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Gesellschaft+Psychologie

Stadtgrün ist gut für Kinderhirne

Stadtpark
Parks und Grünflächen tun Stadtkindern gut (Foto: bowdenimages/ iStock)

Gerade in der Stadt sind grüne Oasen wie Parks und Gärten besonders wichtig – für unser Wohlbefinden, aber auch für das Stadtklima. Jetzt deutet eine Studie darauf hin, dass Stadtgrün sogar die geistige Entwicklung von Kindern fördern kann. Kinder, die in grüneren Stadtvierteln aufwachsen, haben demnach ein besseres räumliches Arbeitsgedächtnis. Dieser Zusammenhang ist auch dann noch nachweisbar, wenn man Einkommen und Bildung der Eltern und weitere Faktoren miteinbezieht.

Dass Grünflächen in der Stadt wichtig sind, haben Studien schon mehrfach gezeigt. So wirken Straßenbäume und Parks wie grüne Klimaanlagen, indem sie die Luft von Staub und Schadstoffen reinigen und ihr Sauerstoff und Feuchtigkeit zusetzen. Menschen, die in grüneren Stadtvierteln leben, erkranken dadurch seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und anderen Zivilisationsleiden. Aber auch dem Gehirn tut das Grün gut: Wenn Städter in der Nähe eines Waldstücks wohnen, zeigt ihr Gehirn weniger Anzeichen für chronisch erhöhten Stress.

Profitieren Kinderhirne vom Stadtgrün?

„Trotz dieser Erkenntnisse gab es bisher aber nur wenig Forschung darüber, wie sich Stadtgrün auf Kinder auswirkt, vor allem in Bezug auf ihre geistige Entwicklung“, erklären Eirini Flouri und ihre Kollegen vom University College London. „Es gibt aber mehrere Gründe, warum Grünflächen sich darauf positiv auswirken müssten.“ So bieten Grünflächen Möglichkeiten zur aktiven Bewegung, was erwiesenermaßen die geistigen Leistungen anrege. Hinzu kommen eine bessere Luftqualität und ein wohltuender Einfluss auf Aufmerksamkeit und Entspannung, wie die Forscher erklären.

Ob dies stimmt, haben Flouri und ihr Team nun mit 4758 elfjährigen Kindern aus unterschiedlich grünen Stadtgebieten Englands getestet. Für ihr Experiment ermittelten sie zunächst anhand von Satellitenbildern, wie viel Stadtgrün es im Wohnviertel der Kinder gab und erfassten durch Befragungen der Eltern das sozio-ökonomische Umfeld. Dann unterzogen sie alle Kinder einem standardisierten Test des räumlichen Arbeitsgedächtnisses. „Dieses ist eine der vier Komponenten unseres Arbeitsgedächtnisses und dafür verantwortlich, optisch-räumliche Informationen zu verarbeiten und die Aufmerksamkeit zu lenken“, erklären die Wissenschaftler. Darüber hinaus sei das räumliche Arbeitsgedächtnis eng mit den mathematischen Leistungen von Schulkindern verknüpft.

Bessere Leistungen bei mehr Grünflächen

Die Studie ergab: Die Kinder, in deren Wohnumfeld es mehr Stadtgrün gab, machten im kognitiven Test tatsächlich weniger Fehler. „Dieser Effekt blieb auch dann noch bestehen, wenn wir Familieneinkommen, Bildung der Eltern, Sport und sozioökonomisches Umfeld im Viertel berücksichtigten“, betonen Flouri und ihre Kollegen. „Damit haben wir nachgewiesen, dass Kinder in Stadtvierteln mit mehr Grünflächen auch ein besseres räumliches Arbeitsgedächtnis haben.“ Konkret beziffern die Forscher den Effekt von mehr Stadtgrün auf die kognitiven Leistungen der Kinder mit 4,1 Prozent.

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„Damit ist die Wirkung des Stadtgrüns zwar nicht groß, aber dennoch ist das ein wichtiger Befund“, sagt Flouri. „Denn wenn dieser Zusammenhang tatsächlich kausal sein sollte, dann könnten unsere Ergebnisse zu einer besseren und bildungsfördernden Stadtplanung beitragen.“ So spreche dies dafür, den Zugang von Kindern zu städtischen Grünflächen zu erleichtern und zu fördern und beispielsweise auch für Ansätze wie das Lernen im Grünen. Wichtig ist nach Ansicht der Forscher auch, dass der positive Effekt des Stadtgrüns sowohl in wohlhabenden als auch in Problemvierteln nachweisbar war.

Quelle: Eirini Flouri (University College London) et al., British Journal of Educational Psychology, doi: 10.1111/bjep.12243

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