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Gesundheit+Medizin

Blutmarker für die Alzheimer-Prognose

Bluttest
Proteine im Blut können bei der Früherkennung von Alzheimer helfen. (Bild: busracavus/ iStock)

Der Nachweis von zwei Proteinen im Blut könnte dabei helfen vorherzusagen, wie hoch das Risiko eines Patienten ist, an Alzheimer zu erkranken. Das Protein P-tau181 deutet auf Ablagerungen im Gehirn hin, während das leichte Neurofilament (NfL) entsteht, wenn Nervenzellen sterben. Bereits bei Patienten mit geringfügigen kognitiven Problemen kann der Blutspiegel dieser beiden Proteine Aufschluss über die mögliche Entwicklung einer Demenz geben. Sollte sich die Methode in weiteren Studien als zuverlässig erweisen, könnte sie in Zukunft teure und invasive Frühtests auf Alzheimer ersetzen.

Weltweit leben etwa 50 Millionen Menschen mit einer Demenz. Die am meisten verbreitete Form ist Alzheimer. Dabei lagern sich Proteine im Gehirn ab, die nach und nach zum Absterben der Nervenzellen führen. Bisher gibt es noch keine Therapie, die Alzheimer heilen oder die Hirnschäden rückgängig machen kann. Eine möglichst frühe Erkennung könnte aber dabei helfen, den Fortschritt zu verlangsamen und entsprechende Medikamente zu testen. Bisher etablierte Frühtests erfordern jedoch entweder eine Untersuchung des Liquors, der per Lumbalpunktion aus dem Rückenmark entnommen wird, oder einen aufwendigen und teuren Hirnscan. Kosten, Aufwand und Risiken begrenzen den Einsatz solcher Frühtests. Weniger teure und invasive Frühtests hingegen wären daher sinnvoll.

Blutmarker ähnlich aussagekräftig wie Liquoruntersuchungen

Einen solchen Frühtest haben nun Forscher um Nicholas Cullen von der Lund Universität in Schweden entwickelt. Dazu nutzten sie die Daten von insgesamt 573 Patienten und erhoben sowohl den Spiegel verschiedener Proteine im Blut als auch die Ergebnisse von Liquoruntersuchungen. Nach zwei und vier Jahren werteten die Forscher aus, bei welchen Patienten in dieser Zeit Alzheimer aufgetreten war. Auf dieser Basis entwickelten sie Computermodelle, die anhand der Blutergebnisse das Alzheimer-Risiko prognostizieren.

Zwei Proteine identifizierten Cullen und seine Kollegen als besonders aussagekräftige Biomarker: Das Protein P-tau181, das darauf hindeutet, dass sich die für Alzheimer typischen Plaques im Gehirn bilden, sowie das leichte Neurofilament (NfL), ein Protein, das bereits als Marker für neuronale Schäden bekannt ist. Misst man diese beiden Proteine im Blut, berechnet das von den Forschern erstellte Computermodell das Alzheimerrisiko mit einer Präzision, die bislang nur auf Basis von Liquoruntersuchungen und Hirnscans möglich war – zwei deutlich teurere und für den Patienten unangenehmere Verfahren. „Obwohl die Bedeutung der Biomarker je nach Kontext und angestrebtem Anwendungsgebiet variieren kann, sind die Biomarker aus dem Blutplasma vielversprechend, da sie leicht verfügbar sind und die Untersuchung wenig kostet“, schreiben die Forscher.

Online-Tool sagt Alzheimer-Risiko voraus

Um ihre Ergebnisse zu veranschaulichen, bieten die Forscher ein Online-Tool an. Gibt man hier Alter und Geschlecht des Patienten sowie die Ergebnisse eines standardisierten Tests der kognitiven Fähigkeiten ein, zeigt das Tool an, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Patient innerhalb von zwei oder vier Jahren an Alzheimer erkranken wird. Präzisiert werden die Ergebnisse, wenn man außerdem beantwortet, ob P-tau181 und NfL im Blut nachgewiesen wurden. Nach Angaben der Forscher ist das von ihnen entwickelte Modell bei Eingabe aller erforderlichen Daten in 89 Prozent der Fälle in der Lage, Patienten, die eine Demenz entwickeln werden, korrekt zu erkennen (Sensitivität). In 88 Prozent der Fälle gelingt es, Patienten, die innerhalb der nächsten vier Jahre nicht an Alzheimer erkranken werden, korrekt zu identifizieren (Spezifität).

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Bislang dient das Online-Tool nur zu Lehr- und Forschungszwecken. Bevor es tatsächlich in die medizinische Diagnostik einbezogen werden kann, sind weitere Untersuchungen an größeren Patientengruppen erforderlich. „Diese Studie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem Bluttest für Alzheimer, aber es ist wichtig zu beachten, dass wir noch nicht angekommen sind“, kommentiert Tara Spires Jones, Professorin für Neurodegeneration an der University of Edinburgh, die nicht an der Studie beteiligt war.

Früherkennung zu Forschungszwecken

Der Demenzforscher Tom Dening von der University of Nottingham weist außerdem darauf hin, dass die entscheidende Frage bei der Früherkennung ist, ob diese in medizinischer oder sozialer Hinsicht einen Vorteil für die Patienten bedeutet. Schließlich stehen aktuell noch keine wirksamen Therapien gegen Alzheimer zur Verfügung und auch vorbeugende Maßnahmen können den kognitiven Verfall allenfalls verlangsamen. Bisher ist eine Früherkennung deshalb vor allem aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten hilfreich: Wenn sich Risikopatienten frühzeitig zuverlässig identifizieren lassen, können sie schon in einem frühen Krankheitsstadium in Studien aufgenommen werden und so dazu beitragen, zukünftige Möglichkeiten für Therapie und Prävention auszuloten.

„Die Hoffnung ist, dass Menschen eines Tages Routine-Checks ihres Alzheimer-Risikos haben und bei Bedarf direkt eine Behandlung bekommen, so wie es heutzutage beispielsweise bei zu hohen Cholesterinwerten geschieht“, sagt David Curtis vom University College London. „Solange es solche Therapien allerdings noch nicht gibt, sind solche Tests lediglich für Forschungszwecke nützlich.“

Quelle: Nicholas Cullen (Lund University, Malmö) et al., Nature aging, doi: 10.1038/s43587-020-00003-5

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