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Gesellschaft+Psychologie

Geld macht doch glücklich

Geld
Geld macht selbst sehr Reiche noch glücklich. (Bild: Nattakorn Maneerat/ iStock)

Sorgt ein höheres Einkommen für mehr Zufriedenheit? Offenbar ja, legt eine neue Studie nahe. Anders als frühere Untersuchungen kommt sie zu dem Ergebnis, dass das empfundene Glück auch bei Jahreseinkommen über 75.000 US-Dollar in gleichem Maße weiter steigt. Unterhalb dieser Summe steigt das Glücksniveau vor allem durch die Abnahme negativer Gefühle wie Angst und Stress. Mit zunehmendem Einkommen oberhalb von 75.000 US-Dollar nehmen dagegen vor allem die positiven Gefühle wie Zuversicht und Stolz zu.

Lohnt es sich, nach einem immer höheren Einkommen zu streben, in der Hoffnung, dadurch glücklicher zu werden? Oder erreicht das Glücksniveau irgendwann ein Plateau, wenn das Gehalt ausreicht, um einen gewissen Lebensstandard und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten? Frühere Studien gingen davon aus, dass Menschen mit einem Jahresverdienst von deutlich über 75.000 US-Dollar – das entspricht momentan rund 62.000 Euro – nicht wesentlich glücklicher sind als solche, die eben diese Summe zur Verfügung haben. Diese Studien beruhten allerdings auf retrospektiven Befragungen und boten nur die Alternativen „glücklich“ oder „nicht glücklich“, statt eine differenzierte Skala anzubieten. Somit sind sie nur eingeschränkt zuverlässig.

Echtzeit-Befragung per Smartphone

Matthew Killingsworth von der University of Pennsylvania hat die Frage nach dem Zusammenhang von Glück und Gehalt nun mit einer neuen Herangehensweise untersucht: Für seine Studie gaben über 33.000 erwerbstätige US-Amerikaner mehrfach täglich per Smartphone an, wie zufrieden sie sich gerade fühlten und welche positiven und negativen Emotionen sie spürten. Dabei wählten sie ihre aktuellen Empfindungen auf einer kontinuierlichen Skala aus. Viele von ihnen beantworteten zusätzlich Fragen zu ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit. Insgesamt wertete Killingsworth 1.725.994 einzelne Glücksberichte aus.

Das Ergebnis: „Ein höheres Einkommen war sowohl mit größerem gefühlten Glück als auch mit einer höheren allgemeinen Lebenszufriedenheit verbunden“, berichtet Killingsworth. Dabei stellte er eine annähernd lineare Beziehung zwischen dem Glücksniveau und dem Logarithmus des Einkommens fest – das heißt, eine Steigerung des Einkommens führte zu einer ebensolchen Steigerung des Glücks. Das Ausmaß der Glückssteigerung änderte sich auch nicht bei sehr hohen Einkommen. Ob jemand 30.000 Dollar statt 15.000 Dollar verdient, machte demnach für das Glück einen genauso großen Unterschied als ob jemand 300.000 Dollar statt 150.000 Dollar verdient. Dieser Effekt blieb auch statistisch signifikant, wenn der Autor andere mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Beziehungsstatus herausrechnete.

Mehr Glück oder weniger Unglück?

Doch woher kommt das gesteigerte Wohlbefinden? Hängt es vor allem damit zusammen, dass sich Menschen mit zunehmendem Wohlstand weniger unwohl fühlen, oder damit, dass sie sich immer wohler fühlen? Oder beides? Um diese Frage zu beantworten, wertete Killingsworth aus, welche Gefühle die Probanden in den Smartphone-Befragungen angaben. Insgesamt zeigte sich, dass mit zunehmendem Einkommen negative Gefühle wie Angst, Stress, Langeweile und Trauer abnehmen und positive Gefühle wie Zuversicht, Interesse, Inspiration und Stolz zunehmen.

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„Es gab einige Hinweise darauf, dass ein höheres Einkommen für Geringverdiener vor allem die negativen Gefühle reduzierte, während ein höheres Einkommen für Besserverdiener die positiven Gefühle überproportional erhöhte“, sagt Killingsworth. Während die früher angenommene Grenze von 75.000 US-Dollar für das Glücksniveau insgesamt keine Rolle spielte, machte sie hier den Unterschied, ob zunehmendes Glück eher aus weniger negativen oder aus mehr positiven Gefühlen resultierte.

Kontrolle und Sicherheit

Doch welche Faktoren sorgen dafür, dass Geld und Glück zusammenhängen? „Die Antwort auf diese Frage ist notwendigerweise spekulativ“, meint Killingsworth. Schließlich seien die Faktoren mutmaßlich so vielfältig, komplex und miteinander verknüpft, dass sich kaum einzelne als besonders ausschlaggebend ausmachen lassen. „Eine Möglichkeit ist, dass Menschen Geld ausgeben, um Leiden zu verringern und Freude zu steigern, und dass marginale Beträge je nach Einkommen unterschiedlich für diese Ziele eingesetzt werden“, sagt er. Dafür spricht das Ergebnis, dass bei Geringverdienern ein höheres Einkommen vor allem mit weniger negativen Gefühlen assoziiert war, während sich bei Besserverdienern stärker die positiven Gefühle steigern.

„Eine andere Möglichkeit, die mit der ersten nicht unvereinbar ist, ist, dass größere Einkommen den Menschen mehr Kontrolle über ihr Leben geben“, mutmaßt der Forscher. Auch das Gefühl von finanzieller Sicherheit spiele wahrscheinlich eine Rolle. Wie wichtig den Probanden Geld war, unterschied sich nicht zwischen Menschen mit hohem und niedrigem Einkommen. Allerdings waren unter den Geringverdienern diejenigen zufriedener, die angaben, Geld sei für sie nicht besonders wichtig. Bei den Besserverdienern war es umgekehrt. „Insgesamt zeigt sich, dass die früher angenommene Grenze von 75.000 US-Dollar nicht zutrifft“, fasst Killingsworth zusammen. „Es mag eine Grenze geben, aber wenn, dann liegt sie deutlich höher als bisher gedacht.“

Quelle: Matthew Killingsworth (University of Pennsylvania), Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.2016976118

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