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Gesellschaft|Psychologie

Wie Hitzewellen der Wirtschaft schaden

Hitzewelle
Hitzewellen sind auch für die Wirtschat teuer. © Xurzon/ iSTock

Seit den 1990er Jahren haben Hitzewellen aufgrund des Klimawandels die Weltwirtschaft mehrere Billionen Dollar gekostet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die detaillierte Wirtschaftsdaten für Regionen weltweit mit Durchschnitts- und Extremtemperaturen in diesen Regionen in Beziehung gesetzt hat. Am stärksten betroffen sind dabei ausgerechnet die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Den Forschern zufolge werfen die Ergebnisse Fragen bezüglich globaler Gerechtigkeit auf und unterstreichen, wie wichtig Investitionen in Anpassungsmaßnahmen sind.

Der menschengemachte Klimawandel sorgt zunehmend für extreme Wetterereignisse. Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, dass Dürren, Überschwemmungen und Stürme gravierende wirtschaftliche Schäden verursachen, etwa indem sie Ernten vernichten und Gebäude zerstören. Eine der unmittelbarsten Auswirkungen des Klimawandels sind Hitzewellen. Studien zufolge steigen die Temperaturen an den jeweils heißesten Tagen des Jahres deutlich schneller und stärker an als die Durchschnittstemperaturen. Die wirtschaftlichen Schäden durch Hitzewellen wurden allerdings bisher wenig untersucht.

Große Schäden durch Hitzewellen

„Hitzewellen sind eine der direktesten und greifbarsten Auswirkungen des Klimawandels, die die Menschen spüren, und dennoch wurden sie nicht vollständig in unsere Bewertungen der Kosten des Klimawandels und der zukünftigen Kosten einbezogen“, sagt Christopher Callahan vom Dartmouth College in New Hampshire. Um diese Lücke zu schließen, hat er gemeinsam mit seinem Kollegen Justin Mankin Wirtschaftsdaten für Regionen weltweit mit Informationen über Hitzewellen kombiniert. Als Maß für die Hitzeintensität nutzten sie die Durchschnittstemperatur für die heißeste Fünf-Tage-Periode im Jahr für jede der analysierten Regionen.

Das Ergebnis: Zwischen 1992 und 2013 haben Hitzewellen weltweit wahrscheinlich wirtschaftliche Schäden in Höhe von fünf bis 29,3 Billionen Dollar verursacht. „Kritisch ist, dass warme tropische Regionen sowohl ein geringeres Einkommen haben als auch am stärksten unter den steigenden Extremtemperaturen leiden“, schreiben die Autoren. „Die Verluste belaufen sich auf 6,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und Jahr für Regionen mit dem niedrigsten Einkommen, aber nur 1,5 Prozent für Regionen im obersten Einkommenssegment.“

Unzureichende Anpassung

Die Hauptgründe für die Verluste sind die negativen Auswirkungen hoher Temperaturen auf die menschliche Gesundheit und Produktivität sowie auf die Landwirtschaft. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Menschen in der heutigen Zeit nur schlecht an extreme Hitze angepasst sind, selbst in Regionen, die an Wärme gewöhnt sind“, so Callahan und Mankin. Technische Anpassungen in Industrienationen umfassen beispielsweise die Installation von Klimaanlagen oder andere bauliche Maßnahmen. Zudem findet hier die meiste Arbeit ohnehin in Innenräumen statt.

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„In einkommensschwachen Regionen sind die Anpassungen in erster Linie verhaltensbedingt“, erklären die Autoren. „Dazu gehören das Ausruhen im Schatten, das Trinken von mehr Wasser und die Verlagerung auf Arbeiten, die nicht im Freien verrichtet werden, wenn dies möglich ist. Es gibt jedoch physiologische Schwellenwerte für extreme Hitzebelastung bei Menschen und in der Landwirtschaft, die die Wirksamkeit von Verhaltensanpassungen in Frage stellen.“ Wichtig seien daher gerade in den besonders betroffenen Regionen Investitionen in Anpassungsmaßnahmen, darunter beispielsweise öffentliche Kühlungssysteme und eine erweiterte Notfallversorgung für die heißesten Tage des Jahres. „Die Höhe der Ausgaben für Anpassungsmaßnahmen sollte nicht nur anhand des Preises dieser Maßnahmen bewertet werden, sondern im Vergleich zu den Kosten des Nichtstuns. Unsere Untersuchung zeigt, dass das Nichtstun einen erheblichen Preis hat“, so Callahan.

Fragen der Klimagerechtigkeit

Aus Sicht der Autoren wirft die aktuelle Studie auch Fragen der Klimagerechtigkeit auf. Denn gerade die wirtschaftlichen Kosten extremer Hitze, sowie die Kosten für erforderliche Anpassungsmaßnahmen, treffen vor allem jene Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Wohlhabende Regionen in Europa und Nordamerika dagegen, die durch ihre hohen Treibhausgasemissionen den Klimawandel befeuern, spüren bislang nur vergleichsweise geringe Auswirkungen. Einzelne sehr kühle Regionen haben bisher sogar wirtschaftlich leicht von der Klimaerwärmung profitiert.

„Wir haben eine Situation, in der die Menschen, die die globale Erwärmung und Veränderungen bei extremer Hitze verursachen, mehr Ressourcen haben, um diesen Veränderungen standzuhalten. In einigen seltenen Fällen profitieren sie sogar davon“, sagt Mankin. „Durch den Klimawandel findet ein massiver internationaler Wohlstandstransfer von den ärmsten Ländern der Welt zu den reichsten Ländern der Welt statt – und dieser Transfer muss rückgängig gemacht werden.“ Mit Blick auf die Gesamtwirtschaft brächte es der Analyse zufolge insgesamt den größten Nutzen, wenn reiche Länder ärmere dabei unterstützen, sich an die klimawandelbedingten Veränderungen anzupassen.

„Globale Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie haben gezeigt, wie eng die Lieferkette und die Weltwirtschaft miteinander verflochten sind“, so Mankin. „In einkommensschwachen Ländern arbeiten überproportional viele Menschen im Freien, die oft die für die globale Lieferkette so wichtigen Rohstoffe erzeugen – es besteht durchaus das Potenzial für Ausstrahlungseffekte nach oben.“

Quelle: Christopher Callahan (Dartmouth College, NH, USA) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.add3726

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