Den geheimnisvollen Kanaanitern auf der Spur - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Den geheimnisvollen Kanaanitern auf der Spur

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Für die Studie wurde das Genom aus den Überresten von fünf Kanaanitern analysiert. Foto: Dr. Claude Doumet-Serhal - The Sidon excavation
Der Bibel zufolge trafen die Israeliten auf sie, als sie das Land Kanaan einnahmen – doch wer waren die Kanaaniter und wurde dieses Volk tatsächlich vernichtet, wie die Überlieferung nahelegt? Vergleiche von modernen Genomen mit Erbgutüberresten von Kanaanitern und anderen alten Völkern zeigen nun: Die Kanaaniter sind nicht völlig aus dem Nahen Osten verschwunden – im Gegenteil: Sie bilden maßgeblich die Vorfahren der Menschen, die heute im modernen Libanon leben.

Die Berichte der Bibel haben sie bekannt gemacht: Als die Israeliten aus Ägypten ins gelobte Land Kanaan zogen, stießen sie dort auf Menschen einer hochentwickelte Kultur: Die Kanaaniter lebten in einem Teil des östlichen Mittelmeers, der heute Israel, Palästina, Libanon, Syrien und Jordanien umfasst. Aus der historischen Überlieferung ist bekannt, dass ihre Kultur erheblichen Einfluss auf den Nahen Osten und darüber hinaus besaß: Die Kanaaniter schufen beispielsweise das erste Alphabet und etablierten schließlich Kolonien im ganzen Mittelmeerraum – später bezeichnete man sie dort als die Phönizier.

Ein mysteriöses Volk

Trotz ihrer Bedeutung ist allerdings wenig über die Kanaaniter bekannt – vor allem nicht über ihren Ursprung und ihr Schicksal im Nahen Osten. Da sie ihre Aufzeichnungen meist auf vergänglichem Material niederschrieben, gibt es nur wenige direkte Zeugnisse ihrer Kultur. Der Bibel zufolge wurden die Kanaaniter nach der Eroberung ihrer Städte ausgelöscht. Falls dies tatsächlich so war, dürften sie demnach kaum genetische Spuren im Erbgut der heutigen Menschen dieser Region hinterlassen haben.

Um Licht in diese Geschichte zu bringen, haben Forscher um Marc Haber vom Wellcome Trust Sanger Institute im britischen Hinxton nun zu Mitteln der Genetik gegriffen: Sie haben die Genome von fünf kanaanäischen Menschen sequenziert, die vor fast 4000 Jahren in der heutigen libanesischen Stadt Sidon gelebt haben. Als Vergleichsmaterial nutzten sie die Genome von 99 Menschen, die heute in dieser Region leben. Die Sequenzvergleiche der alten und modernen Genome ermöglichten es den Forschern, die Abstammung der Kanaaniter zu analysieren und ihre Beziehung zu den Leuten zu klären, die heute im Libanon leben.

Genetische Kontinuität

„Anhand der genetischen Merkmale zeichnete sich ab, dass die Kanaaniter eine Mischung aus Menschen waren, die dort seit der Jungsteinzeit lebten und von Einwanderern aus dem Osten, die vor etwa 5000 Jahren in der Region angekommen waren“, sagt Haber. Für eine spätere Vernichtung der Kanaaniter im Nahen Osten fanden er und seine Kollegen jedoch keine Hinweise – im Gegenteil: „Die heutigen Libanesen scheinen die direkten Nachkommen der Kanaaniter zu sein“, so Haber. Sein Kollege Chris Tyler-Smith führt aus: „Über 90 Prozent des genetischen Hintergrunds der heutigen Libanesen scheint von den Kanaanitern zu stammten. Angesichts der enorm komplexen Geschichte dieser Region in den letzten Jahrtausenden war dies ein überraschendes Ergebnis“, so der Forscher.

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Das Team fand allerdings durchaus auch genetische Spuren eines Einflusses von fernen Bevölkerungsgruppen, bei denen es sich wahrscheinlich um die Assyrer, Perser oder Mazedonier handelte. Dies passt zu den Einschätzungen, wann die genetischen Einmischungen entstanden waren: Bestimmte genetische Merkmale lassen vermuten, dass es vor etwa 3800 bis 2200 Jahren zu den fremden Einkreuzungen gekommen war – also in der Zeit, als die ansässige Bevölkerung vielen Eroberungen ausgesetzt gewesen war. Dennoch ist den Forschern zufolge die auffällige Kontinuität in der Region das wichtigste Ergebnis: Es hat seit der Bronzezeit eine starke genetische Tradition gegeben.

Neben diesen konkreten Ergebnissen zeigt die Studie generell, welche interessanten populationsgeschichtlichen Hintergründe die moderne Genetik aufdecken kann, betonen Haber und Tyler-Smith. Diesem Forschungsgebiet wollen sie nun auch weiter treu bleiben: Sie planen, die frühere und spätere genetische Geschichte der Region nun noch weiter aufzuschlüsseln und die Untersuchungen auf umliegende Teile des Nahen Ostens auszuweiten.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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Two killer whales jump above the sea surface, showing their black, white and grey colouration. The closer whale is upright and viewed from the side, while the other whale is arching backward to display its underside.

Two killer whales jump above the sea surface, showing their black, white and grey colouration. The closer whale is upright and viewed from the side, while the other whale is arching backward to display its underside. (Wikipedia; Robert Pittman – NOAA (http://www.afsc.noaa.gov/Quarterly/amj2005/divrptsNMML3.htm]))

Schwertwale (Orcinus orca) sind die größten Delphinartigen, bis zu 8 Meter groß, mit robustem Gebiß, schnell und intelligent sind sie die unangefochtenen Top-Prädatoren der Meere.
Ihre alten Namen wie Raubwal oder Mörderwal stammen noch aus der Zeit, als Menschen die „Fischdiebe“ bekämpft haben – noch Ende der 60er Jahren verscheuchte die US Air Force sie auf Wunsch isländischer Fischer mit Maschinengewehren, Raketen  und Wasserbomben aus den Fischgründen (Ellis, Richard (1999). Men and Whales. The Lyons Press. p. 472. ISBN 978-1-55821-696-9.)
Nicht zuletzt durch die moderne Schwertwal-Forschung von Michael Biggs und John Ford hat sich das Bild der Schwertwale vom Killer zum intelligenten Familientier gewandelt (Mehr zur Biologie und Erforschung der Orcas im letzten Absatz).

Geschützte Wal-Art frisst andere geschützte Wal-Art: Glattwale ziehen des Kürzeren

Im Zuge des Klimawandels erobern einige Orca-Gruppen gerade neue Ökosysteme, vor allem in der Arktis.
Fressen und gefressen werden ist der Lauf der Natur. Aber die derzeitigen Großwalbestände wie die arktischen Glattwale (Nordkaper und Grönlandwale) erholen sich nur langsam von ihrer Dezimierung durch den industriellen Walfang. Sogar nach dem totalen Verbot des Erlegens von Glattwalen 1949 haben russische Walfänger diese streng geschützten Arten weiterhin geschossen.

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Gerade die Glattwal-Bestände im Nordatlantik und Nordpazifik sind immer noch sehr klein, die langlebigen Wale pflanzen sich nur langsam fort. Im westlichen Nordatlantik gibt es noch etwa 400 Individuen, im östlichen Nordatlantik wohl nur noch Dutzende – damit sind sie dort funktional ausgestorben.
Für die Nordpazifischen und Nordatlantischen Glattwale (Nordkaper, Northern right whale; Eubalaena japonicus und Eubalaena glacialis) sind zurzeit die Schifffahrt und die Fischerei die größten Bedrohungen. Zusätzlich gibt es vor allem auf die Kälber Angriffe von Orcas und großen Haien. Ein wie großer Teil der Bartenwale dadurch jährlich stirbt, ist nicht bekannt, allerdings tragen so viele Glattwale Biß-Narben von Orcas und Haien, dass die Angriffe wesentlich häufiger sein dürften, als die Wissenschaftler gelegentlich beobachten (Jessica K. D. Taylor et al: Shark predation on North Atlantic right whales (Eubalaena glacialis) in the southeastern United States calving grounds; Marine Mammals Science, 29(1), pp. 204 – 212;  21 March 2012).
Bei den ohnehin so kleinen Beständen reicht der Ausfall einiger Tiere pro Jahr, um eine Population langfristig an den Rand des Aussterbens zu bringen. Die Orcas tragen zumindest einen Teil dazu bei.

Vor der argentinischen Halbinsel Valdes überschneiden sich die Lebensräume von Orcas und Südkapern (Südliche Glattwale, Eubalaena australis). In einigen flachen Buchten bringen die Walmütter dort ihre Kälber zur Welt. Die behäbigen Glattwale haben innerhalb von nur drei Jahrzehnten ihren Lebensraum verändert: Das Areal mit der höchsten Orca-Dichte meiden sie mittlerweile, stattdessen sind sie in zwei benachbarte Buchten abgewandert. Zwischen 1972 und 2000 haben die Biologen 117 Begegnungen von Orcas mit den Südkapern beobachtet. In zwölf Fällen attackierten die großen Delphine die behäbigen Glattwale nachweislich, in 37 weiteren Fällen ist es auf jeden Fall zu Verhaltensänderungen der gekommen. Dabei haben die Südkaper Verhaltensweisen gezeigt wie das aktive Beschützen ihrer Kälber, sie haben ihre Fluken als Waffen eingesetzt, sind in flachere Gewässer geschwommen, haben sich zu größeren Gruppen zusammengeschlossen oder eine  Rosetten-Formation gebildet (dabei bilden die erwachsenen Wale einen Kreis um den Nachwuchs, alle Köpfe zeigen nach innen und die gefährlichen Fluken nach außen) – all diese Verhaltensweisen sind Verteidigungsmaßnahmen. Auch die dichte Ansammlung der Glattwalmütter in ihren Kinderstube Stuben vor der Halbinsel Valdes ist bereits eine Strategie, das individuelle Risiko zu senken. Dass die Glattwale die eine Bucht aufgegeben haben, hat die Anzahl der Begegnungen mit Orcas klar gesenkt. Auch wenn sich letztendlich nicht nachweisen lässt, dass die Glattwale ihren Aufenthaltsort wegen der hohen Anzahl der Orcas verlagert haben, wäre es eine gute Erklärung (Sironi, M., López, J. C., Bubas, R., Carribero, A., García, C.,  Harris,  G.  G., Payne,  R.  (2008).  Predation  by  killer  whales  (Orcinus  orca)  on  southern  right  whales  (Eubalaena  australis)  off  Patagonia,  Argentina:  Effects  on behavior and habitat choice (Report to the Scientific Committee  of  the  International  Whaling  Commission,  SC/60/BRG29). 18 pp.).

Sor|bit  〈m.; –s; unz.; Chem.〉 sechswertiger, aliphat., kristalliner, süßer Alkohol [zu lat. sorbus ... mehr

Pal|me  〈f. 19〉 1 〈Bot.〉 Angehörige einer Familie meist tropischer, einkeimblättriger Bäume mit schlankem Stamm u. gefiederten Blättern: Palmae 2 Sinnbild des Sieges ... mehr

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