Weniger kaufen macht glücklicher - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesellschaft+Psychologie

Weniger kaufen macht glücklicher

Konsum
Unser übermäßiger Konsum ist einer der Hauptriebkräfte für Umweltzerstörung und den Klimawandel. (Bild: Eva Katalin Kondoros/ iStock)

Unser übermäßiger Verbrauch von Ressourcen ist eine der Haupttriebkräfte für Umweltzerstörung und den Klimawandel. Doch deshalb auf Konsum zu verzichten, ist für viele keine Option. Nun enthüllt jedoch eine Studie mit konsumorientierten jungen Erwachsenen: Verzicht ist offenbar besser als sein Ruf. Denn ein verringerter Konsum hat überraschend positive Effekte auf die Psyche und das Wohlergehen, wie die Forscher feststellten.

Klar ist: Wir verbrauchen mehr Ressourcen als unser Planet und die Natur nachproduzieren können. Bereits am 29. Juli 2019 hat die Menschheit alle nachhaltig nutzbaren Ressourcen der Erde für dieses Jahr aufgebraucht – seither leben wir gewissermaßen „auf Pump“. Durch die Globalisierung sorgt unser übermäßiger Konsum von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten hier in Deutschland zudem dafür, dass anderswo auf der Welt Wasser knapp wird, Landschaften zerstört werden und klimaschädliches Kohlendioxid frei wird.

Grün kaufen oder weniger kaufen?

Doch wie lässt sich dies ändern? „Wir haben von Kindheit an erfahren, dass es für alle unsere Wünsche ein Produkt gibt und dass es OK ist, Dinge zu kaufen – das sei nun mal die Art, auf die unsere Wirtschaft funktioniere“, sagt Sabrina Helm von der University of Arizona. „Wenn man so geprägt ist, ist es extrem schwer, sein Verhalten zu ändern.“ In besonderem Maße gilt dies für die „Millennials“, die Generation der um die Jahrtausendwende geborenen junge Erwachsenen, die mit Wohlstand, meist guter Bildung und als digital Natives aufgewachsen sind. Diese Generation gilt als besonders konsumfreudig, wie die Forscherin erklärt.

Welche Optionen kommen für diese Generation in Frage, wenn es um ein umweltfreundlicheres Kaufverhalten geht? Und wie wirkt sich dies aus? Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten: Man versucht, vermehrt „grüne“, nachhaltig hergestellte Produkte zu kaufen statt billig produzierter Massenware oder aber man konsumiert insgesamt weniger. Bei einem solchen Konsumverzicht versucht man beispielsweise, defekte Dinge zu reparieren statt neue zu kaufen, vermeidet den Kauf unnötiger Waren und nutzt die Kleidung oder Geräte, die man schon hat, länger. Für ihre Studie befragten Helm und ihre Kollegen knapp tausend Collegestudenten im Alter von 18 bis 26 nach ihren Konsumverhalten, ihrem psychologischen Befinden und ihrer Selbsteinschätzung dazu, für wie materialistisch sie sich selbst halten.

Glücklicher durch Konsumverzicht

Die Auswertung ergab zum einen, dass ein „grüner“ Konsum selbst für materialistischer eingestellte Millennials durchaus eine Option ist, ein reduzierter Konsum dagegen nicht – wenig überraschend. „Wenn man umweltfreundlichere Produkte kaufen kann, dann kann man trotzdem noch seine materialistischen Wünsche ausleben“, sagt Helm. Das tiefsitzende Bedürfnis, sich immer neue Dinge anzueignen, wird dabei trotzdem erfüllt. Der weitere Ausbau des Warensortiments von nachhaltig produzierten Kleidungsstücken, Geräten und anderen Produkten könnte demnach erheblich dazu beitragen, auch die eher konsumorientierten Bevölkerungsgruppen zu ressourcenschonenderem Verhalten zu bringen.

Anzeige

Überraschend jedoch ist etwas anders: Entgegen den Erwartungen führt ein grüner Konsum offenbar keineswegs zu einem gesteigerten psychologischen Wohlbefinden – Konsumverzicht aber schon. „Wir dachten, es würde die Menschen befriedigen, wenn sie ein umweltfreundlicheres, grünere Kaufverhalten an den Tag legen – aber das ist offenbar nicht der Fall“, sagt Helm. „Stattdessen war es der reduzierte Konsum, der das Wohlbefinden erhöhte und die psychische Belastung senkte. Weniger zu besitzen und weniger zu kaufen kann uns demnach tatsächlich glücklicher machen.“ Die Forscherin und ihre Kollegen vermuten, dass dies mit dem Aufwand für Erhalt, Organisation und Schutz des Besitzes zu tun hat: „Eigentum erzeugt eine Menge an Belastungen und wenn dies wegfällt, dann fühlen sich viele Menschen viel freier und besser“, so Helm.

Das Fazit der Forscher: Weniger nutzlose Dinge zu kaufen und den Konsum zu reduzieren, nutzt nicht nur der Umwelt und dem Klima – es kann auch uns selbst glücklicher machen.

Quelle: University of Arizona; Fachartikel: Young Consumers, doi: 10.1108/YC-10-2018-0867

Anzeige

natur | Aktuelles Heft

Aktueller Buchtipp

natur-Sonderausgabe 2019

Landwirtschaft 4.0
Wie Technik, Tierschutz und Bio-Standards eine Branche verändern

Anzeige

Grünstoff – der Medientipp des Monats

Wissenschaftslexikon

In|di|gni|tät  auch:  In|dig|ni|tät  〈f. 20; unz.〉 1 〈Rechtsw.〉 Erbunwürdigkeit ... mehr

Maß|lieb|chen  〈n. 14; Bot.〉 = Gänseblümchen [<ndrl. mateliefe ... mehr

Sto|rage  〈[strıd] n.; –s, –s [–rıdız]; IT〉 Speicher [engl.]

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige