Es handelt sich bei der globalen Erwärmung hauptsächlich um ein Energieproblem. Die Strom- und Wärmeerzeugung wie auch der Verkehr basieren global betrachtet in erster Linie auf der Verfeuerung von fossilen Brennstoffen – Kohle, Erdöl und Erdgas –, wodurch große Mengen des Treibhausgases CO2 freigesetzt werden. Das Gas – und das ist die Krux – besitzt eine äußerst lange Verweildauer von Jahrhunderten bis hin zu Jahrtausenden in der Atmosphäre. Es reichert sich an, verteilt sich um den Erdball und ist überall wirksam. Der Ort des CO2-Ausstoßes ist irrelevant. Die Begrenzung der globalen Erwärmung ist somit ein Lackmustest für die Weisheit der Menschen, weil es einer engen internationalen Zusammenarbeit bedarf, damit es nicht zu einer übermäßigen globalen Erwärmung kommt, von der alle Länder betroffen wären.
Realitätsverlust der Politik
Betrachtet man die bisherigen weltweiten Klimaschutzanstrengungen, steuern wir auf eine Erwärmung von etwa 3 Grad Celsius zu. Vor diesem Hintergrund grenzt es schon an Realitätsverlust, wenn Politiker bekräftigen, an dem 1,5-Grad-Ziel von Paris festhalten zu wollen. Im „Dorsch – Lexikon der Psychologie“ heißt es, Realitätsverlust sei ein „Zustand, in dem es den Betroffenen nicht möglich ist, einzelne oder mehrere Objekte der Umwelt in einen sinnvollen Zusammenhang mit dem eigenen Denken und Handeln zu bringen. Dabei äußern die Betroffenen oftmals Gedanken oder zeigen Verhaltensweisen, die von der Außenwelt als nicht nachvollziehbar oder verstehbar erlebt werden.“
Die bittere Wahrheit ist: Das Einhalten der Pariser Klimaziele ist reines Wunschdenken. Dazu muss man sich nur ein paar fundamentale Zusammenhänge klarmachen. Einige Komponenten des Erdsystems wie die Ozeane oder die kontinentalen Eismassen reagieren mit einer erheblichen Zeitverzögerung auf den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre. Betrachten wir dazu den rein hypothetischen Fall, dass sich die Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren lassen. Selbst in diesem völlig unrealistischen Szenario würden sich die Temperaturen noch um mindestens 0,5 Grad Celsius erhöhen – um wie viel genau ist unsicher. Damit ist die 1,5-Grad-Marke de facto überschritten und sehr wahrscheinlich auch schon die 2-Grad-Marke.
Neben dieser unvermeidbaren physikalischen gibt es die sozioökonomische Trägheit. Die Menschen werden auch in den kommenden Jahrzehnten und vielleicht darüber hinaus große Mengen Treibhausgase emittieren. Alles andere wäre Augenwischerei. So gab es 2024 einen historischen Höchststand bei den weltweiten CO2-Emissionen, wie schon so viele Jahre zuvor. Selbst wenn die weltweiten CO2-Emissionen auf dem heutigen Stand blieben oder leicht sinken sollten, würde der CO2-Gehalt der Atmosphäre, auf den es schließlich ankommt, schnell anwachsen: Das neu emittierte würde sich zu dem bereits in der Luft befindlichen CO2 addieren. Während der Coronakrise 2020 war das zu beobachten, als der CO2-Ausstoß global um einige Prozent zurückging, der CO2-Gehalt jedoch trotzdem anstieg.





