Rund 7,6 Milliarden Tonnen CO2 speichern Wälder weltweit pro Jahr und gelten damit als die größte CO2-Senke an Land. Aufforstungsprogramme sollen im Rahmen nationaler und internationaler Klimastrategien dabei helfen, zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und menschengemachte Emissionen aus anderen Bereichen auszugleichen. Diese Programme können allerdings nur erfolgreich sein, wenn das CO2 tatsächlich in den Wäldern gespeichert bleibt und nicht innerhalb kurzer Zeit wieder freigesetzt wird, etwa durch Waldbrände. Doch genau diese Voraussetzung gerät durch den Klimawandel ins Wanken. Für Deutschland hat bereits eine Analyse ergeben, dass die Wälder im Bundesgebiet seit 2017 mehr CO2 abgegeben haben als sie aufgenommen haben.
Boreale Wälder besonders gefährdet
Ein Team um Matthew Jones von der University of East Anglia in Norwich hat nun Daten zu Waldbränden weltweit seit 2001 ausgewertet. Dazu nutzten die Forschenden satellitengestützte Fernerkundungsdaten, die Aufschluss über die verbrannte Waldfläche und das dabei freigesetzte CO2 gaben. Um die Ursachen für die Brände aufzuschlüsseln, nutzten Jones und seine Kollegen maschinelles Lernen, um die betrachteten Gebiete in zwölf sogenannte Pyrome einzuteilen – also in Regionen, innerhalb derer ähnliche Bedingungen von Umweltfaktoren und menschlichen Einflüssen herrschen.
Das Ergebnis: „Unsere Analyse ergab, dass die Emissionen durch Waldbrände außerhalb der Tropen im Zuge des Klimawandels erheblich zugenommen haben“, berichtet das Team. „In borealen Wäldern Eurasien und Nordamerikas haben sich die feuerbedingten Emissionen zwischen 2001 und 2023 fast verdreifacht. Dieser Anstieg stand im Zusammenhang mit einer Zunahme von feuerbegünstigenden Wetterbedingungen.“ Ein sogenanntes „Feuerwetter“ wird durch den Klimawandel häufiger und kennzeichnet sich durch anhaltend hohe Temperaturen, starke Winde und eine geringe Feuchtigkeit im Boden und in der Luft aus. Unter solchen Bedingungen kann ein einziger Blitzschlag ein Feuer entfachen, dem riesige Waldflächen zum Opfer fallen.
Ausdehnung und Intensität der Waldbrände erhöht
Verschärft wird das Problem den Forschenden zufolge durch einen Trend, der zunächst eigentlich positiv für die Wälder erscheint, dem „Global Greening“: Wärmere Temperaturen und ein erhöhter CO2-Gehalt der Atmosphäre fördern das Wachstum der Vegetation in Wäldern, sowohl bei den Bäumen selbst als auch im Unterholz. Doch im Falle eines Feuers wird gerade eine dichte Vegetation dem Wald zum Verhängnis – insbesondere, wenn viele Pflanzenteile durch vorangehende Dürreperioden ausgetrocknet sind. Sie fungieren dann als Brennmaterial, das die Ausbreitung des Feuers beschleunigt und seine Intensität erhöht. „Die Zunahme von Ausmaß und Schwere der Waldbrände hat zu einem dramatischen Anstieg der durch Waldbrände weltweit freigesetzten Kohlenstoffmenge geführt“, berichtet Jones.





