E-Zigaretten: Das Aroma macht das Gift - wissenschaft.de
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E-Zigaretten: Das Aroma macht das Gift

E-Zigarette
Wie schädlich ist das "Dampfen"? (Foto: Ljubaphoto/ istock)

E-Zigaretten gelten zwar als gesünder als herkömmliche Zigaretten. Doch auch die Verdampfer sind nicht völlig unbedenklich, wie sich in letzter Zeit zunehmend herausstellt. Untersuchungen an Zellkulturen zeigen nun: Wie sehr E-Zigaretten-Nutzer sich potenziell schaden, hängt auch von ihrem bevorzugten Liquid ab. Demnach kann die Toxizität der verdampften Flüssigkeit stark variieren – unter anderem je nach Geschmacksrichtung.

E-Zigaretten werden als Alternative zum herkömmlichen Glimmstängel immer beliebter. Das „Dampfen“ gilt als gesünder, weil dabei sehr viel weniger Schadstoffe entstehen als beim Tabakrauchen. Außerdem soll es beim Rauchen-Abgewöhnen helfen. Allerdings: Völlig harmlos sind auch die Verdampfer nicht. Studien zeigen, dass ihr Nikotinnebel potenziell schädliche Verbindungen enthalten kann – und womöglich sogar doch krebserregend ist. Wie genau sich der Konsum von E-Zigaretten auf die Gesundheit auswirkt, ist jedoch nach wie vor nicht abschließend geklärt. Das liegt unter anderem auch daran, dass sich die verdampften Flüssigkeiten in ihrer Zusammensetzung mitunter deutlich voneinander unterscheiden. Von den sogenannten Liquids gibt es tausende Varianten mit vielfältigen Geschmacksrichtungen im Handel – von Menthol über Vanille bis hin zu Kirsche und Käsekuchen.

Vanille und Zimt im Zwielicht

Wissenschaftler um Flori Sassano von der University of North Carolina in Chapel Hill haben 148 dieser Flüssigkeiten nun genauer unter die Lupe genommen. Sie wollten wissen: Wie toxisch sind die unterschiedlichen E-Liquids? Um das zu überprüfen, gaben sie die Flüssigkeiten auf menschliche Zellen und beobachteten, wie sich daraufhin deren Wachstum veränderte – je gehemmter die Wachstumsrate, desto giftiger die Substanz. Außerdem testeten sie die zwei Hauptbestandteile von E-Liquids, Propylenglykol und Glycerin, einzeln. Die Experimente offenbarten: Schon ohne den zusätzlichen Effekt durch Nikotin und Aromastoffe reduzierten kleine Dosen dieser zwei organischen Bestandteile das Wachstum der Zellen signifikant. Doch wie sieht es bei den auf dem Markt erhältlichen Flüssigkeiten inklusive Zusatzstoffen aus?

Hier zeigte sich: Viele der Liquids waren toxischer als Propylenglykol und Glycerin allein – wie sehr, das unterschied sich unter anderem je nach Geschmacksrichtung. „Die Inhaltsstoffe der E-Liquids sind sehr vielfältig und wir haben herausgefunden, dass manche dieser Flüssigkeiten nicht nur potenziell giftiger sind als Propylenglykol und Glycerin, sondern auch als reines Nikotin“, berichtet Sassanos Kollege und Seniorautor Robert Tarran. Dabei galt: Je mehr Inhaltsstoffe ein Liquid enthielt, desto toxischer war es in der Regel. Zwei häufig verwendete Aromastoffe schienen sich zudem besonders stark auf die Toxizität auszuwirken: Vanillin und Zimtaldehyd. „Je höher die Konzentration dieser Verbindungen, desto toxischer waren die E-Liquids im Tests“, sagt Sassano.

Datenbank bündelt Informationen

Experimente speziell mit Lungenzellen sowie mit Dampf statt dem flüssigen Liquid führten zu ähnlichen Ergebnissen, wie die Forscher berichten. Sie sind überzeugt, dass sich ihre toxikologische Methode als gutes Screening-Instrument für eine erste Risiko-Einschätzung bei unterschiedlichen E-Liquids eignet. „Unser Werkzeug ist schnell und verlässlich und wir wollen es künftig in einem größeren Umfang einsetzen“, sagt Sassano. „Sowohl die für die Regulierung zuständigen Behörden als auch die normale Bevölkerung sollten besser darüber informiert sein, welche Inhaltsstoffe die Flüssigkeiten enthalten und wie schädlich sie sein könnten.“ Forschungsergebnisse zu diesen Aspekten will das Team daher künftig in einer öffentlichen Datenbank im Internet zugänglich machen, unter http://www.eliquidinfo.org.

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Quelle: Flori Sassano (University of North Carolina, Chapel Hill) et al., PLOS Biology, doi: 10.1371/journal.pbio.2003904

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