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Höhere Samenqualität durch Cannabis?

Wie wirkt sich Cannabiskonsum auf die männliche Fruchtbarkeit aus? (Bild: Cabezonication/iStock)

Überraschendes Studienergebnis: Männer, die gelegentlich Marihuana rauchen oder dies früher einmal getan haben, besitzen eine erhöhte Spermienkonzentration und vergleichsweise hohe Testosteronwerte, berichten Forscher. Sie warnen allerdings vor vorschnellen Schlussfolgerungen: Weitere Studien müssen erst die Bedeutung des Ergebnisses klären sowie bestätigen, dass die Ursache des Effekts tatsachlich der Cannabiskonsum ist und es sich nicht um eine statistische Scheinkausalität handelt.

Wie wirkt sich Cannabiskonsum auf die Gesundheit aus? Im Rahmen der Diskussion über die Legalisierung der weitverbreiteten Droge gewinnt diese Frage zunehmend an Bedeutung. Ein Aspekt dabei ist die mögliche Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Denn es ist bekannt, dass das menschliche Endocannabinoid-System – das auf den Wirkstoff des Cannabis reagiert – auch mit der Spermienproduktion verknüpft ist. Bisherige Studien hatten in diesem Zusammenhang nahegelegt, dass Cannabiskonsum die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte, indem es die Samenqualität senkt.

Diese Untersuchungen wurden allerdings meist bei Männern durchgeführt, die ausgesprochen viel Cannabis konsumierten beziehungsweise generell zu Drogenmissbrauch neigten. In der aktuellen Studie sind die Forscher um Feiby Nassan von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston dem möglichen Zusammenhang nun hingegen bei moderaten Konsumenten nachgegangen.

Erhöhte Spermienkonzentration festgestellt

Dazu werteten die Wissenschaftler Daten von 662 Männern mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren aus. Diese hatten den Forschern Samen- sowie Blutproben für die Untersuchung der Spermaqualität sowie des Hormonniveaus zur Verfügung gestellt. Zur Erfassung des Marihuanakonsums verwendeten die Forscher einen Fragebogen: Die Studienteilnehmer sollten Angaben über ihren aktuellen oder früheren Gebrauch der Droge machen. 297 Männer gaben dabei an, nie Marihuana geraucht zu haben, 365 berichteten hingegen von Erfahrungen mit der Droge und von ihnen bezeichneten sich wiederum elf Prozent als aktuelle Konsumenten.

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Die Vergleiche mit den Untersuchungsergebnissen der Samenproben ergaben: Die ehemaligen und aktuellen Cannabiskonsumenten besaßen eine vergleichsweise hohe Spermienkonzentration: 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen im Vergleich zu 45 Millionen bei den Männern, die den Angaben zufolge nie Marihuana geraucht haben. Wie die Forscher berichten, fanden sie keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Spermienkonzentration zwischen aktuellen und früheren Marihuana-Konsumenten.

Was die Untersuchungen des Testosteronspiegels im Blut betrifft, stellten die Wissenschaftler bei den Männern mit Cannabiserfahrung ein leicht erhöhtes Niveau fest. Dies war den statistischen Ergebnissen zufolge allerdings an den aktuellen Gebrauch gekoppelt: Probanden, die vergleichsweise viele Joints rauchten, besaßen auch höhere Konzentrationen des männlichen Geschlechtshormons im Blut.

Scheinkausalität nicht auszuschließen

„Unsere Ergebnisse widersprachen dem, was wir ursprünglich angenommen hatten. Dennoch gibt es durchaus eine plausible Erklärung für das Ergebnis“, sagt Nassan. Es könnte sein, dass ein moderater Konsum von Marihuana durch die Wirkung auf das Endocannabinoid-System die Spermienproduktion nachhaltig fördert. Dieser Effekt geht dann möglicherweise bei einem höheren Marihuanakonsum verloren“, sagt der Wissenschaftler. Sein Kollege Jorge Chavarro gibt allerdings zu bedenken: „Unsere Ergebnisse müssen mit Vorsicht interpretiert werden, denn sie haben bislang eingeschränkte Aussagekraft.“

Wie die Wissenschaftler selbst einräumen, ist bisher vor allem nicht eindeutig feststellbar, was Ursache und was Wirkung ist. „Eine ebenfalls plausible Interpretation unserer Ergebnisse wäre, dass Männer mit höheren Testosteronspiegeln risikobereiter sind und deshalb eher zu Cannabiskonsum neigen. Somit wäre der Zusammenhang zwischen Marihuana, Spermienkonzentration und Testosteronspiegel auf die Wirkung des Hormons als Grundlage zurückzuführen“, erklärt Chavarro. Deshalb sind nun weitere Studien nötig, um den Zusammenhang genauer zu untersuchen, sagen die Wissenschaftler. „Unsere Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die gesundheitlichen Auswirkungen von Marihuana-Konsum auf die Fruchtbarkeit und auch auf weitere Gesundheitsaspekte weiter zu untersuchen“, resümiert Chavarro.

Quelle: Harvard T.H. Chan School of Public Health, European Society of Human Reproduction and Embryology, Human Reproduction, doi: 10.1093/humrep/dez002

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