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Gesellschaft+Psychologie

Babys Gebrabbel verrät späteres Lesetalent

Lesen ist eine wichtige Kompetenz. (Foto: Ulza/ istock)

Manchen Kindern bereitet das Lesen echte Probleme: Es fällt ihnen schwer, Buchstaben und Wörter zu erkennen. Erste Anzeichen für solche Schwierigkeiten zeigen sich oft schon im Vorschulalter. Doch womöglich lässt sich eine drohende Leseschwäche sogar noch früher erkennen, wie Forscher nun berichten. Demnach könnte bereits das Gebrabbel bei Babys und Kleinkindern Hinweise auf deren späteren Lesefähigkeiten liefern. Bestätigen sich diese Ergebnisse, ergeben sich daraus neue Chancen für die Früherkennung von Legasthenie und Co.

Lesen ist eine fundamentale Fertigkeit. Sie hilft dabei, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden und ist eine wichtige Voraussetzung, um sich neues Wissen anzueignen. Doch bis Kinder das Lesen richtig beherrschen, ist es ein langwieriger Prozess. Nicht jedem fällt dieser gleichermaßen leicht: Kinder mit einer Leseschwäche oder Legasthenie haben Probleme damit, Texte zu lesen und zu schreiben. Oft gehen damit auch Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache einher. Betroffene früh zu identifizieren und zu fördern, ist für deren weitere Entwicklung von großer Bedeutung. „Man weiß, dass Kinder, die Probleme beim Erkennen von Buchstaben haben, später häufiger eine Leseschwäche entwickeln. Doch solche Probleme lassen sich erst ab einem Alter von drei bis fünf Jahren feststellen“, schreiben Kelly Farquharson von der Florida State University in Tallahassee und ihre Kollegen.

Neuer Ansatz für die Früherkennung?

Die Wissenschaftler haben sich deshalb gefragt: Gibt es womöglich noch andere und vor allem früher erkennbare Anzeichen für spätere Leseprobleme? Ihre Idee: Womöglich lässt sich bereits aus dem Gebrabbel von Babys und Kleinkindern ableiten, ob diese zu starken oder schwachen Lesern heranwachsen werden. Um diese These zu überprüfen, begleiteten die Forscher neun Kinder aus US-Familien im Alter von neun Monaten. Im Studienverlauf zeichneten sie alle drei Monate bis zum Erreichen des 30. Lebensmonats auf, wie der Nachwuchs mit seinen Eltern kommunizierte. Bei der Auswertung dieser Aufnahmen achteten sie insbesondere auf das Verhältnis von Konsonanten zu Vokalen – einem Indikator für die sprachliche Komplexität. Im Alter von sechs Jahren besuchte das Team jedes der Kinder erneut: Wie gut würde es den kleinen Probanden gelingen, einzelne Buchstaben zu erkennen?

Das Ergebnis: Je komplexer ein Kind gebrabbelt hatte, desto besser schnitt es nun bei der Leseaufgabe ab. Mit jedem zusätzlichen Buchstaben, den ein Kind korrekt identifizierte, nahm das bereits im Alter von neun Monaten gemessene Konsonanten-Vokale-Verhältnis zu, wie Farquharson und ihr Team berichten. Zwar sei die Stichprobe mit neun Teilnehmern sehr klein und bei keinem der Kinder habe es beim Lesetest Hinweise auf eine unnormale Entwicklung gegeben. „Trotzdem legt unsere Arbeit nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der frühen Sprachproduktion und den späteren Lese- und Schreibfähigkeiten gibt“, sagt Farquharson. Bestätigen sich diese Ergebnisse, ergeben sich dadurch womöglich neue Chancen für die Früherkennung und Prävention. So könnte die Komplexität des Gebrabbels für Tests genutzt werden, um Kinder mit einem erhöhten Risiko für Leseprobleme frühzeitig zu erkennen – und sie gezielt zu fördern.

Quelle: Kelly Farquharson (Florida State University, Tallahassee) et al., PLOS One, doi: 10.1371/journal. pone.0204006

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