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Gesundheit|Medizin

Lebenserwartung steigt – So alt werden wir in der Zukunft

Gefaltete Hände einer alten Frau
(Bild: fortton, Adobe Stock)
Wir Menschen werden immer älter. Durch technologische Neuerungen, einen höheren Lebensstandard und medizinischen Fortschritt werden heute Neugeborene älter denn je. Doch wie lange kann dieser Trend so weitergehen? Gibt es ein Limit, ab dem die natürliche Sterblichkeit sich nicht mehr weiter hinausschieben lässt? Wenn ja, wo liegt dieses und was passiert mit uns, wenn immer mehr Menschen sich diesem theoretischen Höchstalter nähern?

Quo Vadis, Lebenserwartung?

Dank wissenschaftlicher Fortschritte geht es uns erwiesenermaßen immer besser. Die moderne Medizin hat in den letzten 100 Jahren große Siege feiern können, wie etwa die annähernde Ausrottung von Polio oder zur Routine werdende Organtransplantationen. Diese Errungenschaften haben allesamt einen großen Effekt auf die durchschnittliche Lebenserwartung gehabt, besonders in Industrienationen.

Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Gründe wie soziale Faktoren und eine ausgewogenere Ernährung, die ebenfalls die Sterblichkeit beeinflussen. Dadurch ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland von etwa 52 Jahren im Jahr 1910, über knapp 75 Jahre in der Nachkriegszeit bis auf die aktuell angeführten 83,3 Jahre bei Mädchen und 78,5 Jahre für Jungen, die im Jahr 2019 geboren wurden.

Da es sich dabei um einen Durchschnittswert handelt, kann dies bedeuten, dass jedes zweite derzeit geborene Baby über einhundert Jahre alt werden kann. Der Anstieg ist in den letzten Jahren zwar deutlich langsamer geworden – etwa 0,05 weitere Jahre kommen pro Jahr hinzu – doch bleibt bisher konstant.

Durchschnittliche Lebensumstände und Medizin verbessern sich auch weiterhin. Prognosen sagen daher voraus, dass die durchschnittliche Lebenserwartung bis im Jahr 2050 bei etwa 85 Jahren liegen könnte.

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Wie alt können wir tatsächlich werden?

Für die Antwort auf diese Frage reicht es nicht aus, auf die errechnete, statistische Lebenserwartung zu schauen. Die Streuung der tatsächlichen Sterbealter wird dabei nämlich nicht berücksichtigt, was bedeuten kann, dass es bei gleichbleibender Zahl sowohl sehr viele als auch sehr wenige Ausreißer nach oben oder unten geben kann.

Bis dato ist die älteste Person der Geschichte die Französin Jeanne Louise Calment. Sie wurde schon 1875 geboren und erreichte das mehr als stolze Alter von 122 Jahren und 164 Tagen. Damit liegt ihr tatsächliches Alter mehr als doppelt so hoch wie die durchscnittliche Lebenserwartung in ihrem Geburtsjahr.

Daher stellt sich die Frage, wie alt Menschen überhaupt werden können. Bisher konnte trotz der weiteren medizinischen Fortschritte seit 1997 keine Person annähernd an Calments Rekord herankommen.

Daher streiten sich Forscher und Wissenschaftler seitdem darüber, ob dieser Ausreißer nach oben die tatsächliche biologische Altersgrenze darstellt, oder ob es sogar möglich wäre, noch älter zu werden. Viele sind überzeugt davon, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass viele Menschen jemals die 122 Jahre erreichen werden.

Wenn man die Entwicklung der Lebenserwartung betrachtet, könnte man jedoch das Gefühl bekommen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Einzelfälle bei einer durchschnittlich bereits so hohen Lebenserwartung noch älter werden können. Statistiker haben jedoch wiederholt festgestellt, dass es auch heute extrem unwahrscheinlich ist, dass die 125 Jahre jemals erreicht würden.

Doch das sind mathematische Betrachtungen eines biologischen Problems. Was dabei – aufgrund zu vieler Unbekannten – kaum betrachtet werden kann: Die Effekte auf unsere Langlebigkeit, die ein ganzes Leben unter der Betreuung durch modernste Medizin haben könnte.

Menschen, die ab den 60er Jahren in Industrienationen geboren wurden, sind unter stark unterschiedlichen Voraussetzungen aufgewachsen. Ob dies langfristige Effekte auf die Gesundheit im Alter hat und wie diese, falls existent, aussehen könnten, bleibt noch abzusehen. Außerdem könnten in Zukunft bisher noch kaum vorstellbare Medikamente oder Therapien den Alterungsprozess selbst beeinflussen und im Optimalfall verlangsamen.

Einzelne Ärzte und Wissenschaftler glauben daher, dass es kaum möglich ist, aktuell eine Obergrenze zu bestimmen und dass diese sogar deutlich höher liegen könnte als 122 Jahre. Ein Beleg dafür sind beispielsweise die Bürgerdaten in Schweden, die seit dem 16. Jahrhundert aufbewahrt werden. Seit bereits 150 Jahren scheint die maximale Lebensdauer konstant anzusteigen.

Diese Frage wurde erst im Jahr 2018 erneut diskutiert, als ein Team von Wissenschaftlern im „Science“ Magazin eine Studie unter dem Namen „The plateau of human mortality“ veröffentlichten (Band 360, Ausgabe 6396, englische Quelle mit Abstract findet sich hier). Das Ergebnis: Die Sterblichkeitsrate scheint sich ab dem 105. Lebensjahr nicht weiter zu erhöhen und bleibt konstant auf einem Plateau von etwa 50 Prozent.

Das könnte bedeuten, dass es zwar weiterhin sehr unwahrscheinlich ist, dass einzelne Menschen ein weit höheres Alter erreichen könnten – aber eben nicht unmöglich. Doch auch hier zweifeln Kritiker an der Aussagekraft der Studie, unter anderem, da sie mit nur knapp einhundert Probanden durchgeführt wurde.

Effekte hohen Alters auf unsere Körper

Unabhängig davon, ob es realistisch ist, dass Menschen in der Zukunft über 120 Jahre alt werden können, ist es eine unbestrittene Tatsache, dass die Zahl der Menschen über einhundert Jahre deutlich wächst.

Das bedeutet also, dass in einigen Jahren der Anteil an sehr alten Menschen in unserer Gesellschaft weit größer sein wird, als bisher – ein wichtiger Faktor des demographischen Wandels. Themen wie ambulante und stationäre Pflege, Arbeitskraft und Rentensystem oder Barrierefreiheit müssen daher ernsthaft diskutiert werden.

Denn auch wenn die Lebenserwartung ansteigt, so gibt es gegen die Effekte des Alterns bisher keine Gegenmittel. Der langsame, aber stetige Abbau von Muskelmasse, die so genannte Sarkopenie, setzt beispielsweise bereits mit etwa 50 Jahren ein, betrifft also auch Menschen, die in Folge noch weit älter werden.

Auch die Veränderungen im Blut-Kreislaufsystem sind biologischen Ursprungs. Die Gefäßwände verlieren Flexibilität, was die Durchblutung verschlechtert und auf Dauer somit zu Schäden an Gewebe und Organen führt. Ebenso sind Ermüdungserscheinungen von Knochen, Gelenken oder auch den Augen unvermeidlich.

Durch moderne Medizin und Reha-Therapien ist es zwar möglich, die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit von Menschen etwas zu verlängern, doch hier sind durch unaufhaltsame, biologische Alterungsvorgänge gewisse Grenzen gesetzt.

Die Zahl der älteren und somit schwächeren Menschen wird weiter anwachsen. Es ist also eine große gesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit, diesen Problemen zu begegnen und Lösungen dafür zu finden.

15.01.2020

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