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Gesellschaft+Psychologie Nachgefragt

Gibt es „Sorgenfalten“ bei Pferden?

Pferd mit Augenfalten (links) und ohne (rechts). (Bild: Universität Bern, Sara Hintze)
Entspannt und zufrieden oder gestresst und vielleicht sogar leidend? Wie es einem Tier geht, ist für uns Menschen oft nicht so einfach erkennbar. Bei Pferden lässt sich dies angeblich an den Augen ablesen: Einigen Pferdeexperten zufolge zeigt ein charakteristischer Ausdruck der Hautfalten oberhalb des Auges , ob ein Tier gestresst beziehungsweise von negativen Emotionen belastet ist. Doch lässt sich das auch wissenschaftlich nachweisen? Offenbar ja!

Ob die „Sorgenfalten“ tatsächlich bei Belastungen des Wohlbefindens der Tiere auftauchen, haben die Forscher um Sara Hintze von der Universität Bern untersucht. Für ihre Studie entwickelten sie zunächst eine Skala anhand von Bildern der Augenpartie von Pferden, mit deren Hilfe die Merkmale der Augenfalten objektiv und zuverlässig bewertet werden können. Die wichtigsten Aspekte waren dabei Ausprägung, Winkel und Anzahl der Falten. Anschließend machten die Forscher Aufnahmen der Augen von Pferden bei unterschiedlichen Situationen: Die Tiere wurden entweder mit angenehmen – emotional positiven – Situationen konfrontiert oder mit negativen. Positiv war beispielsweise die Erwartung einer Futterbelohnung, Kraulen am Hals und Schulter. Um unangenehme Situationen zu erzeugen, wurden die Pferde zum Beispiel mit einer Plastiktüte erschreckt oder neidisch gemacht – nur das Nachbarpferd bekam etwas Feines zu Fressen.

Anschließend verglichen die Forscher die Ausprägung der Augenfalten bei den unterschiedlichen Szenarien und auch bei neutralen Kontrollsituationen. Es zeigte sich: Tatsächlich nimmt der Winkel zwischen der obersten Falte und einer Horizontalen bei unangenehmen Situationen zu. In angenehmen Szenarien löst sich dieser Ausdruck hingegen deutlich auf, berichten die Forscher. Es handelt sich demnach also tatsächlich um „Sorgenfalten“.

Ziel: Bessere Einschätzung von tierischem Befinden

Es handelt sich bei der Studie nun um einen weiteren Schritt zum Ziel, zuverlässige Indikatoren für Leiden und Wohlbefinden bei Tieren zu etablieren. Herauszufinden, wann Tiere leiden oder gar wie stark, zählt zu den großen Herausforderungen der Tierschutzforschung. Denn Empfindungen sind subjektiv und damit durch Forschung schwer fassbar. In den letzten Jahren wurde allerdings schon zunehmend deutlich, dass Emotionen in Gesichtsmimik und Körpersprache bei Tieren ähnlich wie beim Menschen zum Ausdruck kommen können. Dies wird auch bereits zur Beurteilung von Schmerzen bei Tieren genutzt: Es gibt sogenannte Grimassen-Skalen zur Bestimmung von Schmerzen bei Mäusen, Ratten und Kaninchen. Auch an Schafen und Rindern wurden bereits entsprechende Untersuchungen durchgeführt – es gibt also Hoffnung auf bessere Einschätzungsmöglichkeiten des Befindens von Tieren.

Quelle: Universität Bern,PLoS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0164017

Wenn Sie eine Frage oder einen Themenvorschlag für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

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