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Dating: Auf die Haltung kommt es an

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Menschen in gestreckter (links) und enger Haltung (Fotos: Vacharkulksemsuk et al./ PNAS)
Wer online oder beim Speed-Dating einen neuen Partner sucht, der sollte besonders auf seine Haltung achten. Denn eine Studie zeigt, dass eine offene, gestreckte Körperposition – beispielsweise mit ausgestreckten Armen oder Beinen – den Erfolg stärker beeinflusst als manche anderen Merkmale. In einem Online-Dating-Experiment erhöhte jede Zunahme an Offenheit in der Pose die positiven Reaktionen um 27 Prozent, wie die Forscher berichten. Eine selbstbewusstere Pose wirkt demnach tatsächlich attraktiver.

Wenn es um die Partnersuche geht, spielen nonverbale Signale eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie das, was wir sagen. Schon beim ersten Anblick unseres Gegenübers erfassen wir blitzschnell Merkmale wie die Gesichtsform, Blickrichtung und Pupillenweite und den Gesichtsausdruck. Innerhalb weniger Millisekunden bilden wir uns dadurch einen ersten Eindruck. „Solche nonverbalen Signale sind besonders in der modernen Dating-Landschaft wichtig, in der ein erster Kontakt oft nur wenige Minuten dauert, wie beim Speed-Dating, oder sogar nur Sekunden, wie beim Betrachten eines Profilfotos in einem Dating-Portal“, erklären Tanya Vacharkulksemsuk von der University of California in Berkeley und ihre Kollegen. Immerhin sei der Kontakt durch Online-Dating heute schon der zweithäufigste Weg, um einen neuen Partner kennenzulernen. Die Forscher haben deshalb eine Form nonverbaler Signale untersucht, die in der Wissenschaft bisher eher vernachlässigt wurde: die Körperhaltung. Im Speziellen wollten sie wissen, welchen Einfluss eine offene, gestreckte oder eine enge, in sich geschlossene Position auf die wahrgenommene Attraktivität und die Dating-Chancen hat.

Für ihre Studie führten die Wissenschaftler zwei Experimente durch. Im ersten filmten sie 144 Männer und Frauen bei einem echten Speed-Dating. Jeder Teilnehmer hatte vier Minuten Zeit, um sich ein Urteil über sein Gegenüber zu bilden und ihm ein „Ja“ oder ein „Nein“ zu geben. Zudem wurden sie im Anschluss gebeten, ihren jeweiligen Partner in puncto Attraktivität, Dominanz, Wärme, Intelligenz und geschätztem wirtschaftlichen Erfolg zu bewerten und ihren Grad an Anziehung anzugeben. Das Ergebnis: Nahm ein Teilnehmer eine offene, expansive Haltung ein, dann erhöhte dies seine Chance, ein „Ja“ zu bekommen enorm, wie die Forscher berichten. Diese Frauen und Männer erhielten von ihren Gegenübern höhere Bewertungen in Attraktivität, Dominanz und den geschätzten Verdienstchancen. Sie wirkten zudem anziehender auf ihre Dating-Partner. Dies spricht dafür, dass die Haltung tatsächlich eine wichtige Rolle spielt. Allerdings: „Es bleibt hier unklar, ob die Speed-Dating-Teilnehmer eine offene Haltung einnehmen, weil sie sich gemocht fühlen, oder ob sie gemocht werden, weil sie diese Haltung einnehmen“, erklären die Forscher.

Mehr Erfolg durch selbstbewusste Pose

Um Ursache und Wirkung eindeutiger zu trennen, führten Vacharkulksemsuk und ihre Kollegen daher ein weiteres Experiment durch – diesmal im Online-Dating. Dafür fotografierten sie sechs Personen einmal in gestreckten Haltungen, einmal in geschlossenen und erstellten für jede auf dieser Basis zwei verschiedene Profile. Anschließend werteten sie die Reaktionen von knapp 3.000 Nutzern der Dating-App aus, die diese Profile angeschaut und entweder positiv oder negativ bewertet hatten. Das Ergebnis: Wieder hatten die Profile mit der ausgebreiteten Haltung die Nase vorn. Für jeden zusätzlichen Grad der Gestrecktheit heimsten die Profilfotos 27 Prozent mehr „Ja“-Stimmen ein – selbst wenn die gleiche Person zu sehen war. Nach Ansicht der Forscher bestätigt dies den Verdacht, dass die nonverbalen Signale der Körperposition beim Dating entscheidend wichtig sein können – wichtiger als manche anderen Eigenschaften.

„Unseres Wissens nach ist dies das erste Mal, dass eine Verbindung zwischen dem nonverbalen Signal einer expansiven oder geschlossenen Körperhaltung und der Attraktivität bei einem ersten Dating-Kontakt belegt wird“, konstatieren Vacharkulksemsuk und ihre Kollegen. Wie sie erklären, signalisiert eine expansivere Körperposition nicht nur mehr Offenheit, sondern auch Dominanz. Beides scheint – ähnlich wie im Tierreich – die Paarungschancen zu erhöhen. Dazu passt auch, dass dies zumindest beim Online-Dating für Männer besser funktionierte als für Frauen: Männer mit selbstbewusst gestreckter Haltung kamen noch besser beim anderen Geschlecht an als weibliche Profilfotos in der gleichen Haltung. „In jedem Fall aber ist es offensichtlich, dass eine offene Körperposition die Chance eines Menschen auf einen erfolgreichen ersten Kontakt dramatisch erhöht“, so die Forscher. Ganz praktisch geben sie daher allen Partnersuchenden den Rat, beim Profilfoto sehr darauf zu achten, dass Arme und Beine möglichst gestreckt sind und nicht nah an den Körper gepresst werden.- „Im Gegensatz zur Augenfarbe oder der Gesichtsform ist das ein Merkmal, dass sehr leicht verbessert werden kann und so die Erfolgschancen optimieren hilft“, betonen die Wissenschaftler.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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