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Mensch & Katze

Effekt des „Augen-Lächelns“ bestätigt

Miezen im Visier der Verhaltensforschung: Diese Katze „lächelt“, indem sie ihre Augen schmälert. (Bild: Prof Karen McComb University of Sussex)

Katzen schätzen es angeblich, wenn der Mensch sie auf ihre Weise „anlächelt“: Wer die Augen schmal macht, vermittelt den Stubentigern eine freundliche Geste, heißt es. Doch welchen Effekt hat dieses „Katzen-Lächeln“ tatsächlich? Verhaltensforscher konnten nun erstmals experimentell bestätigen, dass Katzen die menschlichen Blinzel-Gesten erwidern und auf die freundliche Kommunikation mit gesteigerter Zutraulichkeit gegenüber Fremden reagieren.

Es ist die wohl erstaunlichste aller Tier-Mensch-Beziehungen: Die Katze hat sich ihren festen Platz in der menschlichen Gesellschaft geradezu erschlichen. Denn abgesehen von der Funktion als Nagetierjäger war es vor allem der Charme dieser anmutigen Tiere, dem schon vor Jahrtausenden Menschen erlegen sind. Heutzutage bevölkern Millionen von Stubentigern weltweit die Haushalte – die Katze ist damit noch vor dem Hund das beliebteste aller Haustiere. Trotz dieser großen Bedeutung ist die Katze-Mensch-Beziehung im Gegensatz zum Hund vergleichsweise wenig erforscht. Pionierarbeit leisten dazu bereits seit einiger Zeit die Forscher um Karen McComb von der University of Sussex in Brighton. In ihrer aktuellen Studie haben sie sich nun mit einem Aspekt beschäftigt, der unter Katzenkennern bereits bekannt ist: Angeblich lässt sich ein freundlicher Kontakt mit Katzen herstellen, indem man deren Mimik nachahmt.

Wenn Menschen wie Katzen „lächeln“

Wie auch von anderen Tierarten bekannt ist, vermitteln Katzen durch den Ausdruck ihrer Augen eine freundliche Botschaft: Durch eine Art langsames Blinzeln machen sie die Öffnungen schmal oder schließen sie kurz ganz. Man geht davon aus, dass dieses Verhalten dem Lächeln des Menschen entspricht. Einem Erklärungsansatz zufolge bildet dieser Ausdruck einen demonstrativen Kontrast zum Starren mit weit geöffneten Augen, das viele Tiere als aggressiv empfinden. Katzenfreunde berichten in diesem Zusammenhang aus persönlicher Erfahrung: Wenn man statt breit zu grinsen beim Anblick einer Katze die Augen gezielt schmal macht, reagieren die Tiere positiv. Inwieweit sich dies bestätigen lässt, haben McComb und ihre Kollegen nun erstmals wissenschaftlich untersucht.

Das erste Experiment fand in 14 verschiedenen Haushalten statt und umfasste insgesamt 21 Katzen sowie ihre menschlichen Bezugspersonen. Die Besitzer wurden gebeten, mit ihren Tieren Kontakt aufzunehmen, indem sie diese entweder normal anblickten oder aber das langsame Blinzeln zeigten. Die Reaktionen der Tiere erfassten die Forscher durch Videoaufnahmen, die sie anschließend auswerteten. Das zweite Experiment umfasste insgesamt 24 zusätzliche Katzen aus acht verschiedenen Haushalten. In diesem Fall blinzelte der Forscher, der die jeweilige Katze nicht kannte, das Tier entweder langsam an oder zeigte einen neutralen Gesichtsausdruck. Anschließend wurde per Videoaufnahmen dokumentiert, ob sich die Tiere dem Forscher näherten, wenn er sie dazu durch das Ausstrecken der flachen Hand animierte.

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Bestätigt: Element der Tier-Mensch-Kommunikation

Die Auswertungen des ersten Experimentes bestätigten zunächst grundlegend, dass die Botschaft des menschlichen Verhaltens offenbar bei den Katzen ankommt: Das langsame Blinzeln der Bezugspersonen führte bei ihren Tieren zu einer häufigen Erwiderung des Verhaltens. Im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass die Katzen zurücklächeln, wenn sie von ihren Besitzern angelächelt werden. Auch bei dem zweiten Versuch erwiderten die Tiere häufig die freundliche Geste des ihnen unbekannten Menschen. Die Tiere waren zudem eher geneigt, sich dem Experimentator zu nähern, als wenn er zuvor einen neutralen Ausdruck angenommen hatte. „Insgesamt geht aus unseren Ergebnissen hervor, dass das langsame Blinzeln tatsächlich eine Form der positiven emotionalen Kommunikation zwischen Katzen und Menschen darstellt“, resümieren die Verhaltensforscher.

„Unsere Studie bestätigt damit die persönlichen Erfahrungen vieler Katzenkenner nun erstmals wissenschaftlich. Und wir ermutigen nun jeden, diese Kommunikationsform selbst mit der eigenen Katze zu Hause oder mit Tieren, denen man begegnet, auszuprobieren. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, den Kontakt mit einer Katze zu verstärken oder herzustellen“, sagt McComb. „Versuchen Sie einfach, Ihre Augen beim Blick auf die Katze langsam zu verengen und schließen Sie sie dann für ein paar Sekunden. Sie werden feststellen, dass das Tier auf die gleiche Weise reagiert und Sie können eine Art Gespräch beginnen“, so die Verhaltensforscherin.

Quelle: University of Sussex, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-73426-0

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