Gegen gefährliche Bakterien gibt es Antibiotika – gegen viele Virus-Infektionen ist die Medizin dagegen nahezu machtlos. Das demonstriert auch die aktuelle Corona-Pandemie: Zwar können Medikamente wie Remdesivir oder Dexamethason schwere Verläufe von Covid-19 etwas abmildern oder verkürzen. Aber wirklich stoppen lässt sich die Infektion durch diese Mittel bislang nicht. Antikörper-Präparate wiederum haben zwar das Potenzial, das Immunsystem wirksam gegen Sars-CoV-2 oder andere virale Erreger zu unterstützen, sie sind aber hochspezifisch und sehr teuer. Der einzig wirksame Schutz gegen Covid-19 sind bislang Impfungen, doch diese sind nicht für alle Viren ähnlich schnell und leicht zu entwickeln – für einige von Viren verursachten Krankheiten gibt es bis heute weder Heilmittel noch Impfstoff.
DNA als Baumaterial
Einen neuen Ansatz gegen Viren haben nun Christian Sigl von der Technischen Universität München und seine Kollegen entwickelt. Ausgangspunkt dafür war die schon vor Jahrzehnten gemachte Entdeckung, dass sich unser Erbmaterial DNA hervorragend dazu eignen, robuste und vielseitige Nanokonstrukte herzustellen. Das Bindungsverhalten der DNA-Bausteine befähigt sie zur Selbstorganisation. Bei der Methode des DNA-Origami werden DNA-Stränge durch gezielte Modifikation dazu gebracht, sich selbstorganisiert zu den gewünschten Strukturen zusammenzufinden. Sigl und seine Kollegen fragten sich daher, ob man aus solchen DNA-Konstrukten nicht auch biomechanische Virenfallen konstruieren könnte. Würde man sie innen mit Virus-bindenden Molekülen auskleiden, könnte sie Viren fest an sich binden und damit aus dem Verkehr ziehen.
Dafür musste das Team aber zunächst DNA-Hohlkörper herstellen, die ausreichend große Öffnungen für die Viren aufweisen. “Keines der Objekte, die wir bis dato mit der Technologie des DNA-Origami gebaut hatten, wäre in der Lage gewesen, ein ganzes Virus sicher einschließen zu können – sie waren schlicht zu klein”, erklärt Sigls Kollege Hendrik Dietz. “Stabile Hohlkörper von dieser Größe zu bauen, war eine riesige Herausforderung.” Den Forscher fanden jedoch nach einigen Tests eine Möglichkeit, durch die sie verschieden große Ikosaeder aus DNA erzeugen können. Diese aus 20 Dreiecksflächen bestehenden Hohlkugeln sind ähnlich geformt wie die Kapside vieler Viren und aus Dreiecken aus DNA-Streben zusammengefügt. Indem Sigl und sein Team die Bindungsstellen an den Kanten der Dreiecke variieren, können sie nicht nur geschlossene Hohlkugeln, sondern auch Kugeln mit Öffnungen oder Halbschalen erzeugen. Diese können dann als Virenfallen verwendet werden.





