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Gesellschaft|Psychologie

Was Menschen anfällig für Fake-News macht

Fake-News
Was macht manche Menschen anfälliger für Fake-News? © Jan Philipp Rudloff/ Universität Würzburg

Zur Covid-19-Pandemie kursieren zahlreiche Fehlinformationen und Verschwörungstheorien. Doch was sind das für Menschen, die daran glauben? Eine Studie zeigt nun, dass Menschen mit sogenannten „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen, die vor allem auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, eher dazu neigen, Falschmeldungen Glauben zu schenken. Eine Rolle spielt dabei neben ihrer politischen Orientierung auch ihre Auffassung von Wissen: Am anfälligsten für Verschwörungstheorien sind diejenigen, die davon überzeugt sind, dass Wissenschaft, Politik und Medien Tatsachen je nach Interessenslage konstruieren.

Die Covid-19-Pandemie hat zahlreiche neue Verschwörungstheorien hervorgebracht: Ohne handfeste Beweise und oft entgegen aller zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Evidenz behaupten diese zum Beispiel, die Pandemie sei von langer Hand geplant worden, um bürgerliche Freiheiten abzuschaffen, die Impfungen dienten ihn Wahrheit dazu, Menschen heimlich Mikrochips zur Überwachung einzupflanzen, oder das Virus werde über den Mobilfunkstandard 5G übertragen.

Vorstellungen zum Wesen von Wissen

„Einige Menschen schenken Fake News Glauben, selbst wenn die wissenschaftlichen Fakten eindeutig dagegensprechen“, sagt Erstautor Jan Philipp Rudloff von der Universität Würzburg. „Wir wollten wissen, warum das so ist und welche Rolle dabei Vorstellungen über das Wesen von Wissen und Fakten spielen.“ Zudem interessierte die Forscher, wie diese Vorstellungen mit der Persönlichkeit zusammenhängen, insbesondere mit sogenannten „dunklen“ Persönlichkeitsmerkmalen. Darunter versteht man in der Psychologie narzisstische, psychopathische, egoistische und manipulative Charakterzüge.

Um herauszufinden, wie Persönlichkeitsmerkmale und die Vorstellung von Wissen zusammenspielen und welcher Zusammenhang zum Glauben an Fakenews besteht, führten Rudloff und seine Kollegen vier aufeinanderfolgende Studien durch, bei denen sie jeweils mehrere hundert Personen aus den USA oder Deutschland baten, einen Onlinefragebogen auszufüllen. Darin wurden die Teilnehmer unter anderem gefragt, wie stark sie bei der Bewertung von Informationen ihrem Bauchgefühl vertrauen, wie wichtig ihnen handfeste Beweise sind und inwieweit sie annehmen, dass scheinbare Fakten von Politik, Wissenschaft und Medien nach eigenen Interessen konstruiert werden.

„Wir fassen diese Aspekte auch unter dem Begriff ‚epistemische Überzeugungen‘ zusammen“, erklärt Rudloff. Epistéme stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Erkenntnis“ oder „Wissen“. In der Psychologie geht man davon aus, dass sich epistemische Vorstellungen während Kindheit und Jugend entwickeln und verfestigen. Kinder in vielen Punkten nur schwarz oder weiß sehen, lernen sie mit der Zeit zu differenzieren und dabei unterschiedliche Meinungen als gleichwertig zu sehen. „Irgendwann lernen wir dann im besten Fall, unterschiedliche Positionen zu bewerten“, sagt Rudloff. „So nach dem Motto: Es gibt ja unterschiedliche Meinungen, aber manche lassen sich besser belegen als andere.“ Diesen Schritt scheine aber nicht jeder zu gehen.

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Wahr oder falsch?

In ihrer Studie erhoben die Forscher in ihrem Fragebogen auch, wie stark „dunkle“ Persönlichkeitsmerkmale bei den Probanden ausgeprägt waren, wie sehr sie also darauf bedacht sind, eigene Interessen durchzusetzen – wenn nötig auch auf Kosten anderer. „Jeder ist bis zu einem bestimmten Grad eigennützig“, erklärt Rudloff. „Problematisch wird es, wenn diese Fixierung aufs eigene Wohl so stark ist, dass dabei das der Mitmenschen keine Rolle mehr spielt.“ Das Ergebnis: „In unserer ersten Studie mit 321 Teilnehmern aus den USA fanden wir erste Belege dafür, dass Personen, bei denen dunkle Persönlichkeitsmerkmale stärker ausgeprägt sind, eher zu postfaktischen epistemischen Überzeugungen neigen“, berichten die Forscher.

In den darauf aufbauenden Studien baten Rudloff und sein Team die Probanden zusätzlich zum Fragebogen dazu, den Wahrheitsgehalt einer Reihe von teils korrekten, teils erfundenen Aussagen zu beurteilen. Durchgeführt wurden alle drei Studien im ersten Jahr der Covid-19-Pandemie: zwei Studien mit insgesamt fast 1400 US-amerikanischen Teilnehmern im März und Oktober 2020 sowie eine Studie mit über 500 Probanden aus Deutschland im Dezember 2020. In allen Studien zeigte sich: Je weniger die Teilnehmer an die Existenz objektiver Fakten glaubten und je ausgeprägter dunkle Persönlichkeitsmerkmale bei ihnen waren, desto schwerer fiel es ihnen, wahre Aussagen von falschen zu unterscheiden. Zudem hielten sie sich einigen Angaben zufolge weniger an die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie.

Tatsachenverdrehung aus eigennützigen Motiven

„Menschen mit dunklen Persönlichkeitsmerkmalen biegen sich die Wirklichkeit so zurecht, wie sie ihnen passt. Also etwa: Ich trage keine Maske, weil das Coronavirus ja eh nur eine Erfindung der Medien ist“, erklärt Rudloff. „Diese Verdrehung der Tatsachen aus eigennützigen Motiven klappt natürlich besonders gut, wenn sie ohnehin der Überzeugung sind, dass es keine unabhängigen wissenschaftlichen Fakten gibt.“ Bei den Teilnehmern aus den USA spielte zudem auch die politische Orientierung eine Rolle: Personen, die sich selbst im politischen Spektrum eher rechts einordneten, glaubten eher an Covid-19-Verschwörungstheorien und hielten sich weniger an Maßnahmen. Aus Sicht der Autoren könnte sich dies dadurch erklären lassen, dass der damalige US-Präsident Donald Trump selbst Verschwörungstheorien befeuerte und so seine Anhänger in diesen Ansichten bestärkte.

Doch auch wenn Persönlichkeitsmerkmale und politische Orientierung eine Rolle spielen: „Ausschlaggebend sind stets die epistemischen Überzeugungen“, betont Rudloff. „Wer nicht an die Kraft stichhaltiger Beweise und Argumente glaubt, der lässt sich auch durch den beeindruckendsten Faktencheck nicht umstimmen – unabhängig davon, wie es um seine sonstigen Persönlichkeitseigenschaften bestellt ist. Das gilt für Falschnachrichten ebenso wie für Verschwörungstheorien.“

Quelle: Jan Philipp Rudloff (Universität Würzburg) et al., Journal of Personality, doi: 10.1111/jopy.12706

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