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Kein Rausch: Was hinter dem Kürzel CBD steckt

Hanfpflanze
CBD gehört zu den Stoffen der Hanfpflanze, die die Zukunft der Medizin beeinflussen könnten. (Foto: pixabay.com, herbalhemp (CC0))
Cannabis. Fällt dieser Begriff, denken die meisten Menschen auch heute noch an bewusstseinsverändernde Wirkungsweisen, Verbotenes und Sucht. Ein Blick hinter die Kulissen aber verrät: Die Hanfpflanze enthält Wirkstoffe, die nicht in die Kategorie des Verwerflichen passen und für die menschliche Gesundheit von Vorteil sein könnten. Und auch wenn die Studienlage bisher noch dürftig erscheint, lohnt sich ein Blick in die Zukunft.

CBD ist nicht gleich THC

THC, genauer Delta-9-Tetrahydrocannabinol, ist der wohl berühmteste Wirkstoff der Cannabis-Pflanze. Er ist es auch, der für die psychoaktive Wirkung beim Rauchen oder anderweitigen Konsumieren von Cannabis sorgt. Doch der THC Gehalt in Hanfpflanzen ist nicht immer gleich hoch. Vor allem traditionellere Gewächse verfügen über einen sehr geringen Anteil und weisen zeitgleich eine höhere Konzentration an CBD auf. Dass moderne Züchtungen über vergleichsweise hohe THC-Konzentrationen verfügen, dürfte maßgeblich an den immer neu aufflammenden Diskussionen rund um Risikofaktoren und Verbote beteiligt sein.

CBD, also Cannabidiol, verfügt über eine nur schwach ausgeprägte psychoaktive Wirkung, die sich bei geringer Aufnahmemenge kaum zeigt. Das oft propagierte Hochgefühl beim Konsum von Cannabis also ist diesem Wirkstoff keineswegs zuzuschreiben. Aus diesem Grund gelten für Cannabidiol keine strengen rechtlichen Reglementierungen wie für THC oder Cannabis im Allgemeinen. Und doch wirkt Cannabidiol pleiotrop und kann seine Wirkung folglich auf mehreren Wegen entfalten. Ihm wird eine antipsychotische Wirkungsweise nachgesagt, die enthaltenem THC seine Dominanz nimmt und sogar gegen Psychosen, die durch Cannabis induziert sind, helfen soll. CBD also gilt im Vergleich zu THC als risikoärmer, was Forschern die Möglichkeit gibt, potenzielle positive Wirkungsweisen unter die Lupe zu nehmen.

Mögliche Einsatzgebiete von CBD

Die Forschung rund um CBD steckt auch heute noch in den Kinderschuhen. Es gibt zwar zahlreiche Studien, die dem Wirkstoff positive Aspekte nachweisen, diese jedoch beschränken sich in vielen Fällen auf Untersuchungen von Einzelfällen, Tierversuche oder auch Experimente an Zellen. Erst in den vergangenen Jahren steigt das Interesse an Cannabidiol in der Medizin. Auch Hinweise darauf, dass CBD dem Wachstum von Krebszellen entgegenwirkt, sorgen für großes Aufsehen in wissenschaftlichen Kreisen und bei Betroffenen.

Die entkrampfende Wirkung von Cannabidiol jedoch ist ein Punkt, der inzwischen in einigen Studien belegt werden konnte. Daher ist der Stoff gemeinsam mit THC in den Präparaten „Sativex“ und „Nabiximols“ enthalten, die bei Multipler Sklerose zum Einsatz kommen. Forscher sind der Meinung, dass die krampflösende Wirkweise auch im Bereich anderer Dystonien vorteilhaft sein könnte. So zum Beispiel bei Krankheitsbildern wie Parkinson, dem Angelman-Syndrom oder auch Epilepsie.

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Interessant sind daher auch die Erkenntnisse rund um Cannabidiol, wenn es um Epilepsie bei Kindern geht. Verschiedenen Formen wie das Lennox-Gastaut Syndrom oder auch das Dravet Syndrom können heute mit Cannabidiol in Form eines sogenannten Orphan-Medikaments behandelt werden. Erst 2017 erfolgte eine Doppelblindstudie mit rund 120 Probanden, die unter dem Dravet-Syndrom litten. Hier zeigte sich eine deutliche Verringerung konvulsiver Anfälle. Die Ergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. In 2018 dann folgte eine placebokontrollierte Studie, bei der die Wirkung von Cannabidiol auf das Lennox-Gastaut syndrom untersucht werden sollte. Auch hier verringerte sich die Häufigkeit der Krampfanfälle. Nähere Informationen zu besagter Studie finden Interessierte unter aerzteblatt.de.

Aktuell zur Debatte stehen außerdem auch weitere Forschungen, die sich mit der antipsychotischen Wirkungsweise von Cannabidiol befassen und den Stoff als mögliches Mittel bei der Behandlung von Schizophrenie auf den Plan treten lassen. Darüber hinaus vermuten Experten auch, dass die anti-inflammatorische Wirkung von Cannabidiol bei Krankheitsbildern wie

  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
  • Asthma
  • Autoimmun-Erkrankungen
  • und Arthritis

helfen könnte. Zusätzlich große Hoffnung legen Forscher in die angstlösende und neuroprotektive Wirkung von Cannabidiol. Cannabidiol könnte sich außerdem auch als möglicher Risiko-Verminderer in Bezug auf Diabetes erweisen.

CBD also könnte tatsächlich vorteilhaft für die Gesundheit des Menschen sein. Da hier die strengen Reglementierungen fehlen, gibt es bereits jetzt frei verkäufliche Öle, Kapseln und andere Präparate, die als Nahrungsergänzung geführt werden. Zusätzliche Informationen liefert nordicoil.de in seinem CBD Ratgeber inklusive Test.

CBD: Zukunft als Arzneimittel?

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Cannabidiol nicht um ein Arzneimittel. Auch die Definitionen des deutschen Arzneimittelgesetzes unterstreichen das. Ein Blick in die EU-Nahrungsergänzungsmittel Richtlinie (hier nachzulesen) verrät, dass hier die Einnahme von „ernährungsfördernden Pflanzenrohstoffen“ als Option gilt. Wer Cannabidiol als Nahrungsergänzungsmittel in Betracht zieht und seinen Plan in die Tat umsetzt, handelt demnach nicht illegal. Die Debatte um Cannabis als Medizin bleibt jedoch weiter aktuell und dürfte in den kommenden Jahren spannende Erkenntnisse ans Tageslicht bringen.

Um herauszufinden, ob CBD langfristig seinen festen Platz in der Riege wirksamer und anerkannter Arzneimittel einnehmen kann, wird es weiterer fundierter Studien bedürfen. Schon jetzt jedoch ist die Verschreibung des Stoffes als sogenanntes Rezepturarzneimittel durch behandelnde Ärzte möglich, wobei Krankenkassen eine Kostenübernahme nicht grundsätzlich anbieten. Wer CBD mit entsprechender Indikation verschrieben bekommt, hat jedoch die Möglichkeit, eine nachträgliche Übernahme zu beantragen. Ob dieser stattgegeben wird, entscheidet der individuelle Fall.

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