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Gesellschaft|Psychologie

Wenn Sprachen sterben

Sprachen
Die Vielfalt der Sprachen auf unserem Globus ist riesengroß. Weltweit gibt es mehr als 6.500 gesprochene Sprachen. (Foto: pixabay.com, Maialisa (CC0)
Die Globalisierung hat Folgen in vielen Bereichen. Einer davon ist die Sprache. Es gibt heute Begriffe, wie beispielsweise „Welcome“, die fast jeder versteht, auch wenn er kein Englisch spricht. Mehr und mehr Sprachen spricht hingegen einfach niemand mehr. Das hat verschiedene Gründe. Es bleibt zu befürchten, dass irgendwann nur noch einige wenige Sprachen übrigbleiben. Sprachforscher sehen das jedoch nicht so extrem.

Lebendige Sprache – große Vielfalt

Der Sprachwissenschaftler und emeritierter Mathematikprofessor Ernst Kausen sagte in einem Interview beim Deutschlandfunk: „Auch, wenn alle zehn Tage eine Sprache stirbt, sind wir noch weit davon entfernt, dass wir uns nur noch auf ein oder zwei Weltsprachen reduzieren.“ Sprache sei einfach viel zu lebendig. Eine der Leidenschaften von Ernst Kausen ist das Zählen von Sprachen. Weltweit sprechen die Menschen mehr als 6.500 Sprachen, laut Babbel Magazin in einem aktuellen Beitrag. Die Hälfte davon ist wohl in zwei oder drei Generationen verschwunden. Dann ist die Vielfalt jedoch immer noch sehr groß.

Globalisierung nicht das einzige Problem

Die Globalisierung ist nicht der einzige Grund, warum Sprachen aussterben. Es gibt Sprachen, die nur sehr wenige Menschen sprechen, sodass sie schon aufgrund dessen kaum eine Überlebenschance haben. Bevor die Engländer den australischen Kontinent eroberten, gab es dort etwa 300 Sprachen. Diese Zahl hat sich bis heute auf etwa 130 Sprachen reduziert. Wenn nur wenige eine dieser Sprachen sprechen und sie nicht an ihre Kinder weitergeben, ist die Sprache eine Generation später tot. Das gilt auch für große Sprachen. Latein ist so eine große Sprache, die faktisch ausgestorben ist. Allerdings sind daraus andere Sprachen hervorgegangen, wie die romanischen Sprachen.

Mit der Sprache stirbt eine Kultur

Die vielfältigen Sprachen in dieser Welt sind ein Ausdruck der vielfältigen Kulturen. Geht eine Sprache zugrunde, hat das zur Folge, dass eine ganze Kultur damit zugrunde geht. Wenn die Verbreitung der Sprache immer geringer wird und sie quasi vor unseren Augen stirbt, ist das ein trauriger Prozess. Für die Gesellschaft für bedrohte Sprachen steht fest, dass der Verlust von Wissen und von unterschiedlichen Denkweisen damit einhergeht. Die Gesellschaft macht sich dafür stark, bedrohte Sprachen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie organisiert zu diesem Zweck zum Beispiel Ausstellungen und Veranstaltungen und macht durch ausgewählte Expertenrunden auf sich aufmerksam. So können interessierte beispielsweise an einer Expertenführung zur Fragestellung „Bedrohte Sprachenvielfalt – Was geht verloren? teilnehmen oder die Ausstellung „Was fremde Sprachen anders machen“ im Museum für Kommunikation in Berlin besuchen. Umso wichtiger ist es, dass jeder sich mit Sprache beschäftigt, was mit Magazinen und dem Internet heute so einfach gemacht wird wie nie.

Die drei Weltsprachen

Etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung spricht eine der großen Weltsprachen. Das sind in erster Linie Englisch, Chinesisch und Spanisch. Die andere Hälfte spricht eine der vielen kleinen Sprachen. Vom Verschwinden sind meist indigene Sprachen betroffen, wie im Fall der Fulni-o. Diese Volksgruppe im Nordosten Brasiliens hat ihre Originalsprache, das „la-tê“ lange Zeit aktiv und lebendig gehalten. Auch das zugehörige Ritual, das „Oricuri“, praktizieren sie noch innerhalb ihrer Gemeinschaft und verborgen vor der Öffentlichkeit. Die jungen Fulni-o bevorzugen jedoch mehr und mehr, Portugiesisch zu sprechen. Damit ist ihre Sprache so langsam vom Aussterben bedroht.

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Kleine Sprachen mit Besonderheiten

Die kleinen Sprachen unterscheiden sich meist nicht nur durch Vokabular und Aussprache von den großen Sprachen. Sie beinhalten auch unbekannte grammatische Kategorien. In der Bora-Sprache zum Beispiel steht die Verbform in direktem Zusammenhang mit der Evidenz des Inhalts. Das heißt, hier ist an der Verbform erkennbar, wie der Sprecher den Wahrheitsgehalt einschätzt.

Relative Einsprachigkeit ist die Ausnahme

In Deutschland herrscht eine relative Einsprachigkeit. Das ist historisch betrachtet eine große Ausnahme. In den meisten Gesellschaften gab und gibt es noch heute mehrere Sprachen. Geht eine Sprache verloren, entstehen als Folge häufig soziale Probleme. Die kulturell dominanten Sprachen sprechen nicht mehr nur die Eliten, sondern sie dringen in alle Schichten der Gesellschaft vor.

Was gesellschaftlich verloren geht

Wenn die Sprache verloren geht, verlieren viele Menschen einen Teil ihrer traditionellen Identität. Die Folgen sind soziale Probleme, wie Alkoholsucht, Drogenkonsum und hohe Arbeitslosigkeit. Neben dem Wissen gehen auch wichtige Möglichkeiten verloren, seine Identität abzugrenzen oder zu finden.

Was zur Rettung beitragen kann

Zur Rettung bedrohter Sprachen dokumentieren Wissenschaftler heute diese Sprachen. Es entstehen Wörter- und Grammatikbücher, aus denen sich Unterrichtsmaterialien für Schulen erstellen lassen. Hilfreich könnte es sein, wenn in den betroffenen Gemeinschaften beispielsweise bilingualer Unterricht stattfindet. Allerdings macht der bilinguale Unterricht die Sprache nicht lebendiger. Dazu gehört auch die Kulturgüter zu pflegen.

Beispiel für ein gelungenes Programm

In Nordkanada, in den Dörfern der Dene-Indianer, haben Lehrer die Kinder in den ersten beiden Jahren nur in ihrer Muttersprache unterrichtet. Erst in der 3. Klasse begannen die Lehrer langsam Englisch zu lehren. Das hat dazu geführt, dass die Kinder ihre Leistungen in der Schule wesentlich verbessern konnten. Mithilfe des muttersprachlichen Unterrichts konnten die Kinder das schulische Konzept viel besser verstehen.

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