In vielen Ländern der Welt gab es in den vergangenen Jahren Bestrebungen, die Arbeitszeit von Arbeitnehmern zu verkürzen – etwa von acht auf sechs Stunden pro Tag oder von fünf auf vier Tage pro Woche. Befürworter argumentieren, dass dadurch weniger Zeit vertrödelt, Aufgaben besser strukturiert und in kürzerer Zeit erledigt würden. Unterm Strich erledigen die Mitarbeiter dieselben Aufgaben, aber in kürzerer Zeit, ihre Leistung steigert sich also. Zum Ausgleich haben sie dafür aber auch mehr Freizeit, um sich zu entspannen, zu erholen und einen gesunden Lebensstil zu pflegen. An ihrem Lohn ändert sich nichts. Wie gut das in der Praxis funktioniert, haben bereits zahlreiche Einzel-Unternehmen weltweit für sich getestet. Diese legen nahe, dass eine Stundenreduzierung für die Arbeitnehmer entlastend ist. Die Bedingungen waren jedoch nicht untereinander vergleichbar und nicht übertragbar, da vor allem Jobs mit ohnehin sehr hoher Stundenzahl erprobt wurden.
Vier-Tage-Woche verbessert Gesundheit der Mitarbeiter
Forschende um Wen Fan vom Boston College haben daher nun systematisch untersucht, wie sich eine Arbeitszeitreduktion auswirkt. Dafür führten sie für insgesamt 2.896 Mitarbeiter in 141 Firmen die Vier-Tage-Woche ein, ohne ihnen das Gehalt zu kürzen. Vorab gaben sie Empfehlungen, wie die Arbeit umstrukturiert werden sollte, damit die Aufgaben trotzdem nicht liegen bleiben – beispielsweise unnötige Meetings zu streichen. 285 Mitarbeiter aus zwölf weiteren Unternehmen arbeiteten zum Vergleich weiterhin in einer Fünf-Tage-Woche mit 39 bis 40 Stunden. Vor und nach dem sechsmonatigen Testzeitraum befragten Fan und seine Kollegen die Arbeitnehmer, wie es ihnen mit dieser Vereinbarung jeweils ging.
Die Auswertung ergab: Die durchschnittliche Arbeitszeit der Teilnehmenden reduzierte sich in der Vier-Tage-Woche um rund fünf Stunden pro Woche – von 38,98 auf 34,26. Fan und seine Kollegen teilten die Testpersonen daraufhin in drei Gruppen ein. Schon Arbeitnehmer mit einer Verkürzung der Arbeitswoche um ein bis vier Stunden berichteten dabei seltener von Schlafproblemen, Ermüdungserscheinungen, Burnout und psychischen Problemen als die Teilnehmenden mit der Fünf-Tage-Woche. Sie waren insgesamt zufriedener mit ihrer Arbeit und arbeiteten eigener Einschätzung nach produktiver. Noch stärker ausgeprägt waren diese Unterschiede zwischen Vier- und Fünf-Tage-Woche bei denjenigen, die ihre Arbeitswoche um fünf bis sieben Stunden sowie acht Stunden oder mehr verkürzten. „Es besteht eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung: Eine stärkere Reduzierung der Arbeitsstunden lässt größere Verbesserungen des subjektiven Wohlbefindens erwarten“, schreibt das Team.
Ab einer Reduzierung um acht Stunden berichteten die Testpersonen zudem, häufiger Sport zu treiben und ihre Termine besser organisiert zu kriegen. Zugleich fühlten sie sich dann ihrem Unternehmen und ihrer Arbeit stärker verbunden. „Eine Sorge bestand darin, dass eine geringere Arbeitszeit die Beziehungen zu den Kollegen schwächen könnte, aber das scheint nicht der Fall zu sein“, so Fan und seine Kollegen.





