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Tierische Hirnforschung

Hunde-Eifersucht auf der Spur

Ein tierischer Proband liegt im MRT-Scanner und betrachtet Videos. (Bild: Karin Bayer/Clever Dog Lab)

Viele Hundebesitzer können bestätigen: Eifersucht prägt manchmal das Verhalten des „besten Freundes des Menschen“. Nun haben Forscher Hinweise darauf gewonnen, was im Kopf eines Hundes vorgeht, wenn seine Bezugsperson einen anderen Hund freudig begrüßt. In Aktivitätsmustern des Gehirns scheint sich demnach widerzuspiegeln, dass die Versuchstiere in Videos gezeigte Hunde als potenzielle Bedrohung der Bindung zu ihrer Bezugsperson wahrgenommen haben.

Eine erstaunliche Beziehung über die Artgrenzen hinweg: Zu keinem anderen Tier pflegt der Mensch so ein enges Verhältnis wie zum Hund. Im Lauf der langen Domestikationsgeschichte wurden die Vierbeiner zu immer besseren Menschen-Verstehern. Deshalb stehen sie auch seit einiger Zeit im Fokus der Kognitions- und Hirnforschung: Wissenschaftler wollen Einblicke in die Fähigkeiten und die Erfahrungswelten der Hunde gewinnen sowie in die neuronalen Prozesse, die diesen Leistungen zugrunde liegen. Unter anderem wurde bereits gezeigt, dass Hunde emotionale Gesichtsausdrücke unterscheiden und Gesten sowie Verhaltensweisen des Menschen richtig interpretieren können.

Diese tierischen Begabungen bilden eine Grundlage der oft starken Bindung zwischen Hunden und ihren menschlichen Partnern. Die Empfindung des Tieres wird dabei oft als Liebe oder tiefe Freundschaft interpretiert. Ein typisches Merkmal einer solchen Beziehung ist dabei die besondere Sensibilität gegenüber dem Verhalten des Partners im Umgang mit anderen. Dabei kann eine Emotion ins Spiel kommen, die der Mensch als Eifersucht bezeichnet. Dahinter steckt die Angst, durch einen Rivalen die Aufmerksamkeit des Partners zu verlieren. Verhaltenstests mit Hunden, die ihre Bezugsperson bei freundschaftlichen Handlungen mit einem anderen Hund sahen, bestätigen, dass die Tiere entsprechend reagieren – manchmal gehen sie sogar buchstäblich dazwischen.

Blick in den Hundekopf

Im Rahmen ihrer Studie sind die Forscher um Sabrina Karl von der Universität Wien nun der Frage nachgegangen, welche Gehirnprozesse bei Hunden solchen Empfindungen zugrunde liegen könnten. Dazu nutzten sie das Verfahren der funktionalen Magnetresonanztomographie (fMRT), das die Aktivität bestimmter Gehirnareale darstellen kann. Das Team hat diese Methode zur Hirnforschung bei Hunden nun auch an der Veterinärmedizinischen Universität Wien etabliert. Dazu wurden Versuchstiere stufenweise an das System gewöhnt, sodass sie schließlich freiwillig in den Scanner stiegen und entspannt ihren Kopf in die Spule steckten. Dabei können die Tiere dann Bilder oder Videos auf einem Bildschirm betrachten.

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In der aktuellen Studie wurde die Gehirnaktivität von zwölf Hunden untersucht, während sie Videos von Menschen beim Umgang mit anderen Hunden betrachteten. Zu sehen waren entweder Herrchen oder Frauchen des im Scanner liegenden Hundes oder eine ihm fremde Person. Diese Menschen gingen in den Videos in zwei unterschiedlichen Weisen mit einem fremden Hund um: Entweder begrüßten sie ihn freudig und streichelten ihn. Im anderen Fall handelte es sich nicht um eine positive soziale Interaktion, sondern um eine neutrale: Dem fremden Hund wurden in einer Art Tierarzt-Szenario Zähne und Ohren kontrolliert.

Signatur der Eifersucht?

Wie das Team berichtet, ging aus den Ergebnissen der Hirnscans grundlegend hervor, dass die Tiere die Videos als reale Szenarien interpretierten. Die erhöhte Aktivität im Hypothalamus bei den sozialen Mensch-Hund-Interaktionen mit dem Halter interpretierten die Forscher dabei als ein Zeichen dafür, dass die Tiere ihre jeweilige Bezugsperson in den Videos erkannten. Dabei zeichneten sich zwischen den verschiedenen Video-Typen charakteristische Unterschiede in der Hirnaktivität ab, berichten die Wissenschaftler. Das wichtigste Ergebnis war dabei: Bei den positiv-sozialen Interaktionen mit dem anderen Hund kam es zu einer auffallend starken neuronalen Erregung. Wenn dagegen ein Fremder den Hund im Video freudig begrüßte oder wenn die Bezugsperson das Tier nur emotionslos untersuchte, zeichnete sich vergleichsweise wenig neuronale Aktivität ab.

Im Detail zeigte sich bei der Betrachtung der positiv-emotionalen Interaktion zwischen Bezugsperson und dem anderen Hund eine Aktivitätszunahme in der Amygdala und der Insula, berichten die Wissenschaftler. Wie sie erklären, handelt es sich dabei um zwei Gehirnareale, die an der Bewertung von Reizen und Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind. Ihnen zufolge liegt nahe, dass die Versuchstiere den im Video gezeigten Hund als potenzielle Bedrohung der Bindung zu ihrer Bezugsperson wahrgenommen haben. Somit würde sich auf der neuronalen Eben widerspiegeln, was aus Beobachtungen und Erfahrungen bei der Mensch-Hund-Interaktion in ähnlichen Situationen bekannt ist.

Abschließend betonen die Forscher allerdings, dass es sich bisher um vorläufige Ergebnisse handelt – eine eindeutige Zuordnung der Emotion des Hundes anhand der Scanner-Daten bleibt schwierig. Trotzdem bietet die Studie ihnen zufolge nun erste Einblicke in das Gefühlsleben von Hunden bei der Bewertung von Handlungen ihrer menschlichen Bezugspersonen. Man darf somit gespannt sein, welche interessanten Einblicke die nun an der Veterinärmedizinischen Universität Wien etablierte Untersuchungsmethode in Zukunft noch liefern wird.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien, Fachartikel: Cerebral Cortex Communications, doi: 10.1093/texcom/tgab047

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