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Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Väter ohne Babysprache

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Väter sprechen anders mit ihren Kindern als Mütter (thinkstock)
Wenn Mütter mit ihren Babys sprechen, dann nutzen sie nicht nur andere Wörter – ihre ganze Sprechweise verändert sich. Ihre Stimme wird höher, die Betonung ausgeprägter und sie verstärken die typische Melodie von Wörtern und Sätzen. Was aber ist mit den Vätern? Das haben US-Forscher nun erstmals genauer untersucht. Wie sich zeigte, verändern Väter ihre Intonation kaum, wenn sie mit ihrem Nachwuchs reden – sie sprechen eher wie mit einem Erwachsenen. Das aber ist kein Manko – ganz im Gegenteil, wie die Forscher betonen.

„Ja, wen haben wir denn da? Ist das mein kleiner Liebling?“ Die typische Babysprache einer Mutter mit ihrem Kind ist unverwechselbar – und wichtig. Denn Studien zeigen, dass die übertriebene Betonung und hohe Stimme den Babys dabei hilft, Sprache zu verstehen und selbst Sprechen zu lernen. In der heutigen Zeit sind aber längst nicht mehr nur die Mütter diejenigen, die die meiste Zeit mit einem Kleinkind verbringen. Immer mehr Väter nehmen Elternzeit oder bleiben sogar länger als „Hausmann“ zuhause, während die Frau arbeitet. Auch bei alleinerziehenden Vätern oder in gleichgeschlechtlichen Paaren sind Männer die Hauptbezugspersonen für das Baby. Wie sie mit dem Säugling oder Kleinkind sprechen und ob sie im Alltag auch die typische Babysprache nutzen, haben Mark VanDam und seine Kollegen von der Washington State University in Spokane nun erstmals genauer untersucht.

Für ihre Studie statteten sie Dutzende von Vätern und Müttern kleiner Kinder mit Mikrophonen und Aufzeichnungsgeräten aus, die die Probanden ständig am Körper trugen. Damit zeichneten sie alle sprachlichen Interaktionen während des Tages auf – sowohl das Sprechen mit dem Kind als auch mit anderen Erwachsenen. Mit Hilfe einer Spracherkennungs-Software analysierten die Forscher die Sprachaufnahmen und ermittelten, ob und wie sich Sprache und Stimmlage änderten, wenn die Eltern mit dem Kind sprachen. Dies ist die erste Studie, die die verbale Interaktion von Vätern mit ihren Kindern in Alltag auf diese Weise untersucht, wie die Forscher betonen.

Kein „Motherese“ bei Vätern

Das Ergebnis: Wie erwartet verfielen die Mütter in das typische „Motherese“, wenn sie mit dem Kleinkind sprachen. Doch bei den Vätern blieb dies aus: Ihre Intonation änderte sich nicht, sie sprachen mit ihrem Kind kaum anders als mit einem Erwachsenen. Zwar veränderte sich der Satzbau und die Wortwahl, nicht aber die Stimmlage oder Melodie, so die Forscher. Die typische Babysprache scheint demnach eher ein Mütter-typisches Phänomen zu sein – zumindest in den untersuchten Familien. Ob alleinerziehende Väter oder Väter in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ebenfalls keine ausgeprägte Babysprache zeigen, muss noch erforscht werden.

Wie die Forscher betonen, ist die fehlende Babysprache bei Männern aber nichts Schlechtes: „Es bedeutet nicht, dass Väter in dieser Hinsicht versagen“, sagt VanDam. Stattdessen vermuten die Forscher, dass dieser Unterschied zwischen Vätern und Müttern sogar eine wichtige Funktion haben könnte: „Wir vermuten, dass die Väter auf diese Weise ebenfalls zum Spracherwerb der Kinder beitragen  – aber in anderer Weise als die Mütter“, erklären sie. Die normalere Sprache der Väter könnte eine Brücke bilden, die es den Kindern erleichtert, mit ungewohnten Sprechweisen der Außenwelt in Kontakt zu treten. „Die Eltern ergänzen sich damit bei ihrer Rolle für den Spracherwerb der Kinder“, sagt VanDam.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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