Sie wimmeln in unserem Darm und helfen uns dort bei der Freisetzung von Nährstoffen aus der Nahrung. Doch die Bedeutung der menschlichen Darmbakterien geht weit über die Verdauung hinaus, wie die Forschung der letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt hat: Die Mikrobengemeinschaften beeinflussen unser Immunsystem, zahlreiche Stoffwechselprozesse und viele weitere gesundheitliche Parameter. Wissenschaftler beginnen gerade erst zu erfassen, wie erstaunlich komplex unser Körper mit seinen mikrobiellen Bewohnern verknüpft ist.
Mittlerweile ist klar, dass bestimmte Mikroben unter den zahlreichen Arten im Darm spezielle Effekte auf ihren menschlichen Wirt haben können. In diesem Zusammenhang ist das Bakterium Akkermansia muciniphila in den Fokus gerückt. Es zeichnete sich ab, dass die Häufigkeit dieser Mikrobe im Darm von Menschen mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck verknüpft ist. Versuche an Mäusen bestätigten dann, dass eine gezielte Behandlung mit den Bakterien in dieser Hinsicht positive Effekte hervorrufen kann. 2017 konnte das Team um Patrice Cani von der Katholischen Universität Louvain schließlich zeigen, dass die Bakterien für diesen Effekt offenbar nicht lebendig sein müssen: Die pasteurisierte Bakteriensubstanz konnte bei Mäusen die verschiedenen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar besonders effektiv senken.
Was bringt eine Behandlung beim Menschen?
Nun berichten Cani und seine Kollegen über die Ergebnisse der nächsten Phase der Erforschung des Potenzials von Akkermansia muciniphila. Die klinische Studie sollte die Durchführbarkeit, Verträglichkeit und Wirkung von Präparaten beim Menschen klären. Am Anfang stand dabei zunächst die erfolgreiche Entwicklung eines Produktionsverfahrens zur massenweisen Herstellung des Bakteriums. So waren die Forscher schließlich in der Lage, das Material für die Versuche bereitzustellen.
An der klinischen Pilotstudie nahmen 40 Freiwillige teil. Sie waren alle vom sogenannten metabolischen Syndrom betroffen, das als ein entscheidender Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt. Das metabolische Syndrom tritt vor allem in der westlichen Welt häufig auf und ist durch vier Aspekte gekennzeichnet: durch Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und durch Insulinresistenz – die wiederum mit einem Risiko für Diabetes Typ 2 verknüpft ist. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: Über drei Monate hinweg nahmen sie täglich entweder ein wirkungsloses Scheinpräparat (Placebo), lebende Bakterien oder die pasteurisierten Bakterien ein. Sie wurden außerdem gebeten, ihre Ernährungsgewohnheiten oder ihre körperliche Aktivität nicht zu ändern.





