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Geschichte|Archäologie

Alte Siedlungsstätten in Amazonien entdeckt

Cotoca
Bauten der Casarabe-Kultur in Cotoca. © Prümers et al./ Nature, CC-by 4.0

Im Südwesten Amazoniens haben Archäologen elf bislang unbekannte Siedlungen der Casarabe-Kultur gefunden, die aus der Zeit zwischen 500 und 1400 nach Christus stammen. Zwei der archäologischen Stätten sind wesentlich größer und komplexer als alles, was bisher aus der Region bekannt war. Zudem waren sie offenbar über ausgeklügelte Kanalsysteme mit umliegenden kleineren Siedlungen verbunden, was auf eine hierarchische Organisation schließen lässt. Die Funde werfen somit ein neues Licht auf die kulturellen und architektonischen Leistungen dieser frühen tropischen Kultur.

In Mittelamerika zeugen faszinierende Bauten von den Leistungen einer frühen Hochkultur, der Maya. Im südamerikanischen Amazonas-Tiefland hingegen gingen Wissenschaftler bislang davon aus, dass die natürlichen Gegebenheiten dort nur unzureichend für größere Zivilisationen geeignet waren. Zwischen etwa 500 und 1400 nach Christus lebten in diesem Gebiet zwar Angehörige der Casarabe-Kultur. Da archäologische Untersuchungen der Region jedoch durch die dichte Vegetation des Amazonas-Regenwaldes erschwert werden, war bislang nur wenig über diese Kultur und ihren Entwicklungsstand bekannt.

Laserscans enthüllen verborgene Architektur

Ein Team um Heiko Prümers vom Deutschen Archäologischen Institut in Bonn präsentiert nun aufsehenerregende neue Erkenntnisse über die Architektur und Siedlungsorganisation der Casarabe-Kultur. Aus der Luft untersuchten die Forscher sechs Gebiete in der bolivianischen Llanos de Mojos Savanne. Dabei setzten sie eine Technik namens Lidar (Light Detection and Ranging) ein, bei der sie die Landschaft mit Laserstrahlen scannen. Aus der dabei vom Boden reflektierten Strahlung
kann eine Software rekonstruieren, wie die Landschaft unter der dichten Vegetation geformt ist.

„Die Lidar-Daten enthüllten zwei bemerkenswert große Anlagen in einem vierstufigen Siedlungssystem“, berichten Prümers und seine Kollegen. „Die zivile und zeremonielle Architektur dieser großen Siedlungsplätze umfasst gestufte Plattformen, auf denen U-förmige Strukturen liegen, rechteckige Plattformhügel und konische Pyramiden mit einer Höhe von bis zu 22 Metern.“ An den Lidar-Daten ließ sich auch erkennen, dass die Menschen der Casarabe-Kultur ihre Umwelt aufwendig umgestaltet haben, um sie für ihre Bedürfnisse anzupassen. So identifizierten Prümers und seine Kollegen ausgeklügelte Kanalsysteme, die wahrscheinlich zur Bewässerung, als Wasserspeicher und zum Fischen dienten.

Hierarchische Organisation

Zusätzlich zu den beiden großen Anlagen, Cotoca und Landíva, identifizierten die Forscher 24 kleinere Siedlungsstätten, von denen neun bislang unbekannt waren. Anhand von Faktoren wie der Größe der Erdplattformen, der darauf befindlichen Architektur sowie den Kanälen und Wasserspeichersystemen leiteten die Autoren eine vierstufige hierarchische Klassifizierung der Stätten ab. Dabei stellten sie fest, dass größere Stätten von kleineren umgeben waren und mit diesen über Kanäle und Dämme verbunden waren.

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„Diese hierarchische Ordnung der Siedlungen deutet auf eine hochkomplexe staatliche Organisation hin – ein Grad an sozialer Komplexität, der bisher nicht oft mit dem frühen Amazonien in Verbindung gebracht wurde“, ordnet der Archäologe Christopher Fisher von der Colorado State University in einem begleitenden Kommentar zur Veröffentlichung ein, der ebenfalls in der Fachzeitschrift „Nature“ publiziert wurde. „Cotoca und Landívar sind Beispiele für eine neue Art von Urbanismus in Amazonien. Die Arbeit von Prümers und seinen Kollegen stellt das derzeitige Verständnis der amazonischen Vorgeschichte grundlegend in Frage und bereichert unser Wissen über tropische Zivilisationen.“

Quelle: Heiko Prümers (Deutsches Archäologisches Institut, Bonn) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-022-04780-4

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