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Gesellschaft+Psychologie

Glück ist kulturabhängig

Glück
Lässt sich Glück kulturübergreifend messen? (Bild: Prostock Studio/ iStock)

Was bedeutet Glück? Wenn Forscher messen möchten, wie glücklich Menschen sind, nutzen sie oft standardisierte Fragebögen, sogenannte Glücksskalen. Doch die westlichen Tests, die den Fokus auf individuelle Entfaltung legen, sind in anderen Teilen der Welt weniger zuverlässig, wie nun eine Studie in 63 Ländern zeigt. Als besser geeignet erwies sich ein in Japan entwickelter Glückstest, der die Verbundenheit mit anderen in den Mittelpunkt stellt.

Wo leben die glücklichsten Menschen der Welt? Um Fragen wie diese zu beantworten, messen Wissenschaftler Glück mit standardisierten Fragebögen. Fast alle der bisher dafür genutzten Glückstests wurden in westlichen Ländern entwickelt. Sie spiegeln die westlich-protestantisch geprägte Einstellung, dass Glück mit persönlichem Erfolg zusammenhängt und mit starken positiven Gefühlen einhergeht. Doch wie universell einsetzbar sind solche Tests? Einen Kontrast liefert eine Glücksskala, die 2014 in Japan entwickelt wurde. Gemäß der buddhistisch geprägten Kultur gilt hier Harmonie mit anderen und sich selbst als Indikator für Glück.

Individuelles oder gemeinsames Glück

Ein Team um Gwendolyn Gardiner von der University of California in Riverside hat nun überprüft, inwieweit westliche, individuell orientierte Glückstests und asiatische, gemeinschaftsorientierte Glückstests das Glücksniveau in 63 kulturell sehr unterschiedlichen Ländern der Welt zutreffend erfassen. Über 15.000 Testpersonen von allen bewohnten Kontinenten füllten dafür sowohl den Fragenkatalog der weit verbreiteten amerikanischen Glücksskala „Subjective Happiness Scale“ aus, als auch den der in Japan entwickelten „Interdependent Happiness Scale“.

Um die Zuverlässigkeit der beiden Tests zu beurteilen, werteten die Forscher unter anderem aus, wie konsistent die Antworten innerhalb der beiden Fragebögen waren. Der Gedanke dahinter: Je nach Kulturkreis kann die Formulierung der Fragen unterschiedliche Assoziationen wecken. Im amerikanischen Test sollen die Probanden beispielsweise einstufen, ob sie glauben, glücklicher zu sein als andere Menschen. Der japanische Test dagegen fragt, wie sehr die Probanden der Aussage zustimmen, ebenso glücklich zu sein wie die Menschen in ihrer Umgebung.

Ein besonders glücklicher Japaner würde daher womöglich bei dieser Frage im amerikanischen Test nur einen scheinbar mittelmäßigen Glücklichkeitswert angeben, während er in anderen Fragen zutreffend sein hohes Glücksniveau zum Ausdruck bringen kann. Aus der Inkonsistenz der Antworten können die Forscher ablesen, dass der Test offenbar für Personen aus dem jeweiligen Kulturkreis weniger gut geeignet ist.

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Menschen anderer Kulturen sind anders glücklich

Tatsächlich zeigte sich: Der amerikanische Glücktests ist vor allem für Personen aus westlichen Ländern zuverlässig. Im asiatischen Raum dagegen erzielte der japanische Test genauere Ergebnisse. Ausgerechnet in den beiden Ländern, in denen die Tests entwickelt wurden, den USA und Japan, waren die Unterschiede allerdings nur geringfügig. „Dieses Ergebnis ist für uns überraschend, denn üblicherweise sind die USA und Japan die prototypischen Länder wenn es darum geht, kulturelle Unterschiede in der Psychologie hervorzuheben“, sagt Gardiner. „Aber in diesem Fall waren sie einander ähnlicher als erwartet.“

Weltweit galt: Der amerikanische Glückstest erreicht absolut sowohl die höchsten als auch die niedrigsten Zuverlässigkeitswerte, je nachdem, ob es um westliche oder nicht-westliche Kulturkreise geht. In westlichen Kulturkreisen zeigte sich für diese Glücksskala zudem eine deutliche Korrelation zwischen hohen Glückswerten und Faktoren wie Wohlstand, Bildung und geringem Bevölkerungswachstum. Die japanische Skala dagegen hat eine geringere Schwankungsbreite und ist in allen untersuchten Ländern ungefähr ähnlich zuverlässig. Das mit dieser Skala gemessene Glück korrelierte weniger mit anderen, landesbezogenen Faktoren. Nach Ansicht der Forscher ist diese Skala demnach trotz ihrer etwas geringeren Gesamtzuverlässigkeit für interkulturelle Vergleiche besser geeignet.

Die geringste Zuverlässigkeit hatten beide Tests für Länder in Afrika und im Mittleren Osten. „Das deutet darauf hin, dass keines der beiden Verständnisse von Glück besonders gut zu diesen Kulturen passt“, folgern die Forscher. Für zukünftige Forschungen könnte es demnach interessant sein, spezielle Glückskonzepte in diesen Regionen zu erfassen und in neue Glückstests einzubeziehen. „Was bedeutet es, glücklich zu sein?“, fragen die Forscher abschließend. „Wie unsere Studie zeigt, hängt die Antwort in hohem Maße davon ab, wo man lebt.“

Quelle: Gwendolyn Gardiner (University of California) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1371/journal.pone.0242718

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