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Gesellschaft+Psychologie Nachgefragt

Macht Lächeln fröhlich?

Gibt es einen Rückkopplungseffekt? (Bild: scyther5/iStock)

„Komm lächel mal – dann fühlst du dich besser!“ Der Gesichtsausdruck kann den Gefühlszustand beeinflussen, so lautet eine weitverbreitete Ansicht. Doch ist an dieser Volksweisheit auch aus wissenschaftlicher Sicht etwas dran? Offenbar ja, geht nun aus einer Metastudie hervor. Allerdings reicht der Effekt wohl kaum für einen therapeutischen Einsatz aus, sagen die Forscher.

Wie die Psychologen um Nicholas Coles von der University of Tennessee in Knoxville erklären, handelt es sich bei der Frage, ob Gesichtsausdrücke einen Einfluss auf unsere Emotionen haben, um ein überraschend kniffliges Thema: Bisherige Studien führten zu widersprüchlichen Ergebnissen. „Der Volksmund sagt, dass wir uns ein bisschen glücklicher machen können, wenn wir lächeln – beziehungsweise umgekehrt: Wir werden ernster, wenn wir finster dreinschauen“, sagt Coles. „Aber ob das wirklich so funktioniert, wird in der Psychologie schon lange kontrovers diskutiert. Einige Studien haben keinen Beweis dafür gefunden, andere schon“.

So entschlossen sich Coles und seine Kollegen, das Forschungsthema nun einmal im Überblick zu betrachten – in der Form einer sogenannten Metaanalyse. Dabei handelt es sich um eine quantitative und statistische Aufarbeitung vorhandener Forschungsdaten. „Psychologen haben sich seit den frühen 1970er Jahren mit diesem Thema beschäftigt, das ermöglichte es, die Daten nun zusammenfassend zu betrachten“, sagt Coles. Den Wissenschaftlern zufolge besaß das Material einen erstaunlichen Umfang: Im Rahmen ihrer Metaanalyse haben sie Daten aus 138 Studien verwendet. Insgesamt umfassen sie Ergebnisse von mehr als 11.000 Studienteilnehmern aus der ganzen Welt.

Es gibt einen Effekt – aber nur einen kleinen

Wie Coles und seine Kollegen berichten, zeichnete sich unterm Strich ab: Gesichtsausdrücke haben offenbar tatsächlich einen Einfluss auf die Gefühle. Man kann sich demnach durch Lächeln glücklicher fühlen, durch einen mürrischen Ausdruck übellauniger oder durch ein Stirnrunzeln trauriger. Allerdings betonen die Wissenschaftler, dass die Effekte recht gering sind. Vermutlich ist das auch der Grund für die teils widersprüchlichen Ergebnisse bei den einzelnen Studien.

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„Wir glauben nicht, dass sich Menschen ins Glück lächeln können“, resümiert Coles. „Dennoch sind die Ergebnisse interessant, weil sie Hinweise darauf geben, wie Geist und Körper bei der Emotionserfahrung zusammenwirken können. Zu den Rückkopplungseffekten und darüber, wie Emotionen funktionieren, gibt es aber noch immer viele Unklarheiten“, betont der Psychologe abschließend.

Quelle: University of Tennessee at Knoxville, Psychological Bulletin, doi: 10.1037/bul0000194

Wenn Sie eine Frage oder einen Themenvorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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