Neben den geheimnisvollen Moai-Statuen ist die Osterinsel auch als ein mahnendes Symbol für die selbstzerstörerischen Tendenzen des Menschen berühmt geworden: Die Vorstellung vom „Ökozid“ auf der entlegenen Pazifikinsel basierte dabei auf früheren Studien und erreichte unter anderem durch das 2005 erschienene Buch „Collapse“ des Autors Jared Diamond Popularität. Grundsätzlich nimmt man an, dass vor etwa 1000 Jahren eine Gruppe polynesischer Seefahrer die nur etwa 24 Kilometer lange und 13 Kilometer breite Insel im Südostpazifik erreicht hat. Anschließend brachten sie dort eine faszinierende Kultur hervor, deren Wahrzeichen die geheimnisvollen Moai-Statuen darstellen.
Lange nahm man an, dass die Gesellschaft der Rapa Nui schon vor den Erstkontakten mit den Europäern zusammengebrochen war. Denn als die Insel 1722 entdeckt wurde, erschien die Bevölkerung überraschend klein – sie wurde nur auf etwa 3000 Menschen eingeschätzt. Dies trug später zu der Annahme bei, dass die Population zuvor ein Niveau erreicht haben könnte, das zu einer Übernutzung der begrenzten Ressourcen geführt hat: Die Menschen fällten demnach alle Bäume, verspeisten die Seevögel und laugten die Böden zu sehr aus. Durch die zunehmende Nahrungsknappheit und möglicherweise damit verbundene Unruhen brachen die Bevölkerung und die Gesellschaft dann zusammen, so die traditionelle Vermutung.
Angeblich umfangreiche Landwirtschaft
Frühere Studienergebnisse schienen diese Geschichte auch zu bestätigen: Sie basieren dabei auf Einschätzungen des Ausmaßes der einstigen landwirtschaftlichen Nutzung der Insel. Es ist bekannt, dass die wichtigste Nahrungsquelle der Rapa Nui der Anbau von Süßkartoffeln darstellte. Um sie bei den eher schwierigen Bedingungen auf der Insel zu kultivieren, wurden Steingarten-artige Strukturen angelegt. Dadurch verschafften die Inselbewohner den Kulturpflanzen deutlich verbesserte Wachstumsbedingungen. Anhand vermuteter Spuren dieser Steingarten-Anlagen waren Untersuchungen zu der Einschätzung gekommen, dass einst bis zu 21,1 Quadratkilometer der Insel von Steingärten geprägt waren. Daraus wurde wiederum abgeleitet, dass damit zumindest für eine gewisse Zeit bis zu 17.000 Menschen ernährt werden konnten.
Doch wie das Forschungsteam um Dylan Davis von der Columbia University in New York erklärt, erschien die Grundlage der bisherigen Einschätzung der landwirtschaftlichen Nutzung fragwürdig. Denn Überreste von Steingärten sind nur schwer von natürlichen Formationen auf der Insel zu unterscheiden. Die Ergebnisse von Davis und seinen Kollegen basieren nun auf der Kombination von Untersuchungen der Merkmale bekannter Steingärten, Satellitendaten und Auswertungen mittels Künstlicher Intelligenz. Wie sie erklären, lassen sich auf den Aufnahmen aus dem All nicht nur strukturelle Besonderheiten erkennen – auch spezielle Spektraldaten liefern weitere Hinweise: Es lassen sich Bereiche mit erhöhter Bodenfeuchtigkeit und auffälligen Stickstoffgehalten erkennen, die für die einstigen Steingärten charakteristisch sind.





