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Gesundheit+Medizin

Herzmuskelentzündung als Spätfolge nach Covid-19

Coronavirus
Das Coronavirus kann verschiedene Organe angreifen. (Bild: leestat/ iStock)

Nach einem guten halben Jahr des Kampfes gegen das Coronavirus und Covid-19 zeigt sich mehr und mehr, wie vielfältig die von Sars-CoV-2 im Körper angerichteten Schäden sein können. Jetzt berichten Mediziner, dass die Infektion auch am Herzen Spätfolgen verursachen kann. Sie haben bei zwei jungen Männern mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung noch Wochen nach der Infektion Sars-CoV-2 im Herzgewebe nachgewiesen, obwohl im Rachen der beiden kein Virus mehr nachweisbar war. Beide Patienten hatten zuvor einen eher milden Verlauf von Covid-19 durchlebt, ohne dass dies diagnostiziert worden war. Nach Ansicht der Mediziner legt dies nahe, dass auch das Herz noch nach der akuten Infektion in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Typischerweise manifestiert sich eine schwere Coronavirus-Infektion durch Fieber, Atemnot und Lungenentzündung. Aber auch andere Organe wie die Nieren, der Darm oder auch das Nervensystem können durch Sars-CoV-2 und die von dem Virus ausgelöste Immunreaktion angegriffen und geschädigt werden. Schon kurz nach Ausbruch der Pandemie berichteten Mediziner zudem darüber, dass im Zuge von Covid-19 auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden kann: Sowohl in China wie auch in Norditalien gab es vermehrt Fälle von Covid-19-Patienten mit Hinweisen auf eine Schädigung und Entzündung des Herzmuskels. Bei ihnen war unter anderem ein Biomarker im Blut erhöht, der von zerstörten und sterbenden Herzmuskelzellen freigesetzt wird. Dies trat bei einigen Betroffenen auch dann auf, wenn diese kaum typische Covid-Symptome zeigten. Vor kurzem haben Forscher bei einigen betroffenen Covid-Patienten das Coronavirus auch direkt in Gewebeproben des Herzmuskels nachgewiesen. Seither scheint klar, dass die Virusinfektion auch das Herz angreifen kann. Auf welchem Wege dies geschieht, ist allerdings noch unklar.

Herzmuskelentzündung Wochen nach der Infektion

Jetzt legen erste Fallberichte nahe, dass solche Herzschäden und Herzmuskelentzündungen auch noch mehrere Wochen nach der akuten Virusinfektion auftreten können. Zwei dieser Fälle haben Forscher um Philip Wenzel von der Universitätsmedizin Mainz näher untersucht. Es handelt sich um zwei Männer im jüngeren Alter, die mit Verdacht auf eine akute Herzmuskelentzündung eingeliefert wurden. „Die Patienten waren unter 40 Jahre alt, körperlich aktiv, im Nasen-Rachenabstrich negativ für SARS-CoV-2 und hatten etwa vier Wochen vor der Aufnahme bei uns einen schweren grippeähnlichen Infekt gehabt“, berichtet Wenzel. Dies ließ vermuten, dass die beiden Männer damals unerkannt eine Covid-19-Erkrankung durchlebt hatten. Zum Zeitpunkt der Einlieferung war das Coronavirus über die üblichen Rachenabstriche aber nicht mehr nachweisbar, wie die Mediziner berichten.

Nähere Untersuchungen und eine Biopsie des Herzmuskels bestätigten dann, dass beide Männer an einer Herzmuskelentzündung litten. In ihrem Herzgewebe waren zahlreiche Abwehrzellen sowie Entzündungszeichen nachweisbar. Als die Forscher das entnommene Herzgewebe einem Virustest mittels PCR unterzogen, war das Ergebnis positiv: Bei beiden Patienten war Sars-CoV-2 im Herzmuskel nachweisbar. „Das besondere bei unseren Fällen war, dass das Virus durch Myokardbiopsie im Herzmuskel auffindbar ist, auch wenn die eigentliche Covid-19-Erkrankung bereits durchgemacht wurde oder einen harmlosen Verlauf hatte“, erklärt Wenzel. „Erst nach einer klinisch unauffälligen Latenzzeit kamen die Patienten mit dem klinischen Verdacht einer Herzmuskelentzündung zu uns.“

Auch junge Menschen sind nicht vor Spätfolgen gefeit

Nach Angaben der Wissenschaftler ist dies der erste Nachweis, dass das Coronavirus auch nach überstandener Covid-19-Erkrankung noch im Herzen präsent sein kann und dort möglicherweise Schäden und Entzündungen verursacht. „Ob es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Entstehen der Herzmuskelentzündung und der Sars-CoV-2 Präsenz im Herzmuskel gibt, etwa durch anhaltende Vermehrung im Gewebe, ist noch nicht bekannt“, sagt Wenzel. Ähnliche Fälle von nachfolgender Myocarditis kenne man aber auch von einigen anderen viralen Erkrankungen. Gleichzeitig bestätigen diese Fallberichte, dass eine Infektion mit dem Coronavirus verschiedene Spätfolgen nach sich ziehen kann, deren Art und Ausmaß bislang erst in Teilen bekannt sind. So gibt es vermehrt Berichte über verzögert einsetzende neuronale Ausfallerscheinungen, Hautausschläge und andere Komplikationen nach bereits überstandener Infektion.

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„Unsere Ergebnisse unterstreichen aber auch, dass selbst für junge und körperlich aktive Menschen ein Risiko besteht, solche Herzerkrankungen zu entwickeln“, betonen Wenzel und seine Kollegen. Beide von ihnen untersuchten Patienten waren unter 40 Jahre alt und einer von beiden war aktiver Fußballer und Radfahrer. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die kardiovaskulären Beteiligungen von COVID-19 enorm wichtig sein können und aufmerksam behandelt und nachgesorgt werden müssen“, sagt Wenzels Kollege Thomas Münzel.

Quelle: Philip Wenzel (Universitätsmedizin Mainz) et al., Cardiovascular Research, doi: 10.1093/cvr/cvaa160)
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