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Fastfood macht Immunsystem aggressiver

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Fastfood versetzt unser Immunsystem in einen Alarmzustand – und das anhaltend. (Foto: Zeljkosantrac/ iStock)
Fastfood ist ungesund – das ist nicht neu. Jetzt aber haben Forscher eine bisher unbekannte „Nebenwirkung“ ungesunden Essens auf das Immunsystem entdeckt: Die Körperabwehr reagiert auf eine fett- und kalorienreiche Kost ähnlich wie auf eine bakterielle Infektion und löst eine Art dauerhaften Alarmzustand aus. Dadurch reagiert die Abwehr schon bei kleinen Anlässen mit starken Entzündungsreaktionen – und das kann langfristig Gefäßkrankheiten und sogar Diabetes fördern.

Unsere Ernährung beeinflusst weit mehr als nur unser Körpergewicht. So kann eine ungesunde Ernährung mit viel Fett, Zucker und Salz und wenigen Ballaststoffen langfristig unseren Stoffwechsel erheblich durcheinanderbringen. Durch ständiges Fastfood-Essen verändert sich zudem die Darmflora, das Diabetes-Risiko steigt und auch die Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Jugendlichen kann eine zu fettreiche Nahrung sogar die geistige Entwicklung beeinträchtigen, wie Studien zeigen. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass eine ungesunde Ernährung in der Schwangerschaft das spätere Asthma- und Allergierisiko des Kindes erhöhen.

Anhaltender Alarmzustand

Eine weitere Wirkung von Fastfood auf unsere Gesundheit haben nun Anette Christ von der Universität Bonn und ihre Kollegen entdeckt. Demnach scheint ungesunde Ernährung das Immunsystem förmlich umzuprogrammieren. Für ihre Studie hatten sie Mäuse einen Monat lang auf eine sogenannte westliche Diät gesetzt: viel Fett, viel Zucker, wenig Ballaststoffe. Dann untersuchten die Forscher den Zustand des Immunsystems anhand bestimmter Botenstoffe und Zellen. Das Ergebnis: Die Tiere hatten eine massive körperweite Entzündung entwickelt – fast wie nach einer Infektion durch gefährliche Bakterien. „Die ungesunde Diät hat zu einem unerwarteten Anstieg einiger Immunzellen im Blut geführt“, berichtet Christ. Diese Veränderungen sprechen dafür, dass die Körperabwehr der Mäuse durch die ungesunde Kost aggressiver wurde.

Um diese Veränderungen besser zu verstehen, isolierten die Wissenschaftler die Vorläuferzellen von Immunzellen aus dem Knochenmark dieser Mäuse und führten eine systematische Analyse ihrer Funktion und ihres Aktivierungsstatus durch. „Die genomischen Untersuchungen zeigten tatsächlich, dass in den Vorläuferzellen durch die westliche Diät eine große Anzahl von Genen aktiviert wurde“, berichtet Christs Kollege Joachim Schultze. „Betroffen waren unter anderem Erbanlagen für ihre Vermehrung und Reifung. Fastfood führt demnach dazu, dass der Körper rasch eine riesige schlagkräftige Kampftruppe rekrutiert.“ Und dieser Alarmzustand blieb selbst nach einer Umstellung der Mäuse auf normale Kost erhalten: Die akute Entzündung verschwand zwar, nicht aber die genetische Reprogrammierung der Immunzellen, wie die Forscher berichten.

Immunzellen mit Gedächtnis

„Wir wissen erst seit kurzem, dass das angeborene Immunsystem über ein Gedächtnis verfügt“, erklärt Seniorautor Eicke Latz von der Universität Bonn. „Nach einer Infektion bleibt die Körperabwehr in einer Art Alarmzustand, um dann schneller auf einen neuen Angriff reagieren zu können.“ Wie sich jetzt zeigt, scheint dieser auch als „innate immune training“ bezeichnete Prozess nicht nur durch Krankheitserreger aktiviert zu werden, sondern auch durch ungesunde Ernährung. Entscheidend dafür ist offenbar eine Art „Fastfood-Sensor“ der Immunzellen, wie Untersuchungen mit menschlichen Probanden ergaben. In deren Blut fanden die Forscher Sensoren des angeborenen Immunsystems, sogenannte Inflammasome, die durch bestimmte Nahrungsmittel-Inhaltsstoffe aktiviert werden. In der Folge setzen die Zellen hoch entzündliche Botenstoffe frei und bewirken epigenetische Veränderungen am Erbgut – Teile der DNA werden dadurch aktiviert oder deaktiviert.
„Das Immunsystem reagiert dadurch schon auf kleine Reize mit stärkeren Entzündungsantworten“, erklärt Latz.

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Nach Ansicht der Wissenschaftler demonstrieren ihre Ergebnisse, dass eine Fehlernährung durchaus dramatische Konsequenzen haben kann. Denn der Alarmzustand der Immunabwehr und die ständigen Entzündungsreaktionen können die Entstehung von Gefäßkrankheiten oder auch Typ 2-Diabetes drastisch beschleunigen. So trägt die Entzündungsreaktion bei Arteriosklerose direkt zum Wachstum der Gefäßablagerungen bei, weil stetig neue aktivierte Immunzellen in die veränderten Gefäßwände einwandern. Zusammen mit Lipiden lagern sie sich dort ab und bilden die Plaques. Diese wiederum können zu Aderverstopfungen führen und so Schlaganfälle und Herzinfarkte auslösen.

„Diese Erkenntnisse haben daher eine enorme gesellschaftliche Relevanz“, sagt Latz. Seiner Meinung nach müssten daher schon die Kinder in der Schule besser über eine gesunde Ernährung informiert werden. „Kinder haben jeden Tag die Wahl, was sie essen. Wir sollten ihnen ermöglichen, bei ihrer Ernährung eine bewusste Entscheidung zu treffen“, so der Forscher.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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