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Gesellschaft+Psychologie

Optimisten leben länger

Eine positive Lebenseinstellung fördert offenbar die Langlebigkeit. (Bild: kate_sept2004/ istock)

Es gab einmal eine Zeit, da war man mit 60 uralt. Doch das ist längst passé: Immer mehr Menschen werden heute 90 oder sogar 100 Jahre alt. Was aber ist das Geheimnis dieser Hochbetagten? Forscher haben nun Hinweise darauf gefunden, dass nicht nur biologische Faktoren eine Rolle für die Langlebigkeit spielen, sondern auch die Psyche. Demnach scheinen Optimisten im Schnitt älter zu werden als eher pessimistisch eingestellte Personen. Dabei erreichen sie besonders oft ein sehr hohes Alter und erleben häufiger ihren 85. Geburtstag. Wie genau die positive Lebenseinstellung diesen Menschen beim Altwerden hilft, ist allerdings noch unklar.

Optimisten gehen mit einer positiven Grundeinstellung durchs Leben. Sie glauben daran, dass ihnen gute Dinge widerfahren werden und können selbst schwierigen Situationen noch etwas Positives abgewinnen. Diese Denkweise macht sie nicht nur zufriedener und entspannter, sondern womöglich auch gesünder. So deuten Studien zum Beispiel darauf hin, dass optimistische Menschen besser gegen Erkältungen gewappnet sind und sogar ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme haben. Könnte dies auch bedeuten, dass diese Menschen besonders alt werden? „Die bisherige Forschung zur Langlebigkeit hat sich vor allem auf biomedizinische Einflussgrößen konzentriert. Doch es zeichnet sich zunehmend ab, dass auch psychosoziale Faktoren wichtig sind“, erklären Lewina Lee von der Boston University School of Medicine und ihre Kollegen.

Hochbetagt und gut drauf

Um herauszufinden, welche Rolle die Psyche für ein langes Leben spielt, haben die Wissenschaftler nun Daten aus zwei Langzeitstudien mit 69.744 Frauen und 1.429 Männern ausgewertet. Die Frauen waren zu Studienbeginn zwischen 58 und 86 Jahre alt und wurden zehn Jahre lang begleitet. Die Männer waren im Alter zwischen 41 und 90 und wurden sogar 30 Jahre lang beobachtet. Beide Probandengruppen nahmen zu Anfang an einem Test teil, der ihre Einstellung überprüfte – dachten sie eher optimistisch oder pessimistisch? Zusätzlich erfassten die Forscher den allgemeinen Gesundheitszustand sowie gesundheitsbezogene Lebensgewohnheiten der Teilnehmer, etwa die Ernährungsweise oder den Konsum von Zigaretten und Alkohol.

Im Laufe der Jahre dokumentierte Lees Team, wer wann und in welchem Alter verstarb. Würde sich ein Zusammenhang zwischen dem Optimismus-Level und dem erreichten Lebensalter zeigen? Tatsächlich enthüllten die Analysen: Die Optimisten lebten länger und erreichten häufiger ein sehr hohes Alter. Konkret ergaben die Auswertungen, dass die optimistischsten Männer und Frauen im Schnitt eine um elf bis 15 Prozent längere Lebensdauer hatten als die Personen mit den niedrigsten Optimismuswerten. Bei ihnen war auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie ihren 85. Geburtstag erlebten – und zwar um 50 bis 70 Prozent. Das Entscheidende: Diese Zusammenhänge galten, obwohl die Wissenschaftler den Einfluss anderer Faktoren wie chronische Erkrankungen bereits herausgerechnet hatten. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Optimismus als eine psychologische Ressource fungiert, die Langlebigkeit fördert“, konstatieren die Forscher.

Ist Optimismus beeinflussbar?

Wie genau die positive Lebenseinstellung den Menschen beim Altwerden hilft, ist ihnen zufolge zwar noch unklar. Es könnte aber zum Beispiel sein, dass der bessere Umgang mit Stress eine Rolle dabei spielt. Zusätzlich könnte eine optimistische Einstellung auch bestimmte Verhaltensweisen fördern, die der Gesundheit zuträglich sind, etwa mehr Bewegung. Bestätigen künftige Untersuchungen den nun beobachteten Zusammenhang, ergeben sich daraus womöglich auch neue Möglichkeiten für Therapien: „Eine längere Lebensspanne scheint oft mit einer längeren gesunden Lebenszeit einherzugehen. Daher spielen unsere Ergebnisse auch eine Rolle für das Verständnis der psychologischen Faktoren, die ein gesundes Altwerden fördern“, erklärt das Team. Vielleicht könnten dabei schon einfache Maßnahmen helfen. So legen Studien nahe, dass Meditation oder kognitive Verhaltenstherapien Menschen optimistischer machen können. „Optimismus könnte beeinflussbar sein“, schließt Lee.

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Quelle: Lewina Lee (Boston University School of Medicine) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.1900712116

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