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Troja und die Spur des Goldes
Heinrich Schliemann berichtete: „Um den Schatz der Habsucht meiner Arbeiter zu entziehen und ihn für die Wissenschaft zu retten, ließ ich Ruhezeit ausrufen, und während meine Arbeiter aßen, schnitt ich den Schatz mit einem großen Messer heraus.“ Im festen Glauben, Homers Troja auszugraben, stieß Schliemann am 31.…
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von KLAUS-DIETER LINSMEIER
Heinrich Schliemann berichtete: „Um den Schatz der Habsucht meiner Arbeiter zu entziehen und ihn für die Wissenschaft zu retten, ließ ich Ruhezeit ausrufen, und während meine Arbeiter aßen, schnitt ich den Schatz mit einem großen Messer heraus.“ Im festen Glauben, Homers Troja auszugraben, stieß Schliemann am 31. Mai 1873 auf prächtigen Goldschmuck. Sein Grabungstagebuch listet auf: zwei Diademe, ein Stirnband, vier Ohrgehänge, 56 Ohrringe, 8750 kleinere Ringe, diverse Knöpfe, zudem zwei goldene Becher. Schliemann spekulierte: Jemand aus der Familie des Priamos habe wohl den Schatz während der Einnahme Trojas durch die Griechen in aller Eile in eine Kiste gepackt. Dann sei er aber vom Feind oder von der Feuersbrunst erreicht worden, habe die Kiste fallenlassen und sie wurde unter Asche und Steinen begraben.
Eine schöne Idee, doch ein Irrtum, was Schliemann selbst noch am Ende seines Lebens erkannte. Mit dem Troja Homers hat dieser Goldschatz nämlich nichts zu tun. Auch die anderen etwa 20 Golddepots nicht, die Schliemann in der Ruinenstätte an den Dardanellen entdeckte. Die Preziosen wurden bereits in der Frühbronzezeit vergraben, irgendwann zwischen 2500 und 2000 v.Chr., und damit gut 1000 Jahre vor jenem sagenumwobenen Trojanischen Krieg. So viel ist bekannt. Woher aber das viele Gold stammte, aus dem die Schmuckstücke gefertigt worden waren, ist auch 150 Jahre nach dem Fund noch ein Rätsel, modernsten naturwissenschaftlichen Verfahren zum Trotz.
Goldene Artefakte weit verbreitet
Im gesamten Mittelmeerraum wuchsen damals die Siedlungen, manche zeigten bereits Merkmale einer Stadt: eine hohe Bevölkerungszahl, eine Umfassungsmauer zur Verteidigung und Zugangskontrolle, dazu öffentliche Gebäude für Verwaltung, Kult oder gemeinschaftliche Vorratshaltung. Das Troja jener Zeit machte da keine Ausnahme. Vermutlich profitierte es dank seiner Lage an der Meerenge zwischen Europa und Asien vom Fernhandel mit Kupfer und Zinn, den Bestandteilen der Bronze. Denn neben dem Warentransport über Land und auf Flüssen spielte die Seefahrt entlang der Küsten eine wichtige Rolle.
Goldschmuckstücke aus der frühen Bronzezeit von geografisch weit voneinander entfernten Orten sind sich stilistisch ähnlich.
Mithilfe von Laserablation und Massenspektrometrie wird versucht, die Herkunft des Goldes zu bestimmen.
Trojas Gold stammt aus Flüssen – vielleicht aus Afghanistan oder dem Südkaukasus.
Schon lange sprechen die Indizien dafür, dass die Mächtigen jener Zeit gut miteinander vernetzt waren, von der Ägäis und aus Anatolien über Mesopotamien bis ins Industal und weiter. „Unter anderem kamen im Vorderen Orient Gewichtssysteme auf, die dann im Westen und Osten übernommen wurden“, erklärt der Prähistoriker Christoph Schwall vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Beispielsweise wurden rund neun Gramm schwere ovale, oft auf einer Seite abgeflachte Steine zum Wiegen genutzt. Das vereinheitlichte den Warenverkehr, und es entstanden weitreichende Handelsnetze. Auch das Verplomben von Türen und Gefäßen kam aus dem Osten. Man klatschte einen Tonbatzen auf ein Schloss und presste ein Siegel hinein, bevor er trocken und hart wurde. So konnten Vorräte an Nahrungsmitteln und Rohstoffen unter Kontrolle gehalten werden.
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Und dann wären da noch all die goldenen Artefakte, die in der Ägäis, im mesopotamischen Ur und an vielen anderen Stätten der Frühbronzezeit ans Licht kamen. George F. Bass, Kurator am University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology, kurz Penn Museum, meinte schon 1966, man solle jene Epoche doch lieber Frühe Goldzeit nennen.
Was der Schmuck verrät
Die stilistischen Ähnlichkeiten der Schmuckstücke von geografisch teilweise weit voneinander entfernten Orten fallen schnell ins Auge. Zum Priamos-Schatz gehören Objekte mit vier aneinander gefügten Spiralen, des Weiteren aus feinen Ketten bestehende „Fuchsschwänze“, außerdem als „Tutuli“ bezeichnete Goldhütchen, die man wohl auf Stoff nähte, sowie sogenannte Flügelperlen. Viele solcher Schmuckgegenstände trug man auch im gut 2500 Kilometer entfernten Ur im Süden Mesopotamiens, heute Irak. Ob Mann oder Frau sich damit schmückten, lässt sich kaum noch rekonstruieren. Deutlich vielversprechender ist die Suche nach Antworten auf folgende Fragen: Gab es irgendwo die eine große Werkstatt, die all das fertigte und in das Handelsnetz einspeiste? Oder hatten die verschiedenen Regionen eigene Goldschmiede und Werkstätten? Woher stammt das viele Gold – wurde es in Bergwerken abgebaut oder aus Flüssen gewaschen? Liegt sein Ursprung nahe der Schmuckfundorte oder wurde es über Handelswege aus weiter entfernten Regionen bezogen?
Die Alles-aus-einer-Werkstatt-Hypothese testete der Restaurator Hermann Born vom Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte bereits 2009. Gemeinsam mit dem Geochemiker und Archäometallurgen Ernst Pernicka flog er damals nach Philadelphia, um im Penn Museum einige Schmuckstücke in Augenschein zu nehmen. Sie stammten nicht aus dokumentierten Grabungen, sondern waren auf dem Kunstmarkt erworben worden – sollten aber aus der Region rund um Troja kommen. Dass dem so war, konnte Ernst Pernicka unter anderem anhand geochemischer Analysen noch anhaftender Erde bestätigen. Dabei profitierte er von seinen Erfahrungen aus der Zeit, als er die naturwissenschaftlichen Untersuchungen bei den deutschen Ausgrabungen in Troja koordinierte und die Grabungen von 2006 bis zum Abschluss 2012 auch leitete.
Unter den Ankäufen des Penn Museums befanden sich auch Schmuckstücke mit Fuchsschwanzketten, die Born mit solchen aus den Königsgräbern von Ur verglich. Das Museum hatte die dortigen Ausgrabungen von 1922 bis 1934 mitfinanziert und nach damaligem Brauch einen Teil der Funde erhalten. Doch bei aller Ähnlichkeit enthüllte ihm das Mikroskop hier klare Unterschiede in der Fertigungstechnik der Kettenglieder. Die Kunstschmiede auf den Dardanellen hatten offenbar schmale Streifen aus Goldblechen geschnitten, umgebogen und ineinander verhakt. Ihre mesopotamischen Kollegen hingegen verwendeten Stücke von Golddraht, die sie bogen und miteinander verlöteten. Es gab also wohl mindestens zwei voneinander unabhängige Werkstätten.
Anders verhält es sich mit den Tutuli und den Flügelperlen. Zum Vergleich zogen die Forscher auch noch Schmuckstücke aus der ebenfalls frühbronzezeitlichen Siedlung Poliochni auf der griechischen Insel Lemnos heran. Troja, Poliochni, Ur – die Herstellungstechnik der Tutuli und Flügelperlen ähnelt sich so sehr, dass von einer einzigen Werkstatt ausgegangen werden kann. Wo die allerdings lag, weiß bislang niemand.
Die Chemie des Goldes
Bleibt die zweite Frage: Woher bezogen die damaligen Eliten beziehungsweise ihre Haus- und Hoflieferanten das Gold? Archäometallurgen wie Ernst Pernicka analysieren zur Klärung solcher Fragen die chemische Zusammensetzung von Artefakten und hoffen auf charakteristische Elementmuster, die Hinweise auf die Quelle des Rohstoffs geben.
Tatsächlich kommt Gold in der Natur niemals ganz rein vor, es enthält stets Silber und mitunter winzige Spuren anderer Elemente. Manches davon entdeckt die Röntgenfluoreszenzspektroskopie, ein bewährtes Standardverfahren. Sie arbeitet zerstörungsfrei, auch wenn ihr Prinzip ein wenig martialisch klingt: Energiereiche Röntgenstrahlen schießen Elektronen aus den Atomen des zu untersuchenden Materials. Elektronen aus höheren Energieniveaus füllen die entstandenen Lücken wieder auf und geben dabei Energie als elektromagnetische Strahlung ab. Deren Spektrum verrät dann das chemische Element.
Leider ist diese Methode nicht sehr empfindlich. Sie erfasst zwar das Silber im Gold mit Anteilen von wenigen bis etlichen Prozent. Auch lässt sich Kupfer mit weniger als 0,1 Prozent nachweisen. Doch diese Informationen sind noch nicht spezifisch genug.
Dazu kommt ein weiteres Problem. Die Strahlen dringen maximal 0,01 Millimeter tief in den Werkstoff ein, kratzen also quasi nur an der Oberfläche. Diese könnte jedoch reiner sein, als es das Gold ursprünglich war. Schon beim Gebrauch der Objekte lösen Salze etwa aus dem Handschweiß Silber und Kupfer heraus, von den Prozessen in den Jahrtausenden im Boden ganz zu schweigen.
Gut 0,2 Millimeter tief blickt man hingegen mit der Kombination aus Laserablation und Massenspektrometrie; obendrein erkennt das empfindliche Verfahren sogar Spurenelemente. Dazu muss man zwar eine Probe entnehmen, doch der Schaden ist nur unter dem Mikroskop als winziger Trichter zu sehen. Denn lediglich 10 Millionstel Gramm sind vonnöten, um chemische Elemente zu identifizieren, von denen nur ein Atom pro einer Million Goldatome vorhanden ist.
Diese Empfindlichkeit erfordert einigen apparativen Aufwand. Ein gepulster Laserstrahl wird auf die Probenoberfläche gerichtet und aus dem abgelösten Material ein Plasma erzeugt. In einem Massenspektrometer werden die Atome ionisiert und dann von einem elektrischen Feld beschleunigt. Auf ihrem Flug zu den Detektoren passieren sie ein Magnetfeld, das sie je nach ihrer Masse und Ladung ablenkt und somit voneinander trennt. Auf diese Weise lassen sich sogar Isotope unterscheiden, also Varianten eines Elements, die im Atomgewicht minimal variieren.
Eigentlich muss ein Artefakt für dieses Prozedere ins Labor gebracht werden, doch oft stehen Gründe technischer, versicherungsrechtlicher oder organisatorischer Art dagegen, oder es wird schlicht keine Genehmigung dafür erteilt. So konnte der Geowissenschaftler Moritz Jansen von der Ruhr-Universität Bochum 2019 im Rahmen seiner Dissertation im Penn Museum nur einige Proben von beschädigten Objekten, zumeist Blechen aus dem mesopotamischen Ur entnehmen.
In diesen Proben ermittelte er unter anderem die Anteile von Blei-Isotopen, die durch radioaktiven Zerfall entstanden waren, nebst den Gehalten ihrer Ursprungselemente im Gold. Beispielsweise zerfällt Uran-238 mit konstanter Halbwertszeit in Blei-206. So berechnete Jansen, dass das mesopotamische Gold viele Millionen Jahre jünger sein müsse als das Gold aus Ägypten, mit dem er es verglichen hatte. Das Pharaonenreich schloss er daher als mögliche Bezugsquelle für den Schmuck in Ur aus.
Den am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) in Mannheim forschenden Pernicka und seinen Doktoranden Moritz Numrich überzeugte dieses auf Blei fußende Argument allerdings nicht. „Natürliches Gold enthält sehr wenig Blei“, erklärt Numrich. „Es kann aber auf verschiedenen Wegen als Verunreinigung in den Schmelztiegel und damit in das Objekt gelangen. Die Blei-Isotopendaten haben also nicht notwendigerweise etwas mit dem Alter der ursprünglichen Lagerstätte zu tun.“ Wissenschaftlicher Fortschritt geht eben oft auch mit einem Disput unter Forschern einher. Wobei das Mannheimer Forscherteam allerdings Ägypten ebenfalls als Herkunftsregion des Goldes ausschließt, jedoch mit anderer Begründung.
Altbekanntes und neue Daten
Das CEZA hat vor kurzem gemeinsam mit dem Österreichischen Archäologischen Institut, dem Nationalmuseum Athen und weiteren Forschungsinstitutionen einen Rundumschlag in Sachen frühbronzezeitliches Gold unternommen. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2022 in der Zeitschrift Journal of Archaeological Science veröffentlicht. Dafür trugen die Forschenden zunächst schon publizierte Daten zusammen, darunter Jansens Analysen des Goldes von Ur sowie eigene, bislang nicht veröffentlichte Daten zu trojanischem Gold. Dazu zählen beispielsweise Analysen an einem Überraschungsfund im Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin: Zwar war der „Schatz des Priamos“ 1945 von sowjetischen Truppen nach Moskau verfrachtet worden, aber ein paar kleinere Stücke hatte man übersehen. Pernicka konnte sie 2008 im CEZA analysieren.
Zudem wurden neue Daten erhoben. Dazu reisten Numrich und Pernicka gemeinsam mit dem Prähistoriker Schwall nach Athen. Denn auch das griechische Nationalmuseum besitzt einige Goldfunde Schliemanns, etwa einen Lockenring, der aus dem berühmten Schatzfund A in Troja, dem „Schatz des Priamos“, stammt. Schwall wählte die Schmuckobjekte aus: 20 aus Troja, zudem weitere 25 aus Poliochni. Im CEZA-Gepäck reiste auch ein an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich entwickelter Prototyp zur „mobilen Laserablation“ mit. Die minimalinvasive Probenentnahme erfolgte damit direkt vor Ort im Museum. Dabei leitete eine Glasfaser die Laserpulse durch eine Optik auf einen Fleck von 0,12 Millimeter Radius. Eine Pumpe sammelte das verdampfte Material auf Filtern. Im Labor trennte man es von diesen wieder ab und konnte es wie gewohnt mit dem Massenspektrometer analysieren.
Trojas Gold ist Flussgold
Die aktuellen wie die früheren Daten zeigen: Trojas Gold stammt aus „alluvialen“, das heißt „angeschwemmten“ Lagerstätten in Flüssen, aus denen es von Goldsuchern gewaschen wurde. Das verraten Spuren von Zinn und von Metallen der sogenannten Platingruppe, insbesondere Platin und Palladium. Diese Elemente kommen nur extrem selten in goldhaltigen Gesteinen vor. Dass sie trotzdem im Schmuck aus Troja und Poliochni nachgewiesen wurden, ist dem sprichwörtlichen Zahn der Zeit geschuldet. Denn der nagt an den Gebirgen und den primären Lagerstätten. Wind und Wetter sprengen Gesteinspartikel ab, Regen wäscht sie in Bäche, die tragen sie in Flüsse, und dort setzen sich schwere Teilchen in Bereichen geringer Strömung ab. Es bilden sich die als Seifen bezeichneten sekundären Lagerstätten, und in denen kommen goldhaltige Partikel eben auch mit anderen Mineralien zusammen, auch solchen, die Platinmetalle oder Zinn bergen. All das wurde in den Tiegeln der prähistorischen Goldschmiede miteinander geschmolzen.
Und es war kaum mehr überraschend: Die Messwerte für die Spurenelemente Platin, Palladium und Zinn in den Objekten aus Troja und Poliochni stimmen mit den von Jansen für die Stücke aus Ur ermittelten überein.
Damit beschränkt sich die Suche auf goldhaltige Flüsse, ein bergmännischer Abbau von Goldadern spielt hier keine Rolle. Mesopotamische Keilschrifttafeln berichten von einem Import aus „Meluhha“. Assyriologen glauben, damit waren das Industal beziehungsweise die Harappa-Kultur gemeint. Doch abgesehen davon, dass diese Texte ein paar Jahrhunderte jünger sind als die Schätze aus den Königsgräbern von Ur, ergäbe sich ein Problem: Im Industal gibt es keine alluvialen Goldvorkommen.
Der Geowissenschaftler Jansen favorisiert als Herkunftsregion jene Gewässer im Norden Afghanistans, wo auch heute noch Gold gewaschen wird. Diese Region belieferte das Industal schon mit dem begehrten blauen Gestein Lapislazuli. Die Nennung von Meluhha gilt daher aus seiner Sicht nicht dem Ursprungsort des mesopotamischen Goldes, sondern seinem Umschlagplatz.
Diese Möglichkeit wollen die CEZA-Forscher nicht von der Hand weisen. Ohne Artefakte aus Flussgold, die eindeutig aus jener Region stammen, bleibt es für sie aber nur eine Möglichkeit unter mehreren. Die Suche geht daher weiter. Vor allem das Verhältnis von Platin zu Palladium gibt ihrer Ansicht nach einen hervorragenden Marker für Vergleiche ab, da es sich vom Aufschmelzen bis zum Guss nicht verändern konnte. Die meisten untersuchten Stücke aus Troja, Poliochni und Ur enthielten 35- bis 40-mal so viel Platin wie Palladium – doch eine kleine Gruppe der untersuchten Objekte aus Troja und Poliochni ergab ein ausgewogeneres Verhältnis. Das deutet daraufhin, dass Gold aus mindestens zwei verschiedenen Seifenlagerstätten verarbeitet worden ist.
Breitangelegte Suche
Seit dieser Erkenntnis durchforsten die Mannheimer die veröffentlichten Daten von Goldartefakten in Frage kommender Regionen nach Platin- und Palladium-Werten. Südosteuropa und Kleinasien schlossen sie bereits aus. Zu Ägypten gibt es nur vereinzelte Analysen mit den entsprechenden Angaben. Zurzeit laufen im CEZA aber entsprechende Untersuchungen. Moritz Numrich stellt als Tendenz fest: „Sie passen wohl nicht zu den Daten aus Troja und Poliochni.“
Ein aussichtsreicher Kandidat könnte aber der südliche Kaukasus sein. In der Antike lag dort die Landschaft Kolchis, und die war für ihre Goldvorkommen berühmt. Das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum erforscht in dieser Region die Kura-Araxes-Kultur der Frühbronzezeit, die offenbar Kontakte mit Mesopotamien unterhielt: Im Land zwischen Euphrat und Tigris wurden Keramiken entdeckt, wie sie die Menschen an den Flüssen Kura und Araxes herstellten. Grabungen in einer großen Siedlung bestätigen die Verarbeitung von Flussgold. Und wer kennt nicht die Sage von Jason und seinen Argonauten, die in Kolchis das Goldene Vlies eines heiligen Widders stehlen sollten. Tatsächlich verwendeten Goldwäscher in der Antike Schaffelle, denn die Flitter blieben am Wollfett haften.
Analysen von georgischem Gold der Bronzezeit stehen zur Verfügung. Die Platin- und Palladiumverhältnisse wie auch die jeweiligen Absolutwerte passen zu den Daten aus Troja, Poliochni und Ur. Das gilt aber auch für einige Goldobjekte der gleichen Zeit aus Armenien, wie noch unpublizierte Analysen zeigen, die den Mannheimern zur Verfügung standen.
Darüber hinaus gibt es noch etliche weitere Kandidaten, etwa die Gebirge Taurus in Anatolien und Zagros in Nordwestiran oder der Gold-Zinn-Gürtel, der sich von Turkmenistan bis nach Ostkasachstan erstreckt. Doch es fehlt an Daten, und die aktuelle politische Lage erlaubt es leider nicht, mit dem Laserablationssystem dorthin zu reisen, um Proben zu nehmen. Der „Schatz des Priamos“ darf sein Geheimnis also wohl noch eine Zeitlang bewahren.
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