TikTok, Instagram und Co gehören für junge Menschen heute selbstverständlich zu ihrem Alltag. Doch nicht alle Inhalte sind für Kinder und Jugendliche geeignet und Studien deuten darauf hin, dass eine exzessive Nutzung sozialer Medien mit schwerwiegenden psychischen Problemen bis hin zum Selbstmord in Verbindung stehen kann. In vielen Ländern weltweit werden deshalb derzeit mögliche Altersbeschränkungen für den Zugang zu Social-Media-Plattformen diskutiert. Australien hat Ende 2025 als erstes Land der Welt ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. In Deutschland hat Bundestagspräsidentin Julia Klöckner den Deutschen Ethikrat gebeten, sich mit dem Thema zu befassen. Nun hat das Sachverständigengremium seine Empfehlungen veröffentlicht.
Welche Risiken bergen digitale Medien für Kinder und Jugendliche?
Depressionen, Ängste, Essstörungen, Schlafprobleme, Stress und suizidale Gedanken: Immer mehr Studien legen nahe, dass soziale Medien die Gesundheit junger Menschen ernsthaft gefährden können. So werden Kinder und Jugendliche beispielsweise mit Texten, Bildern und Videos konfrontiert, die Verhaltensweisen wie Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten normalisieren. Auch Gewaltdarstellungen und Pornografie sind unzureichend reguliert. Hinzu kommt die Gefahr von Mobbing in der digitalen Welt.
Besonders problematisch ist aus Sicht von Fachleuten das Suchtpotenzial vieler Anwendungen. „Social-Media-Plattformen agieren nach dem Profitgenerierungsmodell. Sie wollen die Nutzer so lange wie möglich am Ball halten, damit diese die Plattform immer weiter nutzen“, erklärt Julia Brailovskaia vom Deutschen Zentrum für psychische Gesundheit. „Unterschiedliche Aspekte sollen zum Auf-der-Plattform-Bleiben führen: das Scrollen, die Likes, die Push-Nachrichten. Auch visuelle und auditive Reize können anziehend sein. Und natürlich der soziale Faktor.“
Warum spricht sich der Ethikrat gegen ein gesetzliches Mindestalter für Social Media aus?
Trotz dieser Risiken lehnt der Deutsche Ethikrat ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestalter für die Social-Media-Nutzung ab. „Kinder und Jugendliche wachsen heute mit vielen digitalen Angeboten auf, die eine wichtige Rolle bei der Erfüllung ihrer Kommunikations- und Informationsbedürfnisse spielen“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Helmut Frister. „Die Aufgabe ist, den hier notwendigen Schutz junger Menschen mit ihren digitalen Teilhabe- und Befähigungsinteressen in Ausgleich zu bringen. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für soziale Medien ist dafür aus Sicht des Deutschen Ethikrates nicht geeignet.“





