von CLAUDIA CHRISTINE WOLF
Stellen Sie sich vor, Sie frühstücken Milchfisch-Congee, einen taiwanesischen Reisbrei mit Meeresfrüchten. Oder Sie beginnen den Tag mit Katogo, einem ugandischen Eintopf aus Kochbananen, Bohnen, Fleisch oder Innereien. Das wäre sicherlich spannend zu probieren. Aber auf Dauer greifen Sie wahrscheinlich lieber zu Brötchen mit Käse oder Marmelade, Müsli oder Joghurt mit Obst. Wahrscheinlich haben Sie so etwas schon als Kind gegessen.
Essgewohnheiten entwickeln sich früh: „Die ersten 1.000 Tage sind entscheidend“, sagt Regina Ensenauer vom Max Rubner-Institut in Karlsruhe. Das Zeitfenster von Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres prägt den Geschmack und Stoffwechsel. Vor allem zu viel Fett und Zucker erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas, Fettleber und manche Krebsarten.
Von Beginn der Schwangerschaft an passt sich der Körper des Kindes an seine spätere Umwelt an. Fachleute sprechen von metabolischer Programmierung. Was die werdende Mutter isst, ob sie später stillt oder nicht, welche Beikost das Kind bekommt – all das hinterlässt Spuren: im Stoffwechsel, in Zellen und Organen. „Kinder entwickeln sich in der ersten Lebensphase anhand dessen, was sie angeboten bekommen“, sagt Ensenauer. „Das hilft ihnen, sich auf ihre Umwelt einzustellen.“ Eine spätere Umstellung kann schwierig sein.
Studien an Maus und Mensch
Viele Erkenntnisse zur Stoffwechselprägung stammen aus Mäusestudien. Hier können Forschende in kontrollierten Experimenten bestimmte Umweltbedingungen gezielt verändern und die Folgen untersuchen. In einem Experiment am Genzentrum der LMU München fütterte Ensenauer Mäuseweibchen mit hochkalorischem Futter, das sie dick machte, ließ sie trächtig werden und trennte die Nachkommen unmittelbar nach der Geburt von ihren übergewichtigen Müttern. Schlanke Ammen zogen sie auf, gefüttert wurde danach mit normalem Futter.
Zunächst blieb alles unauffällig. Doch im jungen Erwachsenenalter bekamen sie Probleme: Männliche Nachkommen entwickelten eine Fettleber, hatten zu viel Insulin im Blut und einen gestörten Leptin-Haushalt – „Hinweise in Richtung eines metabolischen Syndroms“, so Ensenauer. Die Mäuseweibchen litten unter gestörtem Zucker- und Fettstoffwechsel sowie einer Funktionsstörung des Fettgewebes. In einer zweiten Versuchsreihe bekamen dieselben Nachkommen nach der Stillzeit hochkalorisches Futter. Die Folge: „Bei den doppelt belasteten Mäusen explodierte die Fettmasse regelrecht.“ Davon betroffen waren beide Geschlechter – die weiblichen Tiere aber am stärksten. Wurden sie selbst trächtig, waren auch die Nachkommen im Mutterleib dem Übergewicht ausgesetzt. „Ein Teufelskreis“, so die Medizinerin.





