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Gesellschaft|Psychologie

Geruch der Mutter fördert Vertrauen bei Säuglingen

Baby
Der Duft der Mutter gibt Babys Sicherheit. (Bild: d3000/ iStock)

Der mütterliche Körpergeruch fördert nicht nur die Bindung zwischen Mutter und Kind, sondern kann Säuglingen auch dabei helfen, mit neuen Personen Kontakt zu knüpfen. Das zeigt eine Studie, in der Babys im Alter von rund sieben Monaten mit einer ihnen unbekannten Person interagierten. Lag dabei ein getragenes T-Shirt ihrer Mutter vor ihnen, waren sie der Fremden gegenüber aufmerksamer und aufgeschlossener und ihre Gehirnwellen synchronisierten sich in ähnlichem Maße mit denen ihres Gegenübers wie sonst mit denen ihrer Mutter. Der Geruch der Mutter könnte somit dazu beitragen, Kleinkinder auf soziale Interaktionen vorzubereiten.

Von Geburt an gibt der Geruch ihrer Mutter Säuglingen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Neugeborene ihre Mutter am Geruch erkennen können und dass die chemischen Signale des mütterlichen Körpergeruchs dazu beitragen, Schmerz bei den Kindern zu reduzieren. Überdies fördert der vertraute Geruch die visuelle Aufmerksamkeit von Babys und hilft dabei, die Mutter-Kind-Bindung aufzubauen.

Getragenes T-Shirt als Geruchsquelle

Ein Team um Yaara Endevelt-Shapira vom Center for Developmental Social Neuroscience in Israel hat nun untersucht, inwieweit sich der mütterliche Geruch auch auf die Interaktion der Babys mit anderen Personen auswirkt. Dazu luden die Forscher 62 Mütter mit ihren rund sieben Monate alten Babys ins Labor ein. In einem ersten Experiment saßen sich Mutter und Kind gegenüber und durften frei miteinander interagieren. Per EEG maßen die Forscher währenddessen ihre Hirnströme. In Übereinstimmung mit früheren, ähnlichen Versuchen zeigte sich, dass sich in diesem Setting bestimmte Hirnwellen von Mutter und Kind miteinander synchronisierten. Saßen Mutter und Kind dagegen in ähnlichem Abstand mit dem Rücken zueinander, fiel die Synchronisation deutlich schwächer aus.

Im nächsten Schritt nahm eine dem Kind unbekannte Person den Platz der Mutter ein. Dabei handelte es sich um eine andere Mutter aus dem Experiment, die ähnlich alt war wie die eigene Mutter des Säuglings und selbst ein etwa gleich altes Kind hatte. Ebenso wie zuvor bei der Mutter-Kind-Interaktion saßen sich die Fremde und das Baby gegenüber und konnten frei miteinander interagieren, während ihre Hirnströme aufgezeichnet wurden. Dabei lag vor dem Kind ein T-Shirt – entweder ein frisches oder eines, das die Mutter zuvor zwei Nächte getragen hatte und das somit ihren Körpergeruch ausströmte.

Aufmerksamer, fröhlicher und offener

Das Ergebnis: Kinder, die während der Interaktion mit der Fremden den Geruch ihrer Mutter riechen konnten, waren im Vergleich zu Kindern, vor denen ein ungetragenes T-Shirt lag, aufmerksamer und aufgeschlossener. Sie schauten ihr Gegenüber mehr an, wirkten fröhlicher und machten häufiger Versuche der Kontaktaufnahme. Die EEG-Daten zeigten: Während es ohne den mütterlichen Geruch kaum eine Synchronisation zwischen den Gehirnwellen der Fremden und des Babys gab, erreichte die Synchronisation im Testdurchgang mit dem getragenen T-Shirt ähnliche Werte wie zwischen dem Baby und seiner eigenen Mutter.

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Die Forscher analysierten auch, inwieweit jeweils die erhöhte visuelle Aufmerksamkeit, die positive Erregung und das Annäherungsverhalten des Babys zu der Synchronisation beitrugen. „Obwohl bei allen drei Verhaltensweisen in Anwesenheit des mütterlichen Körpergeruchs ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen war, stand nur die visuelle Aufmerksamkeit in direktem Zusammenhang mit dem Anstieg der Gehirnsynchronisation zwischen Säugling und Fremdem“, schreiben die Forscher. „Wir vermuten, dass der mütterliche Körpergeruch die Aufmerksamkeit der Säuglinge für soziale Reize wie Blicke, Gesichtsausdrücke, Lachen und Gesten erhöht, die wiederum eine Neueinstellung der Hirnwellen bewirken.“

Beruhigender Geruch auch in Abwesenheit der Mutter

Welche Hirnareale genau an der Synchronisation beteiligt sind, lässt sich aus den EEG-Daten nur bedingt ableiten. Den Forschern zufolge deuten die Ergebnisse aber darauf hin, dass unter anderem Teile des Schläfenlappens beteiligt sind, die eine wichtige Rolle bei sozialen Interaktionen spielen. „Auch wenn bei der Bestimmung spezifischer Hirnareale Vorsicht geboten ist, könnten unsere Ergebnisse darauf hindeuten, dass geruchsempfindliche Areale die neurologische Verhaltensdynamik von Säuglingen modulieren, um die Synchronisation zwischen den Gehirnen zu verstärken“ so die Forscher. „Dies könnte dazu dienen, Säuglinge auf soziale Partner in der Gruppe, vertraute soziale Kontexte und die verschiedenen Komponenten sozialer Erfahrungen einzustimmen.“

Der Geruch der Mutter dient dem Säugling demzufolge als Sicherheitssignal. Durch dieses Signal beruhigt, muss das Kind weniger Ressourcen für Gefahrensignale aufzuwenden und kann sich stärker auf soziales Engagement und die emotionale Verarbeitung konzentrieren. Anders als Anblick, Stimme oder Berührung kann der Duft der Mutter das Baby auch in ihrer Abwesenheit begleiten. Das kann es kleinen Kindern erleichtern, sich im sozialen Kontext auf neue Menschen einzulassen.

Quelle: Yaara Endevelt-Shapira (Center for Developmental Social Neuroscience, Israel) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.abg6867

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