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Krebs- in Fettzellen verwandelt

Grün markierte Krebszellen und eine rot markierte Fettzelle an der Oberfläche eines Tumors (links). Nach der Therapie (rechts) haben sich drei ehemalige Krebszellen in Fettzellen umgewandelt. Die kombinierte Markierung mit Grün und Rot lässt sie dunkelgelb erscheinen. (Credit: Universität Basel)

Bösewichte mit fataler Wanderlust: Besonders bei Brustkrebs bilden Tumore oft Tochterkolonien in lebenswichtigen Organen – Metastasen. Offenbar gibt es nun allerdings Hoffnung im Kampf gegen diesen besonders tödlichen Aspekt von Krebs. Durch eine neue Kombinationstherapie ist es Forschern gelungen, Krebszellen mit Wanderlust in harmlose Fettzellen umzuwandeln. Im Mausmodell hat sich dieser Ansatz bereits als erfolgreich erwiesen: Die Krebsforscher konnten die Bildung von Metastasen unterdrücken und damit den Krebs in Schach halten.

„Der Krebs hat leider metastasiert…“ Diese Information gehört zum Schlimmsten, was Ärzte ihren Patienten mitteilen müssen. Denn wenn ein Primärtumor Tochterkolonien im Körper gebildet hat, verdüstert sich die Überlebens-Prognose von Krebspatienten drastisch. In diesem Zusammenhang ist bekannt: Die Neigung zur Metastasenbildung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Krebsarten stark. Im Fall von Brustkrebs gibt es einige Varianten mit einer besonders fatalen Wanderlust, deshalb gehört diese Krebsform zu den gefährlichsten Krebserkrankungen bei Frauen.

Wenn Krebs mobil macht

Dieser Aspekt hat mit der buchstäblich bösartigen Wandlungsfähigkeit von Tumorzellen zu tun. Sie basiert unter anderem auf der Fähigkeit, zelluläre Prozesse reaktivieren zu können, die eigentlich während der frühen menschlichen Entwicklung ablaufen. Im Embryo ermöglicht die sogenannte epithelial-mesenchymale Transition (EMT) die Entwicklung von Organen. Tumorzellen machen sich diesen Prozess hingegen zunutze, um mobile Eigenschaften anderer Zelltypen anzunehmen. Sie können sich dadurch aus dem Zellverband des sesshaften Primärtumors lösen. Über den Blutkreislauf wandern sie dann in andere Körperregionen, wo sie sich festsetzen und neue Krebskolonien bilden können – Metastasen.

Bereits seit einiger Zeit widmet sich das Team um Gerhard Christofori von der Universität Basel der Erforschung der molekularen Abläufe, die das zelluläre Programm EMT regulieren. Ihr Ziel ist es, durch Einblicke in dieses System neue Möglichkeiten im Kampf gegen Krebs und Metastasenbildung zu identifizieren. Dies ist ihnen nun offenbar geglückt. Den Hebel setzten sie dabei genau in der Phase an, in der die Krebszellen das zelluläre Programm EMT durchlaufen – also wenn sie besonders wandlungsfähig sind und schließlich mobil werden. Vereinfacht ausgedrückt ist es den Forschern gelungen, die Krebszellen dazu zu bringen, sich statt in böse Wandergesellen in träge Fettzellen zu verwandeln, die bleiben wo sie sind und sich auch nicht mehr teilen.

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Vielversprechender Ansatz

Möglich ist dies durch die Kombination von zwei bereits bekannten Medikamenten: Rosiglitazon, das bei vielen Patienten zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird, und Trametinib, welches das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen hemmt. Durch Versuche an Mäusen, denen besonders aggressive menschliche Brustkrebstumore eingepflanzt worden waren konnten die Forscher zeigen: Im Gegensatz zu Kontrolltieren bildeten sich bei den durch die Kombinationstherapie behandelten Mäusen keine Metastasen. Durch molekulare Nachweisverfahren konnte das Team auch konkret zeigen, dass sich Tumorzellen nach dem Durchlaufen des EMT-Prozesses statt in mobile Zellen in harmlose Fettzellen verwandelt haben.

Wie die Forscher betonen, kann das Konzept zwar nicht den Primärtumor in Fett verwandeln – aber letztlich könnte auch diese Quelle des Übels durch den Ansatz austrocknen: Sie vermuten, dass die Blockade des Tumors auch seine Fähigkeit beeinträchtigen könnte, der herkömmlichen Chemotherapie zu widerstehen. Diesen möglichen Effekt wollen die Wissenschaftler nun genauer ausloten.

„Der neuartige Therapieansatz könnte zukünftig genutzt werden, um in Kombination mit konventioneller Chemotherapie das primäre Tumorwachstum und gleichzeitig auch die Bildung von tödlichen Metastasen zu unterdrücken“, resümiert Christofori. Wie er betont, zeigen die Ergebnisse nun auch generell, welch hohe Zellplastizität Krebszellen aufweisen – eine Eigenschaft, die sich therapeutisch ausnutzen lässt. Man darf also gespannt sein, was sich aus diesem vielversprechenden Ansatz in der Krebsforschung entwickeln wird.

Quelle: Cell Press, Cancer Cell, doi: 10.1016/j.ccell.2018.12.002, https://www.cell.com/cancer-cell/fulltext/S1535-6108(18)30573-7

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