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Psychedelische Therapie

Mit „Magic Mushrooms“ gegen Alkoholsucht

Halluzinogene Substanzen aus bestimmten Pilzen besitzen therapeutisches Potenzial. © Alexander_Volkov/ iStock.com

Rausch mit therapeutischer Wirkung: Durch den psychedelischen Wirkstoff Psilocybin aus „Magic Mushrooms“ lässt sich der Erfolg einer Psychotherapie gegen Alkoholabhängigkeit deutlich verstärken, geht aus einer Studie hervor: Nach der Kombinationsbehandlung konnten die Betroffenen ihren Alkoholkonsum um durchschnittlich 83 Prozent reduzieren. Bei der Vergleichsgruppe ohne zweimalige Psilocybin-Gabe erreichte die Psychotherapie hingegen nur 51 Prozent. Bis zu einem klinischen Einsatz des Konzepts sind allerdings weitere Untersuchungen nötig, betonen die Forscher.

Die sogenannten Magic Mushrooms sind für ihren Einsatz als Partydroge berühmt-berüchtigt: Die für die Wirkung verantwortliche Substanz Psilocybin besitzt halluzinogene und bewusstseinsverändernde Effekte ähnlich wie LSD. Nach dem Gebrauch berichten Menschen von tiefgreifenden Veränderungen der Wahrnehmung und oft auch von Erfahrungen, die als von großer persönlicher und spiritueller Bedeutung empfunden werden. Allerdings kann es neben kritischen körperlichen Reaktionen auch zu Angstattacken und psychotischen Zuständen kommen. Vor Selbstversuchen und Party-Konsum wird deshalb gewarnt. Doch unter wissenschaftlicher Aufsicht werden die Wirkung und das möglicherweise erhebliche therapeutische Potenzial des Psilocybins bereits seit einiger Zeit untersucht.

Mit einer Droge gegen Sucht?

Frühere Studien deuten darauf hin, dass die psychedelische Substanz in der Therapie gegen Depressionen hilfreich sein könnte. Auswertungen von Hirnscans legen dabei nahe, dass Psilocybin gleichsam eine Neuverdrahtung von Hirnregionen bewirken kann, die Betroffenen hilft, festgefahrene kognitive Prozesse zu durchbrechen. Dazu passen auch die bereits vorhandenen Hinweise darauf, dass der Einsatz von Halluzinogenen als Begleitbehandlung im Kampf gegen Suchterkrankungen positive Wirkung zeigen kann. Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Michael Bogenschutz von der New York University nun das Potenzial von Psilocybin im Kampf gegen Alkoholabhängigkeit weiter ausgelotet.

An der Studie nahmen 93 Männer und Frauen teil, bei denen nach den gängigen Standarddefinitionen eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert worden war. Alle Probanden erhielten zwölf Psychotherapiesitzungen, die darauf abzielten, den übermäßigen Alkoholkonsum durch ein Umdenken und Verhaltensänderungen einzuschränken. Nach der vierten sowie der achten Sitzung bekam ein Teil der Studienteilnehmer im kontrollierten Umfeld eine Behandlung mit einer Dosis Psilocybin. Die andere Hälfte erhielt hingegen ein Beruhigungsmittel. Weder die Probanden noch die Betreuer wussten dabei, welche Substanz verabreicht wurde. Anschließend lagen alle Probanden auf einer Liege mit einer Augenbedeckung und hörten Musik.

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Verstärkter Therapieerfolg

Im Rahmen der Studie erfassten die Wissenschaftler durch Befragungen das Trinkverhalten der Teilnehmer. Zusätzlich gaben diese Haar- und Fingernagelproben ab, um durch Analysen objektive Hinweise zu bekommen, wie viel Alkohol konsumiert wurde. Wie das Team berichtet, ging aus den Auswertungen hervor: Innerhalb eines Zeitraums von acht Monaten nach Beginn der Behandlung verringerten diejenigen, die Psilocybin erhalten hatten, ihren starken Alkoholkonsum um 83 Prozent im Vergleich zu ihrem Niveau vor Beginn der Studie. Diejenigen, die nur das Beruhigungsmittel erhalten hatten, verringerten ihren Alkoholkonsum hingegen nur um 51 Prozent.

Zu den weiteren Ergebnissen der Studie gehört, dass acht Monate nach der ersten Einnahme von Psilocybin fast die Hälfte der Personen, die Psilocybin erhalten hatten, mit dem Trinken ganz aufhörten, gegenüber 24 Prozent bei der Kontrollgruppe. „Unsere Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass die Psilocybin-Therapie ein vielversprechendes Mittel zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit ist, einer komplexen Problematik, die bekanntermaßen schwer zu behandeln ist“, resümiert Bogenschutz.

Wie der Wissenschaftler betont, ist allerdings nun weitere Forschungsarbeit nötig, bevor die Substanz für eine breite klinische Anwendung bereit ist: Die Wirkung von Psilocybin muss erst noch genauer dokumentiert werden und die optimale Dosierung sollte geklärt werden. Bogenschutz und seine Kollegen planen dazu nun eine größere Studie mit Beteiligung verschiedener Einrichtungen. Dem Wissenschaftler zufolge könnte das Potenzial auch über den Kampf gegen Alkoholabhängigkeit hinausgehen: „Dieser Ansatz könnte sich auch bei der Behandlung anderer Süchte wie Rauchen und dem Konsum von Kokain und Opioiden als nützlich erweisen“, sagt Bogenschutz. Abschließend betonen die Forscher allerdings erneut: Vor Selbstmedikation in einem nicht professionellen Umfeld sei gewarnt.

Quelle: NYU Langone Health / NYU Grossman School of Medicine, Fachartikel: JAMA Psychiatry, doi: 10.1001/jamapsychiatry.2022.2096

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