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Gesundheit+Medizin

Intervallfasten lässt Mäuse länger leben

Mäuse und Futter
Wann und wie oft Mäuse fressen, beeinflusst ihre Lebensdauer. © Fernando Augusto/ http://made-for.studio

Bestimmte Diäten sollen helfen, die Lebensspanne zu verlängern. An Mäusen haben Forscher nun gezeigt, dass eine kalorienreduzierte Ernährung, kombiniert mit täglichen Fastenintervallen, zumindest bei den Nagetieren tatsächlich mit einem längeren Leben assoziiert ist. Im Vergleich zu Artgenossen, die fressen konnten wann und wie viel sie wollten, lebten Mäuse, deren Futter begrenzt wurde, durchschnittlich zehn Prozent länger. Bekamen sie ihr Futter nur nachts, also zu ihrer natürlichen Aktivitätszeit, wurden sie sogar 35 Prozent älter.

Von Diäten erhoffen sich viele Menschen nicht nur ein geringeres Körpergewicht, sondern auch ein längeres und gesünderes Leben. Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass es gesundheitsförderlich sein kann, die Kalorienaufnahme zu verringern und nur zu bestimmten Zeiten am Tag zu essen. Auch unabhängig von einer möglichen Gewichtsreduktion könne eine solche Diät womöglich das Leben verlängern, vermuten Forscher. Welche Faktoren und Mechanismen genau dabei eine Rolle spielen, war allerdings noch unklar.

Automatisierte Fütterung

Ein Team um Victoria Acosta-Rodríguez von der University of Texas in Dallas hat nun an Mäusen ausgetestet, wie sich verschiedene Ernährungskonzepte auf die Lebensdauer auswirken. Dazu teilten sie über 200 Mäuse in sechs Gruppen ein: Eine Kontrollgruppe durfte fressen, wann und so viel sie wollte. Alle anderen Mäuse erhielten 30 bis 40 Prozent weniger Futter als die Kontrollgruppe, und zwar zu verschiedenen Zeiten, die jeweils über die gesamte Lebenszeit der Mäuse konstant blieben. Um die Nahrungsaufnahme genau zu kontrollieren, lebten alle Mäuse in Einzelkäfigen und bekamen ihre täglichen Rationen per Fütterungsautomat.

Eine Gruppe erhielt ihre gesamte Nahrungsration, neun Futterpellets, zu Beginn des Tages, eine andere zu Beginn der Nacht. Da die Mäuse jeweils sofort fraßen und innerhalb von zwei Stunden alles verzehrten, hatten diese Tiere eine tägliche Fastenperiode von rund 22 Stunden. Zwei weitere Gruppen erhielten über zwölf Stunden hinweg jeweils alle 90 Minuten ein Futterpellet, entweder über den Tag hinweg oder während der Nacht. Die letzte Gruppe bekam die neun Futterpellets gleichmäßig über 24 Stunden hinweg verteilt.

Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme wichtig

Insgesamt vier Jahre lang beobachteten die Forscher die Mäuse, bis alle eines natürlichen Todes gestorben waren. Dabei dokumentierten sie neben der Lebensdauer zusätzlich verschiedene Stoffwechselfaktoren, wogen regelmäßig das Körpergewicht der Tiere und hielten fest, zu welchen Zeiten die Mäuse im Laufrad liefen, also körperlich aktiv waren. „Alle Gruppen behielten ihr Leben lang ihr natürliches Aktivitätsmuster bei und waren vor allem nachts aktiv“, berichten die Forscher. „Die am Tag gefütterten Mäuse zeigten allerdings vergleichsweise mehr Aktivität am Tag. Sie unterbrachen demnach ihre Ruhephase, obwohl sie weiterhin ein eigentlich nachtaktives Verhalten zeigten. Davon wären negative metabolische Konsequenzen zu erwarten.“

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Dennoch lebten die am Tag gefütterten Mäuse durchschnittlich länger als ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe, die nach Belieben fressen konnten und 75 Prozent ihrer Nahrung in der Nacht aufnahmen. „Die Mäuse aus der Kontrollgruppe lebten durchschnittlich 792 Tage, also etwas über zwei Jahre“, so die Forscher. „Bei den Mäusen mit kalorienreduzierter Ernährung verlängerte sich das Leben je nach Zeit der Fütterung um zehn bis 35 Prozent.“ Mäuse aus der 24-Stunden-Gruppe lebten im Durchschnitt 875 Tage, Mäuse Mäuse, die tagsüber zwölf oder zwei Stunden gefüttert wurden, lebten durchschnittlich 942 beziehungsweise 959 Tage. „Zusätzlich zur Kalorienreduktion hat demnach eine tägliche Fastenperiode von mindestens zwölf Stunden eigene positive Effekte für die Langlebigkeit“, folgern die Forscher.

Einfluss auf die Genregulation

Am längsten lebten die Mäuse, die ihre kalorienreduzierte Diät in der Nacht bekamen. Sie lebten durchschnittlich 1058 beziehungsweise 1068 Tage, je nachdem, ob sie ihr Futter über zwölf Stunden verteilt bekamen oder auf einmal. Einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Fütterungsvarianten gab es nicht. „Zwölf Stunden Fasten scheinen demnach auszureichen, um das Leben der Mäuse zu verlängern“, folgern die Forscher. Zudem zeigen ihre Ergebnisse, dass es zumindest bei den Mäusen gesundheitsförderlich war, wenn die Nahrungsaufnahme während der natürlichen Aktivitätszeit stattfand.

Doch warum hat der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme Einfluss auf die Lebensdauer? Das Gewicht und der Körperfettanteil der Mäuse aus allen Gruppen mit reduzierter Kalorienzufuhr waren ähnlich, können also allein nicht ausschlaggebend sein. Anhand von Analysen der Genexpression fanden die Forscher jedoch einen zusätzlichen Einflussfaktor: Offenbar beeinflusst die Ernährung Gene, die am Tag-Nacht-Rhythmus der Mäuse beteiligt sind. Während bei Mäusen mit über den Tag verteilter Ernährung im Alter Entzündungsprozesse zunahmen, glichen tägliche Fastenperioden diese altersbedingten genetischen Veränderungen teilweise aus – und zwar am wirksamsten, wenn das Fasten während der natürlichen Ruhephasen stattfand. Übertragen auf Menschen würde das bedeuten, dass Nahrung am besten während des Tages aufgenommen werden sollte. Inwieweit sich ähnliche Effekte allerdings tatsächlich auch bei Menschen nachweisen lassen, ist bislang noch unklar.

Quelle: Victoria Acosta-Rodríguez (University of Texas, Dallas) et al., Science, doi: 10.1126/science.abk0297

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