Heilwunder Mund - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Heilwunder Mund

Im Mund heilen Wunden besonders schnell. (Foto: 4FR/ istock)

Der Mund ist ein wahres Heilwunder: Kommt es hier zu Verletzungen, erneuert sich die betroffene Schleimhaut erstaunlich schnell. Doch warum heilen Wunden im Mund so viel besser als an anderen Stellen des Körpers? Genau das haben Forscher nun herausgefunden. Demnach werden bestimmte Gene in dieser Umgebung offenbar anders abgelesen als im normalen Hautgewebe – und das beschleunigt die Wundheilung. In Zukunft könnte diese Erkenntnis zu besseren Behandlungsmöglichkeiten von Menschen mit chronischen und nur schwer heilenden Wunden führen, so die Hoffnung.

Ob ein kleiner Kratzer oder eine größere Operationswunde: Wird unser Körper verletzt, setzt bereits nach wenigen Minuten ein erstaunlicher Vorgang ein. Ein Reparaturtrupp aus unterschiedlichen Zellen wandert in das Gewebe ein und sorgt dafür, dass sich die verletzten Bereiche langsam wieder verschließen – die Wunde heilt. Besonders gut funktioniert dieser Prozess im Mund. Offene Stellen verheilen dort so schnell und so gut, dass Wissenschaftler den Mund als Idealtypus der Wundheilung betrachten. Im Gegensatz dazu verschließen sich Wunden auf der Haut manchmal nur sehr langsam oder bilden unschönes Narbengewebe statt makellosen Ersatz. Was also verleiht der Mundschleimhaut diese außergewöhnliche Regenerationsfähigkeit?

Verletzen für die Wissenschaft

Wundheilung im Vergleich (Foto: Iglesias-Bartolome et al., Science Trans. Med.)

Um dieses Rätsel zu lösen, haben sich Forscher um Ramiro Iglesias-Bartolome vom National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases in Bethesda beide Vorgänge nun genauer angesehen. Sie wollten wissen: Wie unterscheidet sich die Wundheilung im Mund von der auf der Haut? Dafür rekrutierten sie 30 gesunde Freiwillige und fügten ihnen kleine Wunden im Mund und am Arm zu. Im Laufe der nächsten sechs Tage beobachteten sie dann, was mit den Wunden passierte und nahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten Gewebeproben von den entsprechenden Stellen. Wie erwartet zeigte sich: Die oralen Wunden heilten im Vergleich deutlich schneller. Bereits nach drei Tagen hatte sich das Plattenepithel der Schleimhaut nahezu vollständig erneuert, wohingegen die Hautwunden selbst nach sechs Tagen noch deutlich sichtbar waren.

RNA- und Molekularanalysen der Gewebeproben offenbarten schließlich den Grund dafür. Demnach zeigten die Zellen im Mund andere Genexpressionsmuster als jene aus der Haut. Wie die Forscher feststellten, wurden in der Schleimhaut vermehrt die Transkriptionsfaktoren SOX2, PITX1 und PITX2 exprimiert. Solche DNA-bindenden Proteine können beeinflussen, ob und wie stark bestimmte Gene abgelesen werden. Diese Hochregulierung führte im Mund der Probanden unter anderem dazu, dass die Keratin-bildenden Keratinozyten im Gewebe aktiver waren, antimikrobielle Abwehrmechanismen angekurbelt wurden und die Wunde im Endeffekt schneller heilte. Dabei ähnelte das Transkriptionsprofil im Mund interessanterweise jenem in der Haut von Schuppenflechte-Patienten, wie Iglesias-Bartolome und seine Kollegen berichten. Bei Betroffenen dieser Hautkrankheit kommt es zu einer Art überschießenden Wundheilung.

Bessere Wundheilung dank Gentherapie?

Die neuen Erkenntnisse könnten eines Tages zu besseren Behandlungsmöglichkeiten von Menschen mit schweren Wunden führen. So zeigten weitere Experimente: Wurden Mäuse mithilfe gentechnischer Methoden so verändert, dass in der äußersten Schicht ihrer Haut der Transkriptionsfaktor SOX2 übermäßig aktiv war, heilten Hautwunden bei ihnen schneller als bei Kontrolltieren. „Unsere Arbeit trägt zu einem besseren Verständnis der Biologie der Wundheilung in unterschiedlichen Umgebungen bei und liefert womöglich neue Ansätze für die Therapie chronischer und nicht-heilender Wunden“, schließt das Team.

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Quelle: Ramiro Iglesias-Bartolome (National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases, Bethesda) et al., Science Translational Medicine, doi: 10.1126/scitranslmed.aap8798

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