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Gesundheit+Medizin

Cyberkrank durch Bildschirmarbeit

Bildschirmarbeitsplatz
Bildschirmarbeit belastet den Körper auf vielfältige Weise. (Foto: Fotolia, Andrey Popov)
In den letzten Jahren hat die Digitalisierung Einzug in viele Bereiche unseres Lebens gefunden. Auch Berufe, in denen der Computer bislang kaum eine Rolle gespielt hat, kommen inzwischen kaum noch ohne aus. Längere Tätigkeiten vor dem Bildschirm sind eine besondere Belastung für unseren Körper. Verschiedene Studien belegen die unterschiedlichen Auswirkungen auf unseren Organismus. Welche Gesundheitsrisiken bringt die Bildschirmarbeit mit sich und wie können wir Beschwerden vorbeugen?

Nicht nur im Berufsleben, auch im privaten Bereich wirkt sich die Digitalisierung zunehmend auf unseren Alltag aus. Vor allem die digitalen Medien und vernetzten Anwendungen verändern viele unserer Gewohnheiten. Wie sich dies langfristig auf unsere Gesundheit auswirken wird, ist bislang kaum erforscht. Dennoch sind bereits einzelne Folgen zu beobachten.

Immer mehr Tätigkeiten verlagern sich vor den Computerbildschirm. Kommunikationswege verschieben sich immer häufiger in die virtuelle Welt – was früher selbst erledigt wurde, übernehmen heute Maschinen, die es zu programmieren, steuern und bedienen gilt. Dieser Wandel wirkt sich umfassend auf die vielfältigsten Tätigkeitsbereiche aus und verändert zahlreiche Arbeitsabläufe und damit auch Bewegungsmuster.

Arbeitsschutz durch die Bildschirmarbeitsverordnung

Der Gesetzgeber hat im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes bereits 1996 eine eigene Verordnung für die Arbeit am Bildschirm erlassen. Sie wurde 2016 durch Regelungen der gesetzlichen Arbeitsstättenverordnung abgelöst. Dabei sind neue Kriterien, die bislang nicht berücksichtigt wurden mit aufgenommen worden – unter anderem auch die psychische Belastung. Neben Vorgaben zu Mindeststandards bei der Ausstattung gibt es auch Hinweise zur entsprechenden Unterweisung von Beschäftigten.

Auswirkungen auf den Körper

Typische „Bürokrankheiten“ sind jedoch nichts Neues. Wie in jedem anderen Berufsfeld, können sich durch einseitige Belastung und spezielle Beanspruchungen auch gesundheitliche Beschwerden entwickeln. Durch die Digitalisierung wird Bildschirmarbeit in Zukunft noch mehr zunehmen. Dabei steht unser Körper großen Herausforderungen gegenüber.

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Herausforderung für den Haltungsapparat

Viele Tätigkeiten verlangen es dabei heute, dass der Großteil der Zeit vor einem oder mehreren Monitoren verbracht wird. Die Bildschirmarbeit wird dabei in der Regel im Sitzen ausgeführt. Auch wenn unser Körper dann augenscheinlich nicht stark gefordert wird, kann eine über längere Zeit statische oder falsche Haltung und die mangelnde Bewegung sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken.

Ergonomie am Computerarbeitsplatz

Rückenschmerzen, Verspannungen, Bandscheibenprobleme oder auch Durchblutungsstörungen sind die Folgen dieser einseitigen Tätigkeit. Hinzu kommt, dass die Arbeitsplätze nicht immer nach ergonomischen Gesichtspunkten gestaltet und eingerichtet werden. Nicht nur bei der technischen Ausrüstung, auch bei der Anordnung kann vieles falsch oder auch richtig gemacht werden:

  • Ein ergonomischer Stuhl ermöglicht es, Sitzhöhe, -tiefe, Arm- und Rückenlehnen individuell anzupassen. Der oder die Bildschirme sollten sich etwa auf Augenhöhe befinden (ständiges Neigen des Kopfes nach oben oder unten äußert sich häufig in einer Verspannung der Nackenmuskulatur). Ein Keilkissen zwingt automatisch zu einer aufrechteren (und gesünderen) Sitzposition.
  • Eine flexible Rückenlehne und eine flexible Sitzneigung passen sich den Bewegungen an und unterstützen dynamisches Sitzen. Die sogenannte Lumbal- oder Lordosenstütze sorgt für mehr Halt im Lendenwirbelbereich.
  • Ein Sitzball oder Kniestuhl sorgt zwar für Abwechslung beim Sitzen beziehungsweise einer gesunden Haltung, kann auf Dauer jedoch auch zu anstrengend werden.
  • Das Überschlagen der Beine beim Sitzen stört die Blutzirkulation und kann weitere Beschwerden nach sich ziehen.
  • Die Tastatur sollte nicht ganz vorne an der Tischkante liegen. Wenn die Handballen noch auf der Arbeitsfläche abgelegt werden können, sorgt dies für Entspannung für Schulter- und Nackenmuskulatur.
Ergonomischer Computerarbeitsplatz
So sieht ein ergonomischer Computerarbeitsplatz aus. (Grafik: Fotolia, anelluk)

Problempunkt Bewegungsmangel

Allein auf der Arbeit verbringen viele heutzutage acht Stunden oder mehr im Sitzen. Hinzu kommt möglicherweise noch die Hin- und Rückfahrt, die auf dem Auto-, Bus- oder Bahnsitz verbracht wird. Vom Feierabend vor dem Fernseher ganz zu schweigen. Den meisten Menschen fehlt bei solchen Tätigkeiten der notwendige Ausgleich durch Bewegung. Bei einem solch umfangreichen Sitzpensum reichen ein, zwei Stunden Sport in der Woche nicht aus.

Die Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hat jüngst eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass viele der heute 19-Jährigen ein ähnlich geringes Aktivitätslevel aufweisen wie 60-Jährige. Gerade gegen Ende der Teenagerzeit bewegen sich die Jugendlichen so wenig wie nie zuvor. Nicht zuletzt ist die zunehmende Beschäftigung vor dem Computer dafür verantwortlich.

Sind durch mangelnde Bewegung bereits Beschwerden aufgetreten, verschlimmern wir die Situation oft noch, indem wir eine „Schonhaltung“ einnehmen, die weitere Probleme nach sich zieht. Wird die Muskulatur zudem wenig gefordert, baut sie sich im Laufe der Zeit ab, was Haltungsschäden zur Folge haben kann.

Auswirkungen auf den gesamten Organismus

Problematisch ist hier auch, dass langes Sitzen und eine längere statische Haltung sich negativ auf die Durchblutung des gesamten Organismus auswirken. Besonders betroffen ist wieder einmal die Wirbelsäule. Bei wechselnden Haltungen oder auch beim Gehen wird diese immer wieder komprimiert und entspannt und somit besser versorgt.

Nicht nur auf die Wirbelsäule, Rücken, Nacken und Schultern hat das viele Sitzen negative Auswirkungen. Auch die Verdauung kann durch mangelnde Bewegung ins Stocken geraten. Bei einer statischen Haltung reduziert sich automatisch der Energieumsatz. Zusammen mit einer Fehlernährung können weitere Beschwerden und Krankheiten die Folge sein. Übergewicht und Bluthochdruck aufgrund mangelnder Bewegung stehen aber auch in Zusammenhang mit einem steigenden Alzheimer-Risiko, so eine Studie des National Institute on Aging in Baltimore.

Beispiele für einen dynamischeren Arbeitstag am Bildschirm

Es genügt nicht nur, einen ergonomischen Arbeitsplatz zur Verfügung zu haben, jeder kann mit seinem eigenen Verhalten auch zum gesünderen Arbeiten am Monitor beitragen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich bei einer Tätigkeit am Computer mehr zu bewegen:

  • Statt dem Telefonat zum Kollegen im Büro nebenan kann dieser auch kurz persönlich aufgesucht werden.
  • Steht das Telefon, der Mülleimer oder der Drucker nicht in unmittelbarer Reichweite, sorgt auch dies für häufigeres Aufstehen oder zumindest Strecken zwischendurch.
  • Steht ein Steharbeitsplatz zur Verfügung, ist dies eine optimale Möglichkeit um mehr Dynamik in den Alltag zu bekommen. Diese empfehlen sich vor allem zur Gruppennutzung. Sie fördern zudem die Durchblutung und sorgen so für mehr Energie und bessere Konzentration. Gerade kurze Meetings bieten sich dazu an, im Stehen abgehalten zu werden.
  • Ein Spaziergang in der Mittagspause sorgt für mehr Bewegung und kann den Stressabbau fördern. Die frische Luft wirkt sich ebenfalls positiv aus.

Belastung für die Augen

Auch unser Sehorgan wird durch Bildschirmarbeit besonders beansprucht. Der Vorgang des Sehens ist ein äußerst komplexer Prozess, der durch das Zusammenspiel mehrerer Komponenten erst möglich wird. Zwar ist das empfindliche Auge durch seinen speziellen Aufbau vor verschiedenen äußeren Einflüssen geschützt, dennoch kann sich die einseitige Belastung vor dem Monitor langfristig negativ auswirken.

Die häufig wechselnde Anpassung an Helligkeiten und ständigen Blickwechsel zwischen Tastatur und Bildschirm sind Schwerstarbeit für die Augen. Mehrere Tausend Pupillenreaktionen hat das Auge dann täglich zu bewältigen: Jedes Mal, wenn der Blick vom Monitor auf die Tastatur fällt – und wieder zurück, oder auch beim Pendeln zwischen verschiedenen Bildschirmen und Anwendungen. Erschwerend kann hinzukommen, dass viele Arbeitsplätze dabei nur unzureichend oder ungünstig beleuchtet sind.

Vielfältige Beschwerden möglich

Meist treten zunächst Beschwerden wie trockene Augen, Jucken der Schleimhäute aber auch ein Tränen der Augen, Kopfschmerzen oder Augenflimmern und eine verschwommene Sicht auf. All dies kann ein Anzeichen für eine Überbeanspruchung sein. Auf Dauer kann sich dadurch das Sehvermögen verschlechtern.

Nicht nur das Adaptionsvermögen (Anpassung an unterschiedliche Helligkeiten), auch das Akkommodationsvermögen (Anpassung an wechselnde Entfernung) kann davon betroffen sein. Ersteres zeigt sich in einer zunehmenden Nachtblindheit, bei Zweiterem kann sich eine Kurz- oder Weitsichtigkeit einstellen oder eine vorhandene Sehschwäche entscheidend verschlechtern.

Vorsorgemöglichkeiten nutzen

Im Rahmen der Arbeitsstättenverordnung haben Beschäftigte an Bildschirmarbeitsplätzen das Recht auf eine regelmäßige Augenuntersuchung (pdf). Dadurch ist es möglich, frühzeitig Beeinträchtigungen beim Sehvermögen zu erkennen. Beim Gespräch mit dem Arzt kann zudem nach Ursachen geforscht und gegebenenfalls Hinweise zu Verbesserungen am Arbeitsplatz ausgesprochen werden.

Bessere Bedingungen für die Augen schaffen

Auch hier gibt es verschiedene Maßnahmen, die bessere Ausgangsbedingungen schaffen oder vorhandene Schwächen oder Sehfehler ausgleichen können.

  • Die beste Möglichkeit, das Auge vor Ermüdung zu schützen ist Abwechslung. Bei häufiger wechselnden Tätigkeiten und „Sehaufgaben“ ist die Belastung geringer.
  • Durch richtiges Justieren des Monitors bei der Helligkeits- und Kontrastwiedergabe kann der Bildschirm augenfreundlicher eingestellt werden. Flimmerfreie LCD‑ Bildschirme strengen ebenfalls weniger an.
  • Der Augenabstand zum Monitor sollte mindestens 50, besser 70 Zentimeter betragen. Dies ist schonender für die Augen.
  • Auch die Schriftgröße sollte nicht zu klein gewählt werden.
  • Ein besonderes Augenmerk gilt der Beleuchtung des Arbeitsplatzes. So sollte vermieden werden, dass Spiegelungen oder Blendungen entstehen.
  • Indirektes Tageslicht ist als Lichtquelle für unsere Augen am angenehmsten – idealerweise von der Seite. Ansonsten kann indirektes, blendfreies und gleichmäßig helles Licht von der Decke für eine gute Grundbeleuchtung sorgen. Zur individuellen Beleuchtung – passend zu den persönlichen Voraussetzungen und den Gegebenheiten vor Ort – ist eine justierbare Leuchte direkt am Platz optimal.
  • Augenpausen oder spezielle Augengymnastik kann zwischendurch zu einer Erholung und Regeneration der Sehorgane beitragen.
  • Mit einer korrigierenden Lesebrille kann einer Verschlechterung des Sehvermögens vorgebeugt werden. Die passende Sehhilfe sorgt dafür, dass der gesunde Abstand zum Monitor weiterhin eingehalten werden kann. Sie wird auf die individuellen körperlichen Gegebenheiten angepasst. Neben der Sehstärke wir dabei auch der Augenabstand oder die vertikale Position der Augen berücksichtigt. Nur so können weitere Beschwerden möglichst ausgeschlossen werden.

Wer mit einem Laptop oder anderen mobilen Gerät arbeitet, sollte den jeweiligen Arbeitsplatz ebenfalls nach den oben genannten Kriterien auswählen oder gegebenenfalls passend einrichten und ausrüsten. Durch das kleine Format ist der Augenabstand bei der Beschäftigung mit einem Smartphone meist um einiges geringer. Bei längerer Nutzung am Stück ist auch dies eine besondere Belastung für die Augen.

Auswirkungen auf die Hände

Die Hände und Arme führen beim Arbeiten am Computer ebenfalls meist stets gleiche Bewegungen aus. Zwar kann eine ergonomische Tastatur oder Maus für ein angenehmeres Arbeiten und eine Entlastung der Muskeln, Sehnen und Bänder sorgen, dennoch sind auch hier zahlreiche negative Folgen bei übermäßiger Belastung bekannt.

Grund dafür ist, dass wir beim Bedienen der Maus Bewegungen ausführen die sonst kaum üblich sind und Muskeln beanspruchen, die selten genutzt werden. Erkrankungen sind unter den Bezeichnungen Maushand oder Mausarm bekannt. Der fachliche Überbegriff dazu lautet RSI-Syndrom (Repetitive Strain Injury) – also eine „Verletzung“ durch ständig wiederkehrende Belastung. Tatsächlich werden dabei neben einer Sehnenscheidenentzündung auch Mikroverletzungen am Gewebe der Hand oder des Unterarms diagnostiziert.

Es zeigen sich dabei zunächst bestimmte Anzeichen, die auf eine Überanstrengung hindeuten können. Häufig kalte Hände, ein Kribbeln in den Fingern oder gar ein Taubheitsgefühl – diese Symptome sollten ernst genommen werden. Als nächstes stellen sich dann meist schon Schmerzen ein, die von der Hand auch weiter in den Arm nach oben abstrahlen können.

Das Problem hierbei ist, dass eine Entzündung nicht durch kurze Ruhepausen oder Schonen der Hand wieder zurückgeht. Dies ist in der Regel eine längerfristige Angelegenheit, über einen Zeitraum mehrerer Tage sollte die Hand dann nicht belastet werden.

Um die Gesundheit der Hände und Arme bei der Arbeit am Computer zu erhalten können Lockerungs- und Dehnübungen sinnvoll sein. Sie sind simpel aber effektiv und können immer wieder zwischendurch ausgeführt werden:

  • Ballen der Hand zur Faust und anschließendes Strecken der Finger
  • Beugen der Faust in Richtung des Unterarms, anschließend in die entgegengesetzte Richtung
  • Auf- und Abbewegen aller Finger („Luftklavier spielen“)
  • „Ausschütteln“ der Hände und Arme

Neben einer ergonomischen Tastatur und Maus sorgt vor allem das Unterstützen des Handgelenks durch eine geeignete Auflage für eine gute Entlastung.

Auswirkungen auf die Psyche

Nicht weniger zu vernachlässigen, doch meist schwerer zu diagnostizieren sind negative Folgen für unsere psychische Gesundheit. Dabei sorgt die Digitalisierung für umfangreichere Veränderungen in der Arbeitswelt und damit auch für ganz neue Herausforderungen.

Neue Geschäftsmodelle, eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeit oder die Verschiebung von Arbeitsbereichen in digitale Abläufe – all dies fordert auch vom Menschen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Von einem Arbeitnehmer wird dabei große Flexibilität gefordert. In der digitalen Welt stehen Informationen rund um die Uhr zur Verfügung, automatisierte Arbeitsabläufe kennen ebenfalls keine Uhrzeit. Somit wird oft erwartet, dass der Mensch ebenfalls jederzeit einsatzbereit ist.

Steigende Anforderungen

Es ergeben sich umfangreichere und vielfältigere Kompetenzanforderungen, sowohl fachlich, als auch im sozialen Bereich. Die Befähigung effektiv zu kommunizieren wird immer wichtiger, ebenfalls sind hohe kognitive Fähigkeiten gefragt.

Für die Arbeitnehmer steigt vor allem der Druck, bei dem dynamischen Prozess mithalten zu können. In einer umfangreichen Studie der Universität St. Gallen zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen GFK zeigten sich hier aber Unterschiede bei der jüngeren und der älteren Generation. Während die Älteren dem Wandel eher zuversichtlich gegenüberstanden und sich dem Druck durch verschiedene Maßnahmen entziehen können, haben jüngere Arbeitnehmer eher Angst, ihren Arbeitsplatz im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung zu verlieren.

Dieser Druck und auch die veränderten Arbeitsgewohnheiten durch zunehmende Bildschirmarbeit können sich in unterschiedlichen Auswirkungen bemerkbar machen.

Bildschirmarbeit und psychische Erkrankungen

Die Vernetzung und hohe Technologisierung sorgt in vielen Berufsfeldern dazu, dass Arbeitsabläufe sich verschnellert haben. Dies zwingt oft auch den Menschen dazu, schneller zu arbeiten, sich schneller in Dinge einzuarbeiten, schneller Entscheidungen zu treffen und ein größeres Maß an Informationen zu verarbeiten. Dies führt nicht selten zu einer psychischen Überlastung, einer schlechten Work-Life-Balance und schließlich zur emotionalen Erschöpfung. Vielen gelingt es immer seltener, auch nach Feierabend abzuschalten und sich wirklich zu erholen.

Bereits 2002 untersuchte eine Studie an der Chiba-Universität in Japan über einem Zeitraum von drei Jahren die Zusammenhänge zwischen der Länge der Arbeitszeit am Computer mit verschiedenen psychischen Beeinträchtigungen. Ab einem täglichen Pensum von etwa fünf Stunden vor dem Bildschirm klagten die Befragten zunehmend über Schlafstörungen und fühlten sich ängstlich und depressiv. Aktuellere Erhebungen amerikanischer Universitäten und des schwedischen Gesundheitsministeriums, sowie der Universität Göteborg bestätigen diesen Zusammenhang.

Zahlreiche Auswirkungen

Dabei zeigen sich unterschiedliche Folgen:

  • Mangelnder Abbau von Stress: Immer mehr Menschen fühlen sich durch die zunehmende Computerarbeit gestresst. Neben den vielfältigen Belastungen trägt der Bewegungsmangel ebenfalls dazu bei, dass ein notwendiger Ausgleich fehlt.
  • Schlafstörungen: Die Bildschirmarbeit ist oft auch mit einer Reizüberflutung verbunden und zeigt sich häufig in Einschlafproblemen oder anderen Schlafstörungen.
  • Burn-Out und Depressionen: Viele fühlen sich durch lange Arbeitszeiten am Computer ausgebrannt und emotional erschöpft. Das Burn-Out Syndrom ist dabei meist die Folge einer komplexen Vorgeschichte und entwickelt sich über einen längeren Zeitraum.

Der Arbeitswissenschaftler Ralph Bruder erläutert in einem Interview, dass wir beim digitalen Wandel auch weitere Faktoren der Arbeitswelt entsprechend anpassen müssen, um gesundheitlichen Folgen und einer digitalen Erschöpfung vorzubeugen. Neben flexibleren Arbeitszeiten, die den notwendigen Ausgleich ermöglichen, könnte auch einer Reduzierung der Arbeitszeit für bessere Rahmenbedingungen sorgen.

Fazit

Wir können vor allem selbst durch unseren Umgang im Alltag bei der Bildschirmarbeit dazu beitragen gesund zu bleiben. Ergonomische Arbeitsplätze sind allerdings eine notwendige Voraussetzung dafür. Um einer psychischen Beeinträchtigung vorzubeugen gilt es, eine geeignete Balance zwischen digitaler Beschäftigung und Erholung und Bewegung zu etablieren. Abwechslung und Ausgleich, sowie ein achtsamer Umgang bei der Bildschirmarbeit können negativen Auswirkungen am besten vorbeugen.

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Re|haut  〈[ro] m. 6; Mal.〉 lichte, hervorgehobene Stelle (auf Gemälden) [frz.; zu haut ... mehr

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