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Geschichte+Archäologie

Unsere Verwandten unter der genetischen Lupe

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Das Bonobo-Weibchen Ulindi aus dem Leipziger Zoo. Ihr Erbgut wurde sequenziert. Credit: Michael Seres
Häufig ist von ?den Schimpansen? als den nächsten Verwandten des Menschen die Rede ? doch eigentlich handelt es sich dabei um eine Gattung (Pan), die zwei Arten umfasst: den Gemeinen Schimpansen ( Pan troglodytes) und den Bonobo ( Pan paniscus), auch Zwergschimpanse genannt. Das Erbgut des Gemeinen Schimpansen war bereits bekannt, nun hat ein internationales Forscherteam auch den genetischen Code des Bonobo entschlüsselt. Der Vergleich des Genoms beider Affenarten mit dem des Menschen überraschte: In manchen Teilen gleicht das Erbgut des Bonobo mehr dem des Menschen als dem seines nahen Verwandten, berichten Kay Prüfer vom Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology in Leipzig und seine Kollegen.

Seit der Sequenzierung des Genoms des Gemeinen Schimpansen im Jahr 2005 ist bereits klar: Genetisch gesehen sind Schimpansen unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Sie stehen uns entwicklungsgeschichtlich deutlich näher als die beiden anderen Vertreter der Menschenaffen, Gorilla und Orang-Utan. Das bestätigte die Sequenzierung des Genoms der Gorillas Anfang dieses Jahres. Die Vergleiche zeigten, dass sich der Mensch vom Schimpansen genetisch betrachtet nur um 1,3 Prozent unterscheidet, vom Gorilla dagegen um 1,75 Prozent. Vom Schimpansen ausgehend wird die enge Verbundenheit zum Menschen dabei noch deutlicher: Ihr nächster Verwandter im ?Tierreich? ist nicht etwa der Gorilla, sondern der Mensch. Es gibt sogar einige Wissenschaftler, die Schimpansen nicht als eigene Gattung betrachten. Ihnen zufolge sei diese Zuordnung nur traditionell und ?religiös? bedingt. Biologisch betrachtet seinen Schimpansen dagegen Vertreter der Gattung Homo ? also der unsrigen.

Während Schimpansen in Äquatorialafrika weit verbreitet sind, leben Bonobos ausschließlich südlich des Flusses Kongo. Schimpansen und Bonobos unterscheiden sich in ihrem Äußeren und vor allem in ihrem Verhalten deutlich. Unter männlichen Schimpansen gibt es häufig aggressive Rangkämpfe um die Macht in der Gruppe. Das ist bei den zierlicher gebauten Bonobos nicht der Fall. Sie sind deutlich friedlicher und die Gemeinschaften werden nicht von Männchen dominiert. Häufig übernehmen dagegen weibliche Tiere die Führungsrolle. Zudem gelten Bonobos als sehr verspielt und haben ein sehr aktives Sexualleben, das ähnlich wie beim Menschen nicht nur der Fortpflanzung dient.

Mensch, Schimpanse und Bonobo ? spannende Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Der Vergleich der Genomsequenzen von Mensch, Schimpanse und Bonobo zeigte nun, dass sich der Mensch vom Bonobo als auch vom Schimpansen um etwa 1,3 Prozent des genetischen Codes unterscheidet. Die beiden Affenarten untereinander trennen dagegen nur 0,4 Prozent. Das spiegelt den Forschern zufolge die stammesgeschichtliche Entwicklung der drei Spezies wider: Man nimmt an, dass sich die Entwicklungslinien von Mensch und Schimpanse / Bonobo vor etwa 6 Millionen Jahren trennten. Den neuen Ergebnissen zufolge vermuten die Wissenschaftler nun, dass sich die Entwicklungslinien von Schimpanse und Bonobo dann vor etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Jahren aufspalteten.

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Der Vergleich der Genomsequenzen im Detail bot allerdings auch Überraschungen, berichten die Forscher. Demnach ähneln etwa drei Prozent des menschlichen Genoms mehr dem des Bonobo ? beziehungsweise dem des Schimpansen-Genoms: Die Ähnlichkeiten sind in diesen Bereichen deutlich größer als zwischen den beiden Affenarten. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob diese Erbanlagen im Zusammenhang mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Verhalten der drei Spezies stehen.

Kay Prüfer (Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology in Leipzig) et al.: Nature, doi:10.1038/nature11128 © wissenschaft.de – Martin Vieweg
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