Ruhestätte eines geliebten Pferdes? - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Ruhestätte eines geliebten Pferdes?

Dieses Pferd wurde von Menschen vor 3000 Jahren wie ein geliebtes Familienmitglied bestattet. (Foto: Purdue University)

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“: Dieses Sprichwort verdeutlicht, welche Bedeutung Pferde für viele Menschen haben. Die Wurzeln dieser emotionalen Beziehung reichen dabei weit in die Geschichte zurück, geht nun aus dem Fund eines Pferdegrabs hervor: Schon vor 3000 Jahren sahen Menschen aus dem Niltal im heutigen Sudan in Pferden offenbar mehr als nur nützliche Arbeitstiere.

Pferde begleiten den Menschen schon seit mindestens 5000 Jahren. Damals entdeckten unsere Vorfahren das Potenzial dieser Huftiere und domestizierten sie. Seitdem haben sie unsere Art buchstäblich durch die Geschichte gezogen und getragen: Kamen sie zunächst vorwiegend als Transportmittel und Arbeitstier zum Einsatz, dienen sie uns heute vor allem noch im Sport- und Freizeitbereich. Für viele Pferdebesitzer ist ihr Ross ein enger Freund und geliebter Begleiter – und viel mehr als „nur“ ein Haustier. Wie weit die Wurzeln dieser emotionalen Beziehung zwischen Mensch und Pferd reichen, zeigt nun ein überraschender Fund aus dem heutigen Sudan.

Rituelle Bestattung

Dort haben Sarah Schrader von der Universität Leiden und ihre Kollegen in Tombos im Nil-Flusstal ein Pferdegrab entdeckt. Der nubische Ort wurde während der Phase des ägyptischen Neuen Reichs von Ägyptern kolonisiert und ist eine bedeutende archäologische Fundstätte aus dieser Zeit. Das eineinhalb Meter unter der Erde begrabene Pferd stammt aus der sogenannten Dritten Zwischenzeit, die den Übergang vom Neuen Reich bis zum Untergang der traditionellen Pharaonenherrschaft markiert. Die Forscher datieren es auf den Zeitraum zwischen 1050 und 728 vor Christus – und damit auf ein Alter von rund 3000 Jahren. Das Besondere: Das Pferd scheint nach seinem Tod nicht einfach verscharrt worden zu sein. Es wurde von seinen Besitzern offenbar würdevoll bestattet.

Darauf deuten gleich mehrere Indizien hin: Zum einen liegen die Überreste des Tieres in einer Haltung begraben, die auf ein rituelles Begräbnis schließen lässt. Zum anderen legen erhaltene Stofffetzen nahe, dass das Pferd in ein Leichentuch gewickelt zur letzten Ruhe gelegt wurde. Doch das ist noch nicht alles: Wie die Wissenschaftler berichten, fanden sie in dem Grab außerdem einen Skarabäus und Teile eines Zaumzeugs aus Eisen. Die Metallstücke gehören zu den ältesten jemals in Afrika entdeckten Eisenteilen – und müssen demnach damals etwas ganz Besonderes gewesen sein. „Allein das zeigt schon, wie wichtig das Pferd für die Menschen war“, konstatiert Schrader.

Gut behandelt

Wahrscheinlich zog das Pferd zu Lebzeiten für seine Besitzer einen Wagen. Doch seinem Grab nach zu urteilen, war es mehr als ein Arbeitstier – und dementsprechend wurde es wohl auch behandelt, zeigen Analysen des Skeletts. „Mit dem Pferd wurde gut umgegangenen, sodass es gesund alt werden konnte“, sagt Schrader. Damit ist klar: Die Menschen im Niltal wussten Pferde schon vor 3000 Jahren als treue Begleiter zu schätzen und verabschiedeten sich ähnlich von ihnen wie von einem geliebten Menschen. „Diese Entdeckung ist absolut einzigartig. Etwas Vergleichbares haben wir bei unseren Ausgrabungen in Tombos noch nie gefunden“, sagt Mitautorin Michele Buzon von der Purdue University in West Lafayette.

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Zwar war bereits bekannt, dass Pferden zum Beispiel im antiken Reich von Kusch eine symbolische Bedeutung zukam. Doch der neue Fund zeigt: Schon bevor die Eliten dieses am Ende der Dritten Zwischenzeit geborenen Reichs diese Symbolik übernahmen, hatte das Pferd für die Menschen im Niltal eine ganz besondere Bedeutung, so das Fazit der Forscher.

Quelle: Sarah Schrader (Universität Leiden, Niederlande) et al., Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2017.239

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