haben, sind inzwischen vom Aussterben bedroht. Laut Hsieh und ihren Kollegen kann ihre Studie dabei helfen, die potenziellen langfristigen Auswirkungen zu verstehen, die ein Verschwinden dieser Arten mit sich bringen könnte. „Indem wir die Vergangenheit untersuchen, können wir auch versuchen zu verstehen, was uns in Zukunft erwartet“, sagte Hsieh.

Quelle: Chia Hsieh (Michigan State University, East Lansing, USA) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2519938123

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