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Long Covid

Jeder zweite Corona-Klinikpatient hat Langzeitfolgen

Covid-19
Manche Symptome von Covid-19 halten monatelang an. (Bild: da-kuk/ iStock)

Viele Menschen berichten nach einer Covid-19-Erkrankung über anhaltende Beschwerden. Zusammengefasst werden die Symptome unter der Bezeichnung Long Covid. Eine Studie aus Wuhan liefert nun die bisher umfassendste Analyse der Langzeitfolgen bei Menschen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt wurden. Demnach leidet jeder Zweite noch ein Jahr nach seiner Entlassung unter mindestens einem Symptom, am häufigsten Müdigkeit oder Muskelschwäche, jeder Dritte war kurzatmig. Den Forschern zufolge ist Long Covid eine anhaltende Herausforderung für die Gesundheitssysteme.

Bis Anfang August 2021 hat das Coronavirus Sars-CoV-2 weltweit für mehr als 200 Millionen bestätigte Erkrankungen und über 4,3 Millionen Todesfälle gesorgt. Zudem mehren sich die Berichte von Menschen, die noch lange nach der eigentlichen Erkrankung an Nachwirkungen der Infektion leiden. Dazu zählen Symptome wie Müdigkeit, Muskelschwäche, Kurzatmigkeit sowie Depressionen und Angstzustände. Eine einheitliche Definition von Long Covid existiert bislang allerdings noch nicht und es ist wenig darüber bekannt, wie häufig und unter welchen Bedingungen Langzeitfolgen vorkommen.

Langzeitfolgen noch nach einem Jahr

Ein Team um Lixue Huang von der Capital Medical University in Peking hat nun die bisher umfangreichste Analyse zu Long Covid vorgelegt. Dazu untersuchten die Forscher 1276 ehemalige Covid-19-Patienten, die zwischen Januar und Mai 2020 im Jin Yin-tan Hospital in Wuhan behandelt worden waren. Bei Gesundheitschecks nach sechs und zwölf Monaten beantworteten die Teilnehmer Fragen zu ihrem Befinden, durchliefen Labortests und körperliche Untersuchungen und machten einen Ausdauertest. Bei einigen Patienten führten die Forscher zudem einen Lungenfunktionstest und ein Thorax-CT durch. Als Vergleichsgruppe dienten Personen, die nicht an Sars-CoV-2 erkrankt waren und den Personen aus der Studiengruppe in Bezug auf Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen glichen.

„Während sich die meisten gut erholt hatten, bestanden bei einigen Patienten weiterhin gesundheitliche Probleme, insbesondere bei denen, die während ihres Krankenhausaufenthalts schwer erkrankt waren“, berichtet Co-Autor Bin Cao vom China-Japan Friendship Hospital in Peking „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Genesung einiger Patienten länger als ein Jahr dauert. Dies sollte bei der Planung der Gesundheitsversorgung nach der Pandemie berücksichtigt werden.“

Schäden an der Lunge

Besonders häufig berichteten die Patienten von Müdigkeit und Muskelschwäche. Diese Symptome gingen den Forschern zufolge im Laufe der Zeit zurück. Während bei der Untersuchung nach sechs Monaten 68 Prozent der Teilnehmer noch unter mindestens einem Symptom litten, waren es nach einem Jahr nur noch 49 Prozent der Teilnehmer. Was Kurzatmigkeit anging, steigerte sich allerdings der Anteil der Betroffenen von 26 Prozent nach sechs Monaten auf 30 Prozent nach zwölf Monaten. Besonders Patienten, die so schwer erkrankt gewesen waren, dass sie während ihres Krankenhausaufenthalts künstlich beatmet werden mussten, waren häufig noch nach einem Jahr kurzatmig – in 39 Prozent der Fälle. Von den weniger schwer erkrankten Patienten berichtete dagegen nur jeder Vierte nach einem Jahr über Kurzatmigkeit.

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Lungenfunktionstests nach einem Jahr ergaben, dass die Sauerstoffübertragung von der Lunge in den Blutkreislauf bei 35,7 Prozent der Untersuchten verringert war – wobei sich gegenüber der Sechsmonatsuntersuchung keine Verbesserungen zeigten. Thorax-CT-Aufnahmen nach sechs Monaten zeigten bei 186 von 353 Untersuchten krankhafte Veränderungen der Lunge. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wies auch nach zwölf Monaten noch Anomalien auf.

Psychische Probleme bei Genesenen

Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände kamen in der Gruppe der ehemaligen Covid-19-Patienten häufiger vor als bei der Kontrollgruppe, bei 26 Prozent im Vergleich zu fünf Prozent. Dabei verzeichneten die Forscher eine leichte Steigerung gegenüber der Sechsmonatsuntersuchung. „Wir verstehen noch nicht ganz, warum psychiatrische Symptome bei COVID-19-Überlebenden nach einem Jahr etwas häufiger auftreten als nach sechs Monaten“, sagt Caos Kollegin Xiaoying Gu. „Sie könnten durch einen biologischen Prozess verursacht werden, der mit der Virusinfektion selbst oder mit der Immunreaktion des Körpers auf diese Infektion zusammenhängt. Sie könnten aber auch mit verringerten sozialen Kontakten, Einsamkeit, unvollständiger Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit oder dem Verlust des Arbeitsplatzes in Folge der Krankheit zusammenhängen.“

Die Forscher erhoben auch den Beschäftigungsstatus der Genesenen. Bei etwa der Hälfte der Teilnehmer handelte es sich um Rentner. Von den übrigen kehrten 88 Prozent innerhalb eines Jahres an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurück und 76 Prozent arbeiteten auf dem gleichen Niveau wie vor ihrer Erkrankung. Der wichtigste Grund, nicht an den früheren Arbeitsplatz zurückzukehren, war eine verringerte körperliche Leistungsfähigkeit.

Weitere Forschungen erforderlich

Da die Studie nur die Genesenen aus einem einzigen Krankenhaus einbezieht, weisen die Forscher darauf hin, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf andere Covid-19-Patienten übertragen lassen. Insbesondere für leichter Erkrankte, die nicht im Krankenhaus behandelt wurden, fehlen weiterhin zuverlässige Daten.

In einem Leitartikel zu der Studie, der ebenfalls im Fachmagazin Lancet veröffentlicht wurde, schreiben die Autoren: „Wissenschaftler und Mediziner müssen zusammenarbeiten, um den Mechanismus und die Pathogenese von Long Covid zu erforschen, die globale und regionale Krankheitslast abzuschätzen, besser zu bestimmen, wer am meisten gefährdet ist, zu verstehen, wie Impfstoffe die Krankheit beeinflussen könnten, und wirksame Behandlungen durch randomisierte kontrollierte Studien zu finden.“ Wichtig sei zudem, dass die Gesundheitssysteme sowohl Behandlungen als auch Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung stellen. „Dies ist eine Herausforderung, der sich die gesamte Gesundheitsgemeinschaft stellen muss.“

Quelle: Lixue Huang (Capital Medical University, Peking, China) et al., Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(21)01755-4
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