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Royale Mumie

Pharao Amenophis I. digital ausgewickelt

Links die Gesichtsmaske von Amenophis I. und rechts der digitale Einblick ins Innere. (Bilder: S. Saleem and Z. Hawass)

Geheimnisse unter Bandagen – zerstörungsfrei aufgedeckt: Forscher haben mittels CT-Scans Einblicke in die rund 3500 Jahre alte Mumie des Pharao Amenophis I. gewonnen. Sie enthüllten Merkmale des Königs sowie Beigaben und widerlegten zudem eine Vermutung über die Geschichte der Mumie, die schon zu altägyptischer Zeit restauriert wurde. Dabei entwendeten die Priester keine Grabbeigaben zur Wiederverwendung – sie versuchten hingegen bestmöglich, den Originalzustand wieder herzustellen, berichten die Wissenschaftler.

Mumien wirken geradezu wie archäologische Geschenke, die nur darauf warten, ausgepackt zu werden. Aus diesem Grund blieben nur wenige königliche Mumien vor der Neugier der Ägyptologen verschont. Dabei gibt es allerdings eine prominente Ausnahme: die Mumie von Amenophis I. Der auch Amenhotep I. genannte Pharao der 18. Dynastie, herrschte von 1525 bis 1504 v. Chr. über das Reich am Nil. Man entschloss sich, seine Mumie unangetastet zu lassen, da eine zerstörungsfreie Freilegung des Toten nicht möglich gewesen wäre: Er trägt eine lebensecht gestaltete Gesichtsmaske, die mit Blumengirlanden verziert ist.

Entdeckt wurde die Mumie nicht etwa an ihrem ursprünglichen Bestattungsort, denn das Grab von Amenophis I. wurde bisher nicht gefunden. Sie stammt stattdessen aus der Cachette von Deir el-Bahari in Luxor. Dort haben Beamte der 21. Dynastie die Mumien mehrerer Könige und Adliger des Neuen Reiches versteckt, um sie vor Grabräubern zu schützen. Die Mumie von Amenophis I. lag dort in einem Sarkophag. Dessen hieroglyphische Inschriften berichten, dass die Mumie nach einer Beschädigung durch Grabräuber von Priestern der 21. Dynastie neu eingewickelt wurde – mehr als vier Jahrhunderte nach der ursprünglichen Bestattung.

Einblick in die Geheimnisse einer reparierten Mumie

„Dass die Mumie von Amenophis I. in der Neuzeit nie enthüllt worden war, bot uns die einzigartige Gelegenheit zu untersuchen, wie er ursprünglich mumifiziert und begraben worden war, und zudem, wie er später von den Hohepriestern des Amun behandelt und umgebettet wurde“, sagt die Erstautorin der Studie Sahar Saleem von der Universität Kairo. Gemeinsam mit dem Ägyptologen Zahi Hawass hat sie die Mumie einer Untersuchung mittels Computertomographie unterzogen. „Durch das digitale Auspacken der Mumie und das Abschälen ihrer virtuellen Schichten – der Gesichtsmaske, der Bandagen und der Mumie selbst – konnten wir diesen gut erhaltenen Pharao in noch nie dagewesenem Detail studieren“, so Saleem.

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Wie die Wissenschaftler berichten, ging aus den Ergebnissen der CT-Scans hervor: „Amenophis I. war etwa 35 Jahre alt, als er starb. Der Pharao war etwa 169 cm groß, beschnitten und besaß außergewöhnlich gute Zähne. In den Bandagen waren 30 Amulette verborgen sowie ein einzigartiger goldener Gürtel mit Goldperlen“, berichtet Saleem. Vergleiche mit den Merkmalen der bekannten Mumie seines Vaters Ahmose I. ergaben: „Amenophis I. scheint ihm körperlich stark geähnelt zu haben: Er besaß ein schmales Kinn sowie eine zierliche Nase, lockiges Haar und leicht vorstehende obere Zähne“, sagt Saleem.

Die CT-Scans zeigen den Kopf des Pharao und den außergewöhnlich guten Zahnzustand. (Bild: S. Saleem and Z. Hawass)

Vermutung widerlegt

Eigentlich hatten die Forscher sich auch erhofft, Hinweise auf die Todesursache des Verstorbenen zu entdecken. Doch offenbar hatte zumindest nichts Offensichtliches zu seinem frühen Ableben geführt: „Wir konnten keine Wunden oder krankheitsbedingten Entstellungen finden, die als Todesursache in Frage kommen“, berichtet Saleem. Die Wissenschaftler entdeckten allerdings durchaus Spuren massiver Schäden – sie waren der Mumie jedoch erst später zugefügt worden – offenbar durch die Grabräuber, die es auch schon in der Pharaonenzeit gab. Die Untersuchungen zeigten, dass diese Schäden bei der späteren „Bearbeitung“ durch die Hohepriester offenbar sorgfältig repariert worden waren. Dazu gehörte die erneute Befestigung des abgetrennten Kopfes am Körper des Toten mit einem mit Harz behandelten Leinenband und die Abdeckung eines Defekts an der Bauchdecke. Offenbar wurden zudem Amulette wieder neu eingesetzt.

Die Befunde widersprechen damit einer vorhergehenden Vermutung: Saleem und Hawass hatten spekuliert, dass es den Restauratoren aus dem 11. Jahrhundert vor allem darum ging, die königliche Ausstattung für spätere Pharaonen wiederzuverwenden. Doch das war offensichtlich nicht der Fall. „Wir zeigen, dass zumindest bei Amenophis I. die Priester der 21. Dynastie die von den Grabräubern zugefügten Schäden liebevoll reparierten und seine Mumie in ihrer früheren Pracht wiederherstellten“, so Saleem.

Möglicherweise war dies auch auf die nachhaltige Beliebtheit des Pharao zurückzuführen: Es ist bekannt, dass Amenophis I. besonders verehrt wurde. Denn seine Herrschaft gehörte zu einem goldenen Zeitalter Ägyptens: Das Reich war geeint, wohlhabend und sicher. Der Pharao ließ religiöse Bauten errichten und führte erfolgreiche Militärexpeditionen nach Libyen und in den Nordsudan durch. Generell schufen die frühen Pharaonen der 18. Dynastie Grundlagen für den Glanz der späteren Herrscher des Neuen Reichs wie Hatschepsut, Echnaton, Tutanchamun oder Ramses II.

Abschließend heben Saleem und Hawass die weitreichende Bedeutung ihrer Untersuchung für die Archäologie hervor: „Wir verdeutlichen, dass die CT-Bildgebung bei anthropologischen und archäologischen Untersuchungen von Mumien – auch aus anderen Zivilisationen, wie zum Beispiel Peru – gewinnbringend eingesetzt werden kann“, so die Wissenschaftler.

Quelle: Frontiers, Fachartikel: Frontiers in Medicin, doi: 10.3389/fmed.2021.778498

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