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Medizin-Nobelpreis

Entdecker des Hepatitis-C-Virus ausgezeichnet

Hepatits C
Das Hepatitis-C-Virus verursacht schleichende Leberschäden. (Bild: Dr Microbe/ iStock)

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht – passend zur Corona-Pandemie – an drei Virenentdecker. Ausgezeichnet werden die Mediziner Harvey Alter, Michael Houghton und Charles Rice für die Entdeckung des viralen Erregers der Hepatitis C. Dieses über Blut und Körperflüssigkeiten übertragbare Virus verursacht neben A und B die dritte Form der Hepatitis und ist weltweit für Millionen Erkrankungen und Todesfälle verantwortlich. Erst die Entdeckung des Erregers ermöglichte gezielte Bluttests und die Entwicklung eines Heilmittels. „Sie ist ein bahnbrechender Meilenstein im anhaltenden Kampf gegen virale Erkrankungen“, so das Nobelpreiskomitee.

Die virale Hepatitis ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten weltweit: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leben mehr als 325 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-Infektion. Allein mit Hepatitis C stecken sich jedes Jahr 1,7 Millionen Menschen neu an. Das Fatale daran: Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündungen und zerstören im Laufe der Zeit das Lebergewebe. Dadurch können Leberzirrhosen und Leberkrebs entstehen – und zum Tode führen. Heute kennen Mediziner fünf verschiedene Viren, die Hepatitis verursachen können. Das war jedoch lange nicht der Fall. Bis in die 1960er Jahre hinein waren nur zwei Formen bekannt: Das über kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel übertragene Hepatitis-A-Virus sowie das über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragene Hepatitis-B-Virus.

Es muss noch einen dritten Erreger geben…

Doch es gab einen großen Anteil von Hepatitis-Erkrankungen, die nicht auf einen dieser beiden bekannten Erreger zurückzuführen waren – das stellte auch Harvey Alter fest, der in den 1960er Jahren an den US-National Institutes of Health arbeitete. Nach Tests auf Hepatitis A und B blieben in den von ihm untersuchten Patienten-Blutproben noch immer viele Fälle von Leberentzündungen übrig, für die es keine Erklärung gab. Alter und sein Team beschlossen, die Probe aufs Exempel zu machen: Sie nahmen Blut dieser ungeklärten Fälle und übertrugen es an Schimpansen – diese Menschenaffen können wie wir an Hepatitis erkranken. Und tatsächlich wurden die Affen daraufhin krank. Damit war klar, dass das Blut einen noch unbekannten Erreger enthalten musste. Nähere Untersuchungen – unter anderem durch vorherige Filtration der verabreichten Proben – ergaben, dass es sich um ein Virus handeln musste.

Den zweiten Schritt in der Fahndung nach dem Erreger unternahm der Brite Michael Houghton, der damals an der University of Alberta in Kanada forschte. Er fahndete im Blut der infizierten Schimpansen zunächst nach DNA-Stücken, deren Signatur von einem Virus stammen könnte. Dafür isolierten Houghton und sein Team Antikörper aus dem Blut infizierter Hepatitis-Patienten und ließen sie mit den isolierten DNA-Fragmenten reagieren. Es gab einen Treffer: Die Antikörper banden an eines der Erbgutstücke. Nähere Analysen ergaben, dass dieses DNA-Stück zwar von den Zellen des Affen produziert worden war, dass seine „Schablone“ aber das Erbgut eines RNA-Virus war. Demnach handelte es sich bei dem gesuchten Erreger um ein einzelsträngiges RNA-Virus mit positiver Polarität – wie das Coronavirus SARS-CoV-2, das Zika-Virus, das FSME-Virus oder das Denguevirus. Houghton und seine Kollegen grenzten den Erreger zudem als Angehörigen der Flaviviren ein.

„Meilenstein im Kampf gegen Viren“

Den letzten Schritt schließlich leistete Charles Rice von der Washington University St.Louis. Denn auch wenn nun klar war, dass es offenbar ein drittes Hepatitis-Virus gab, stand der Beweis noch aus, dass dieser Erreger auch wirklich die bei den Patienten beobachteten Leberentzündungen und -schäden verursachte. Um das zu prüfen, erzeugte Rice eine spezielle Variante des neuen Hepatitis-C-Virus und injizierte dieses in Reinform in die Leber von Schimpansen. Es zeigte sich, dass die Tiere daraufhin die gleichen krankhaften Veränderungen ihres Lebergewebes entwickelten, wie die menschlichen Patienten mit einer chronischen Hepatitis C. Auch im Blut fanden sich die gleichen Biomarker. Damit war endgültig bewiesen, dass tatsächlich das neuentdeckte Hepatitis C-Virus der Erreger der Millionen zuvor unerklärten Hepatitis-Fälle sein musste.

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Erst diese Entdeckung des Hepatitis-C-Virus machte es möglich, Bluttests zu entwickeln, die seither eine unwissentliche Übertragung bei Bluttransfusionen verhindert. Zudem wurden seither antivirale Medikamente entwickelt, die die Virenkrankheit eindämmen und schwere Leberschäden verhindern können. „Die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus durch die drei Nobelpreisträger ist ein Meilenstein im anhaltenden Kampf gegen virale Erkrankungen“, konstatiert das Nobelpreiskomitee. „Durch sie kann Hepatitis C nun geheilt werden und das weckt Hoffnung darauf, dieses Virus ganz aus der Bevölkerung zu tilgen.“

Quelle: Nobelprize.org

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