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Gesundheit+Medizin

Ein Näschen für epileptische Anfälle

Die Hunde machen ihrem Ruf erneut Ehre. (Bild: Freder/iStock)

Das riecht nach Anfall! Hunde können einen spezifischen Geruch erkennen, der mit epileptischen Anfällen einhergeht, zeigt eine Studie. Aus diesem Ansatz könnte sich ein Frühwarnsystem für Epilepsie-Patienten entwickeln, hoffen die Forscher. Ob allerdings auch schon vor einem Anfall erschnüffelbare Geruchsstoffe entstehen, müssen weitere Untersuchungen erst zeigen. Es gibt allerdings bereits anekdotische Hinweise, wonach Hunde spüren können, dass ihre von Epilepsie betroffenen Halter bald einen Anfall erleiden werden.

Wenn mit dem menschlichen Körper etwas nicht stimmt, kann sich dies nicht nur in äußerlichen Symptomen zeigen, sondern auch durch die Entwicklung spezieller Geruchsstoffe. Seit der Antike haben Ärzte bei bestimmten Leiden auch ihre Nase zu Rate gezogen. Die moderne Medizin knüpft daran an. Mittlerweile ist bekannt, dass sich etwa bei bestimmten Krebserkrankungen, Diabetes oder sogar Malariainfektionen spezifische Geruchsstoffe bilden. Medizintechniker arbeiten bereits daran, sie durch „technische Nasen“ zu erfassen, doch bisher sind diese Geräte noch lange nicht so leistungsfähig wie das natürliche Vorbild: die Hundenase. Speziell trainierte Diagnose-Hunde haben bereits ihre Treffsicherheit bei der Erkennung von verschiedenen Erkrankungen wie Diabetes und Krebs unter Beweis gestellt.

Gibt es den Anfallsgeruch?

So kam die Frage auf, ob die Tiere auch einen spezifischen Geruch erfassen können, der mit epileptischen Anfällen verknüpft ist. Dies schien fraglich, weil Epilepsie nicht mit klaren Stoffwechsveränderungen verknüpft ist und es viele verschiedene Formen und Ursachen gibt. Letztlich führen sie aber alle zu einer Art Gewitter aus Nervenimpulsen im Gehirn, bei dem der Betroffene oft von Krämpfen geschüttelt wird und die Kontrolle verliert. Ob es einen Geruchsstoff gibt, der mit diesen epileptischen Anfällen generell verknüpft ist und von Hunden erfasst werden kann, haben die Forscher um Amélie Catala von der Université de Rennes nun untersucht.

Im Rahmen der Studie kamen fünf Hunde zum Einsatz, die bereits als medizinische Spürhunde zur Erkennung anderer Krankheiten im Einsatz waren. Zunächst wurde den Tieren beigebracht, den Geruch von Epilepsie-Patienten bei einem Anfall mit einer Belohnung zu verknüpfen. Konkret heißt das: Die Tiere lernten zu einem Behälter zu gehen, in dem ein Tupfer liegt, mit dem zuvor der Schweiß eines Patienten bei einem Anfall aufgenommen worden war. Den Fund zeigt der Hund an, indem er bei dem Behälter kurz verharrt. Wenn er alles richtig gemacht hat, bekommt er schließlich einen Leckerbissen.

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Nach diesem Vortraining folgten die eigentlichen Tests: Dazu wurden die Tiere jeweils mit sieben Behältern konfrontiert. In diesen lagen von Epilepsie-Patienten bereitgestellte Geruchsproben. Bei nur einer handelte es sich um eine Probe, die im Zusammenhang mit einem Anfall genommen worden war. In den anderen Behältern befanden sich hingegen Geruchsproben des gleichen Patienten, die von Alltagssituationen oder sportlichen Aktivitäten stammten. Bereitgestellt wurden sie von insgesamt neun Epileptikern, deren Erkrankung unterschiedliche Formen und Ursachen aufwies. Jeder der fünf Hunde sollte also neun Mal aus den sieben Behältern denjenigen mit der Anfall-Probe heraus-schnüffeln.

Erkannt!

Ergebnis: Alle Hunde konnten den Anfallsgeruch tatsächlich von den Kontrollen unterscheiden. „Die erzielte Empfindlichkeit und die Spezifität gehören zu den höchsten, die bisher bei der Erkennung von Krankheiten mit diesem System gezeigt worden sind“, konstatieren die Forscher. Aus den Ergebnissen geht somit hervor, dass die Anfälle trotz der Vielfalt der Formen von Epilepsie mit bestimmten gemeinsamen Geruchsmerkmalen verbunden sind.

Allerdings gilt es nun zu klären, ob die Geruchsstoffe auch schon vor und nicht erst bei einem Anfall entstehen. Wie die Forscher berichten, gibt es bereits Hinweise darauf, dass das der Fall ist. „Berichten zufolge gibt es Hunde, die ihre Besitzer durch spezielles Verhalten auf einen bevorstehenden Anfall aufmerksam machen“, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings ist bisher nicht auszuschließen, dass die Wahrnehmung der Tiere dabei auf anderen Anzeichen als dem Geruch basiert. Beispielsweise könnten sie auch subtile Verhaltensänderungen ihrer Besitzer mit dem bevorstehenden Stresszustand verknüpfen.

Falls sich nun aber zeigt, dass tatsächlich der Geruch einen nahenden Anfall ankündigen kann, zeichnet sich Potenzial zur Entwicklung eines Frühwarnsystems ab, sagen die Wissenschaftler. Im Fall von Epilepsie wäre dies besonders hilfreich, da die Betroffenen bei einem Anfall Gefahr laufen, sich zu verletzen. Konkret besteht also die Hoffnung darin: Trainierte Hunde oder aber technische Spürnasen könnten Epilepsie-Patienten die Botschaft vermitteln: „Achtung, da kündigt sich ein Anfall an!“ So wären sie in der Lage, sich entsprechend vorzubereiten.

Quelle: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-019-40721-4

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