Mengengefühl verbindet Hund und Mensch - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Mengengefühl verbindet Hund und Mensch

Neurowissenschaftler untersuchen, was sich bei Hunden im Kopf abspielt. (Bild: Emory University)

Da gibt es einen zahlenmäßigen Unterschied! Hunde können numerische Grundgrößen erfassen und verwenden dazu ähnliche Hirnregionen wie wir Menschen, geht aus Hirnscans hervor. Dieses Ergebnis belegt, dass die neuronalen Grundlagen unserer komplexen mathematischen Fähigkeiten früh in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere entstanden sind, sagen die Wissenschaftler.

Mehr, weniger oder gleich viel? Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass viele Tierarten zumindest grob zwischen verschieden Objektmengen unterscheiden können. Dies erscheint auch sinnvoll: Das numerische Mengengefühl ermöglicht es den Tieren beispielsweise, Gruppen von Feinden oder Nahrungsobjekten besser einzuschätzen. Diese Fähigkeit scheint bei Säugetieren weit verbreitet zu sein – unter anderem wurde sie bereits bei Hunden nachgewiesen: Die Vierbeiner können demnach zwischen Mengen aus unterschiedlich vielen Objekten unterscheiden.

Dem Sinn für Mengenverhältnisse auf der Spur

Was den Menschen betrifft, haben Untersuchungen bei Babys verdeutlicht, dass unser Sinn für Mengenverhältnisse schon sehr früh entsteht. Es handelt sich dabei um die Grundlage für die spätere Entwicklung der höheren mathematischen Fähigkeiten unserer Spezies. Hirnscans zufolge verarbeitet der Mensch die numerischen Eindrücke im sogenannten parietalen Cortex, einem Areal im Scheitellappen unseres Gehirns. Dies ist wohl generell bei Primaten der Fall, geht aus Untersuchungen bei Affen hervor. Doch diese neuronalen Untersuchungen wurden bei Tieren durchgeführt, die schon auf das erkennen von Mengen trainiert waren. Auf welchen Hirnbereichen die Verarbeitung von Mengenverhältnissen bei Nichtprimaten und untrainierten Tieren beruht, blieb somit bisher unklar, sagen die Forscher um Gregory Berns von der Emory University in Atlanta.

Für die genauere Untersuchung der neuronalen Prozesse bei der tierischen Mengenerfassung haben sich die Wissenschaftler nun den besten Freund des Menschen ausgesucht: Elf Hunde nahmen an den Tests teil, die zuvor nicht auf das Erfassen von Mengen trainiert waren. Die vierbeinigen Probanden waren allerdings daran gewöhnt, sich entspannt in einen Hirn-Scanner zu legen. Dieses Gerät kann durch das Verfahren der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) sichtbar machen, welche Hirnregionen bei bestimmten Aufgaben oder Sinnesreizen aktiv werden.

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Was spielt sich im Hundekopf ab?

Während die Hunde im Hirnscanner lagen, präsentierten ihnen die Forscher auf einem Bildschirm Kombinationen von unterschiedlichen Punktmengen. Sie sahen beispielsweise eine Gruppe aus vier Punkten im Vergleich zu einer Einheit aus acht kleinen Kreisen. Als Kontrolle dienten Abbildungen, die zwei unterschiedlich aussehende Gruppen mit gleichgroßer Punkteanzahl umfassten.

Es zeigte sich: Wenn die Versuchstiere eine Kombination betrachteten, bei der die Punkteanzahl ungleich war, zeigte ihr Gehirn ein auffälliges Aktivitätsmuster: Wie beim Menschen fingen Nervenregionen im parietalen Cortex an zu arbeiten. „Wir konnten somit zeigen, dass auch Hunde diese Hirnregion bei der spontanen Verarbeitung von numerischen Eindrücken verwenden“, resümiert Gregory Berns.

Ihm zufolge trennen Mensch und Hund etwa 80 Millionen Jahre der Evolution. „Unsere Ergebnisse legen damit nahe, dass die grundlegenden numerischen Fähigkeiten auf einem gemeinsamen neuronalen Mechanismus basieren, der mindestens so weit zurückreicht“, so Berns. Somit können Untersuchungen bei Tieren auch beleuchten, wie der Mensch sein komplexes Verständnis von Zahlen hervorgebracht hat, betonen die Wissenschaftler abschließend: „Durch das Verständnis neuronaler Mechanismen – sowohl beim Menschen als auch bei verschiedenen Tierarten – können wir Einblicke in die Entwicklung und Funktionsweise unseres Gehirns erhalten“, sagt Co-Autorin Stella Lourenco von der Emory University.

Quelle: Emory University, Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2019.0666

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