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Gesundheit+Medizin

Kinder entwickeln langfristige Immunität gegen Covid-19

Coronavirus
Immunschutz gegen das Coronavirus. (Bild: loops7/ iStock)

Wie reagiert das kindliche Immunsystem auf Covid-19? Offenbar stecken sich Kinder im Vergleich zu Erwachsenen seltener an, haben häufiger milde oder asymptomatische Verläufe und produzieren dennoch mehr spezifische Antikörper, die sie vor einer Neuinfektion schützen. Das zeigt eine Studie aus Baden-Württemberg, die jetzt als Preprint veröffentlicht wurde. Eine Kreuzprotektion mit harmlosen Erkältungs-Coronaviren spielt der Untersuchung zufolge jedoch keine Rolle.

Welche Rolle spielen Kinder im Covid-19-Pandemiegeschehen? Wie leicht stecken sie sich an, wie hoch ist ihr Risiko für schwere Verläufe und wie gut sind sie nach einer Infektion geschützt? Die Antworten auf diese Fragen sind wichtig für politische Entscheidungen, beispielsweise wenn es darum geht, inwieweit Schulschließungen notwendig sind und ob Kinder gegen Sars-CoV-2 geimpft werden sollen. Die Datenlage zu Kindern und Covid-19 ist allerdings noch sehr begrenzt.

Kinder stecken sich seltener an

Ein Team um Hanna Renk von der Universitätsklinik Tübingen hat 328 Familien, in denen während der ersten Covid-19-Welle mindestens ein Familienmitglied erkrankt ist, über ein Jahr hinweg mehrfach untersucht. Dabei erhoben die Forscher, welche Familienmitglieder sich ansteckten, welche Symptome sie hatten und wie stark ihre Immunantwort in den folgenden Monaten war. Insgesamt nahmen an der Studie 548 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren und 717 Erwachsene teil. Die Forscher stellten fest, dass sich Kinder deutlich seltener bei ihrem infizierten Familienmitglied ansteckten als Erwachsene: In den teilnehmenden Familien steckten sich nur 34 Prozent der Kinder, aber 58 Prozent der Erwachsenen an.

Zudem hatte fast die Hälfte der erkrankten Kinder keine Symptome. Bei den Erwachsenen verliefen dagegen nur neun Prozent der Infektionen asymptomatisch. Auch bei Teilnehmern mit Symptomen verlief die Erkrankung jedoch in den meisten Fällen mild. Allerdings unteschied sich die Art der Symptome zwischen Kindern und Erwachsenen: Während bei Erwachsenen Fieber, Husten, Durchfall und Geschmacksstörungen gleichermaßen ein guter Hinweis auf eine Infektion waren, waren bei Kindern nur Geschmacksstörungen ein guter Indikator. „Diese Befunde deuten darauf hin, dass die Symptomkriterien, die für den anschließenden PCR-Test verwendet werden, für Kinder und Erwachsene unterschiedlich sein müssen“, schreiben die Forscher.

Antikörperschutz noch nach einem Jahr

Zweimal im Verlauf der Studie – drei bis vier Monate und elf bis zwölf Monate nach Auftreten der ersten Erkrankung in der Familie – nahmen die Forscher allen Familienmitgliedern Blut ab und untersuchten darin die Antikörperspiegel gegen Sars-CoV-2 sowie gegen verschiedene harmlose Erkältungs-Coronaviren. „Obwohl die Infektion bei Kindern häufiger asymptomatisch verlief, wiesen sie höhere spezifische Antikörperspiegel auf als die Erwachsenen“, berichten die Forscher. Weder bei Kindern noch bei Erwachsenen machte es einen Unterschied für den Antikörperspiegel, ob sie während ihrer Infektion Symptome hatten oder nicht. Bei der Blutuntersuchung nach elf bis zwölf Monaten stellten die Forscher fest, dass die Antikörperantwort bei Kindern offenbar stabiler war als bei Erwachsenen: Fast ein Jahr nach der Infektion hatten 96 Prozent der Kinder einen für eine Immunisierung ausreichend hohen Antikörpertiter. Bei den Erwachsenen waren es nur 82 Prozent. Die Antikörper der Kinder und Erwachsenen waren auch gegen verschiedene Virusvarianten wirksam.

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Die Forscher untersuchten zudem, inwieweit es für die Antikörperproduktion eine Rolle spielt, ob das Immunsystem schon vorher mit verwandten, aber harmlosen Coronaviren Kontakt hatte. „Obwohl eine Kreuzprotektion zwischen Sars-CoV-2 und anderen humanen Coronaviren vermutet wurde, haben unsere Analysen keine Hinweise auf solche Effekte gefunden“, berichten sie. Die Antikörper gegen harmlose Erkältungs-Coronaviren hatten weder einen Einfluss darauf, ob sich eine Person mit CovidD-19 ansteckte, noch darauf, wie sich der Antikörperspiegel gegen Sars-CoV-2 entwickelte. „Das spricht stark dafür, dass die geringere Inzidenz von Sars-CoV-2-Infektionen bei Kindern nicht auf eine Kreuzprotektion zurückzuführen ist“, so die Forscher.

Die Ergebnisse zu den Antikörper-Titern bei Kindern könnten auch Einfluss auf zukünftige politische Entscheidungen haben. „Obwohl Sars-CoV-2-Infektionen bei Kindern meist mild oder sogar asymptomatisch verlaufen, zeigen sie eine starke und anhaltende Immunantwort“, fassen die Forscher zusammen. „Dies spricht für einen langfristigen Schutz nach der Infektion und könnte das Design von Impfstrategien für Kinder beeinflussen, die von Covid-19 genesen sind.“

Quelle: Hanna Renk (Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Tübingen) et al., MedRxiv, doi: 10.1101/2021.07.20.21260863

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