Es ist die wohl erstaunlichste aller Tier-Mensch-Beziehungen: Die Katze hat sich ihren festen Platz in der menschlichen Gesellschaft geradezu erschlichen. Denn abgesehen von der Funktion als Nagetierjäger war es vor allem der Charme dieser anmutigen Tiere, dem schon vor Jahrtausenden Menschen erlegen sind. Heutzutage bevölkern Millionen von Stubentigern weltweit die Haushalte – die Katze ist damit noch vor dem Hund das beliebteste aller Haustiere. Trotz dieser großen Bedeutung ist die Katze-Mensch-Beziehung im Gegensatz zum Hund vergleichsweise wenig erforscht. Pionierarbeit leisten dazu bereits seit einiger Zeit die Forscher um Karen McComb von der University of Sussex in Brighton. In ihrer aktuellen Studie haben sie sich nun mit einem Aspekt beschäftigt, der unter Katzenkennern bereits bekannt ist: Angeblich lässt sich ein freundlicher Kontakt mit Katzen herstellen, indem man deren Mimik nachahmt.
Wenn Menschen wie Katzen „lächeln“
Wie auch von anderen Tierarten bekannt ist, vermitteln Katzen durch den Ausdruck ihrer Augen eine freundliche Botschaft: Durch eine Art langsames Blinzeln machen sie die Öffnungen schmal oder schließen sie kurz ganz. Man geht davon aus, dass dieses Verhalten dem Lächeln des Menschen entspricht. Einem Erklärungsansatz zufolge bildet dieser Ausdruck einen demonstrativen Kontrast zum Starren mit weit geöffneten Augen, das viele Tiere als aggressiv empfinden. Katzenfreunde berichten in diesem Zusammenhang aus persönlicher Erfahrung: Wenn man statt breit zu grinsen beim Anblick einer Katze die Augen gezielt schmal macht, reagieren die Tiere positiv. Inwieweit sich dies bestätigen lässt, haben McComb und ihre Kollegen nun erstmals wissenschaftlich untersucht.
Das erste Experiment fand in 14 verschiedenen Haushalten statt und umfasste insgesamt 21 Katzen sowie ihre menschlichen Bezugspersonen. Die Besitzer wurden gebeten, mit ihren Tieren Kontakt aufzunehmen, indem sie diese entweder normal anblickten oder aber das langsame Blinzeln zeigten. Die Reaktionen der Tiere erfassten die Forscher durch Videoaufnahmen, die sie anschließend auswerteten. Das zweite Experiment umfasste insgesamt 24 zusätzliche Katzen aus acht verschiedenen Haushalten. In diesem Fall blinzelte der Forscher, der die jeweilige Katze nicht kannte, das Tier entweder langsam an oder zeigte einen neutralen Gesichtsausdruck. Anschließend wurde per Videoaufnahmen dokumentiert, ob sich die Tiere dem Forscher näherten, wenn er sie dazu durch das Ausstrecken der flachen Hand animierte.





